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Zeitschrift
für die
GWesammten Naturwissenschaften.
Herausgegeben
von dem
Naturw. Vereine für Sachsen und Thüringen in Halle,
redigirt von
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€. Giebel und M. Siewert.
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Jahrgang 1863, IlıerAR Y,
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Mit drei Tafeln.
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Berlin, Wiegandt u, Hempel. 1863.
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Inhalt.
Original - Aufsätze.
C. @. Giebel, Limulus Decheni Zk im Braunkohlensandsteine bei
Teuchern (TE. sa: 64 — —, zur Anatomie von Vultur fulvus aus Chr. L. Nitzsch’ "hand. schriftlichem Nachlass mitgetheilt . . . ote (bie narsananiN — —, zur Osteologie der Gattung Ocypterus 2 140 — —, drei und zwanzig neue und einige bekannte Spinnen der hallischen Sammlung 306 W. Heintz, über die Daseleliäng und Basicität der Diglycolamid- säure. . 121
H. Hornemann, "die Bildung der Weinsäure "und "Traubensäure durch Einwirkung von Salpetersäure auf verschiedene Kohle-
Bolesie ,u..69 2nonokte] Ina lnanöhah. der oe ala er Th. Irmisch, einige Bemerkungen über Scilla autumnalis und
Sc. bifolia u 433 R. A. Philippi, Verzeichniss der im Museum von St. Jago befind-
lichen chilenischen Orthopteren . . 217 — — , Beschreibung einer neuen Acridioide aus der argentini-
schen Republik . . . 444 M.Siewert, über Farbenveränderungen der Chromoxydsalzlösungen 501 —_—-—, über Salpetersäurebestimmung . . . .- RER ...516 — —, über das Quecksilberoxyd . . BR ENTE RR) Bd. Söchting, zur Paragenesis des Glimmers . 30 B. L. Taschenberg, Bemerkungen zu den Arten’ der“ Gattung
Pimpla bei Durchsicht der Gravenhorst’schen Dypeniara » 50 — — , die Schlupfwespenfamilie Pimplariae der deutschen Fauna - mit besonderer Rücksicht auf die Umgegend von Halle. . . 245 Vasquez und Bassols, Analyse einer dem Erdpech ähnlichen Sub-
stanz gefunden in einer Höhle bei Catemu in Chile. . . . 447 I. Witte, die Vertheilung der Wärme auf der Erdoberfläche . . 401
Mittheilungen.
C. Giebel, Hypoderas Nitz —= Hypodectes Filippi 79; Caridina siamensis n sp. 329; über Borsteneichkätzchen 452; der lithographirte lithographische Vogelsaurier 526. — H. Kenngott, Analcim mit Des- min und Stilbit bei Andreasberg 452. — Z. Möller, der Erdfall bei Dachrieden unweit Mühlhausen 450. — H. Richter, naturgeschicht- liche Beobachtungen bei Saalfeld 531. — Z. Richter, Analyse einer Hornblende von Brackendorf in Ungarn und einer Scheidungsmethode der Magnesia von Natron 68. — M. Siewert, Analyse einer "Amnions- flüssigkeit 146; über reines Zinkoxyd und über das Atomgewicht des Zinks 150; Untersuchung einer hydropischen Flüssigkeit; über das Oxalium; Analyse eines Stassfurter Kalisalzes 77. — G. Suckow, über Metallreduktion 328. — C. Zincken, das Braunkohlenlager von Latdorf bei Bernburg. (Tf. III) 330.
Literatur.
Allgemeines. E. Hallier, Nordseestudien (Hamburg 1863) 533. — (C. Hullmann, das Grundgesetz der Materie (Oldenburg 1863) 533. — Öfversigt kgl. Vetensk. Akad. Forhdl. XVIII. (1861) 330. — Oversigt over det kgl. danske Vid. Selskp. Forhdl. (1861) 80. — Kgl. svenska Vet. Acad. Handlgar III (1860) 331. — KH. Pompper, die wichtigsten Formen des Thierreiches (Leipzig 1863) 533. — G. Ra- mann, die Erdbildung oder die Entstehung und Zusammensetzung
IV
der Erdrinde (Erfurt 1863) 81. — 6. Suckow, zur Naturwissenschaft (Berlin 1863) 532.
Astronomie u. Meteorologie. Cornelius, Meteorologie (Halle 1863) 151. — Feuerkugel in NDeutschland am 7. Januar 82. — @. Kratzsch, meteorologische Beobachtungen von Gera 455, — @. von Möllendorf, die Regenverhältnisse Deutschlands 455. — 4A. Mühry, klimatographische Uebersicht der Erde (Leipzig 1862) 81. — Nomack, über die Gewitter 454. — Schneider, merkwürdige Erscheinungen bei dem Gewitter am 26. April 1862 153. — Schönfeld, Beobachtungen von Nebelflecken und Sternhaufen 454. — Simmler,, Beobachtung des Zo- diakallichtes bei Chur 83. — Simonett, meteorologische Beobachtun- gen in Splügen, auf dem Bernhardin und Julier 81. — sSimony, Wärmeverhältnisse Wiens 82.
Physik. Angström, das Wärmeleitungsvermögen des Kupfers und Eisens bei verschiedener Temperatur 436. — Aubert, die Sinnes- thätigkeit der Netzhaut 155. — Berger, über Grundeisbildung 332; über Nebel 534. — Dammer, Fluorescenz der Wärme 83. — Dove, das Hörbarmachen von Beitönen durch Interferenz 83. — Keddersen, die elecetrische Funkenentladung 155. — Fizeau, das Licht des in der Luft verbrennenden Natriums 332. — Gassiot, die Wärmeentwickelung an den Polen einer voltaischen Batterie 536. — Haerlin, das Verhal- ten einiger Farbstoffe im Sonnenspektrum 332. — Kravogl, Quecksil- berluftpumpe 333. — Zamy, das Thallium 333. — Zeroux, anomale Dispersion des Joddampfes 334. — Mascart, Wellenlänge der Linie A 458. — Merz, das Farbenspectrum 334. — Mitscherlich, zur Spec- tralanalyse 334. — Mohr, die Endigungen der Blitzableiter 85; über Flecks Beziehungen zwischen Atomgewicht und specifischem Ge- wichte 335. — J. Müller, Bestimmung der Wellenlänge einiger hellen Spectrallinien 457. — Paalzom, über die Glüherscheinung am positi- ven und negativen Pole bei der Entladung einer Leydener Batterie 453. — Plücker, über recurrente Ströme und deren Gasspectra 86. — $. Ringer, über die Aenderung der Tonhöhe bei Leitung von Tönen durch verschiedene Medien 458. — ARood, das Studium des electrischen Funkens mittelst Photographie 335. — H. Rose, Zusammensetzung eines fossilen Eies 336. — ARüdorff, das Gefrieren des Wassers aus Lösungen 85. — Sauber, Brechungs- und Zerstreuungsverhältnisse ei- niger organischer und unorganischer Substanzen 337. — Schaffgotsch, specifische Gewichtsbestimmung fester Körper beim Schweben 157. — Schneider, Erzeugung von Tönen durch Wärme 337. — Schrauf, Abhängigkeit der Lichtfortpflanzung von der Körperdichte 158. — Tyndall, Strahlung und Absorption der Wärme durch Gase 160. — Vogel, einfaches Verfahren mikroskopische Ansichten zu photographi- ren 337. — Weiss, Spectralbeobachtungen 162. — Wiederhold, einige Zersetzungen des chlorsauren Kalis durch katalytische Wirkung 162. — Zehfuss, eine mechanische Wirkung des elektrischen Funkens 163. — Zöllner, neue Art anorthoskopischer Zerrbilder 163.
Chemie. 4Arppe, die Azelainsäure 537. — Bachmann, eine Lederschmiere 175. — Barth u. Hlasiwetz, neue Säure aus dem Milch- zucker 338. — Baudrimont, Darstellung des Phosphorsulfochlorids 339. — Bauer, Reaktionen des Bromamylens 164. — Beilstein, Syn- these des Amylen und Porpylen 542; Einwirkung des Jodphosphors auf Glycerinsäure 87. — Bereitung des Knochenmebles 463. — (. Bischoff, relative Schmelzbarkeit verschiedener Silikate 462. — C. Bödeker, Darstellung der Wismutbsäure 458. — Fr. Briegleb u. Geuther, über Stickstoffverbindungen 458. — Calvertu. Johnson, Wirkung der Schwe- felsäure auf Blei 353. — Cannizaro u. Rossi, die Radikale der aroma- tischen Alkohole, des Benzoe-, Cumin- und Anisalkohols 339.— Carius, Entstehung der Schwefelessigsäure; Einwirkung des Selenphosphor auf Alkohol 538. — Chevreul, Nachweis kleiner Mengen oxalsauren Kalkes durch salpetersaures Silberoxyd 88. — Cloez, Wirkung des Chlors und Broms auf Holzgeist 340. — Davanne u. Giraud, über
V
Sulfoeyanammonium 463. — Davidson, Einwirkung des Bromäthylens auf Pyridin 340. — Delanue, Anwendung des Baryts bei der Melas- senreinigung 463. — Diehl, Atomgewieht des Lithiums 165. — Du- four, das spec. Gewicht des Eises 538. — Bliot u. Storer, chromsau- res Chromoxyd und analoge Chromate 165. — Erdmann, Erkennung der Bluttiecke in forensischen Fällen 341; zum Nachtheil organischer Alkaloide 88. — Eylerts, chemische Untersuchung der Runkelrübe in verschiedenen Wachsthumsperioden 340. — Fleury, Umwandlung des Harnstoffs in Rhodanammonium 459. — Frankland, neue Borenthal- tende organische Verbindungen; die Entzündungstemperatur des Stein- kohlenleuchtgases 539. — Freund, zur phenylschwefeligen Säure und der Phenylschwefelsäure 341. — Friedel u. Machura, Brombuttersäure 86. — Geuther u. Forsberg, über krystallisirte wolframsaure Salze insbesondere künstlichen Wolfram 89. — Geuther, Einwirkung von Phosphorchlorid auf einbasische organische Säuren; Zersetzung des Chloroforms durch alkoholische Kalilösung 459. — Graham, Transpi- ration von Flüssigkeiten 459. — Gilmer, Identität von Melampyrin und Duleit 438. — Günsberg, die im Wasser löslichen Bestandtheile des Weizenklebers 350. — Haneberg, Stohmann u. Rautenberg, Unter- suchung des Harns der Pflanzenfresser 540. — Harbord, über Amido- benzoesäure und über das Rautenöl 540. — Hague, der Guano von den Inseln des stillen Oceans 95. — Hirsch, Reinigung des Fuselöles 175. — Hlasiwetz, einige Xanthinsäureverbindungen 342. — A. Huse- mann, über Rhodanammonium und einige Harnstoffe 495; über Ae- thylsulfocarbonat 460. — Kemper, Analysen einiger kampfersauren Salze 165. — Kolbe, chemische Constitution des Asparagins und der Asparaginsäure 342. — Korovaef, der Kischtim-Parasit, neues Mine- ral 343. — Kraute, die Aether der Mellithsäure 166. — Kromayer, über das Syringin 343; das Enzianbitter 344. — Zandolt, Stibmethyl]- verbindungen 90. — Lenssen, chemische Verbindungen 176; eine Dif- fusionserscheinung 345. — Lerch, die aus Kohlenoxyd darstellbaren Säuren 541. — v. Liebig, Darstellung von Jodlithium, Jodcaleium, Jod- kalium, Jodnatrium 345. — Zinnemann, Bildung des Mannits aus Zucker 460. — Zoemwenthal u. Lenssen, chemische Untersuchungen 344. — von Lourengo, die Polyäthylenalkohole 345. — Zuchs, über Collo- diumbereitung 464. — Zucknomw, die Cochenilletinktur und ihre An- wendung in der Alkali und Acedimetrie 91. — Ludwig, Chemisches der Pilze 166; aus dem Laboratorium des chemischpharmaceutischen Institutes 345. — Martius, rothe Tinte früherer Jahrhunderte 166. — Matthiesen u. v. Rose, einige Goldzinnlegirungen; die Bleizink- und Wismuthzinklegirungen 91. — Mayer, genaue Bestimmung der Alka- loide mittelst einer Massflüssigkeit aus Quecksilber 353. — Mehla, Berberin in Hydrastis canadensis 166. —- Mendius, neue Umwandlung der Nitrite 166. — Menetries, die bei der Einwirkung von Bromäthy- len auf Strychnin entstehenden Verbindungen 346. — Meynier, schwe- felsaures Eisenoxydulammoniak 354, — Moitissier, das Camphorylchlo- rid 167. — Zd. Müller, zur Kenntniss der Untersalpetersäure 347, — Millon u. Commaille, gänzliche Reinigung des Silbers 354. — Neubauer,
über Kreatinin 168. — Niepce, Wirkungen der Electrieität und des Lichtes 92, — O’Neil, Anwendung des Kampfers 354. — Oppenheim, über Münzenkampfer 168. — Overbeck, dreizehn Fragen über Merkur
168. — Parmelee, Vulkanisirung des Cautchoucs 354. — Peckoldt, der Bitterstoff der Samen von Feullea cordifolia 349. — Pettenkofer, Dar- stellung des Jodkaliums mittelst schwefelsauren Kalis 349. — Petzold, zur Naturgeschichte der Torfmoore 349. —- Pleischl, Auflöslichkeit des Bleies aus Bleizinnlegirungen 176. — Riche, Phensäure und Benzin 349. — Eieth u Beilsten, Darstellung von Zinkäthyl 461. Synthese des Amylen und Porpylen 542. — Ritthausen, die Bestandtheile des Weizenklebers 350.— Rochleder, über Saponin und Cainein und deren Spaltungsprodukte 350. — Roscoe, über den Ueberchlorsäureäther 42. — Kommieu, der grüne Farbstoff französischer Kreuzdornar-
vI
ten 92. — Rubel, krystallisirbarer mannitähnlicher Stoff aus Evony- mus europaeus 169, — de la Rue u. H. Müller, über Terephtalsäure und deren Derivate 169. — Salm-Horstmar, die Nothwendigkeit des Lithions und Fluorkaliums zur Fruchtbildung der Gerste 351. — Sauer- wein, Methode der Unterscheidung des künstlichen Kampfers vom na- türlichen 178. — Schi, Chromsuperoxyd in Chromsäure ‘92; Löslich- keit der Salze 542. — R. Schmidt, über Sulfanilidsäure und Amido- phenylschwefelsäure 169; die Reproduktionsprodukte des Nitroazoxy- benzids 351. — sSchoenbein, Verhalten des Chlors, Jods und Broms zum wässerigen Ammoniak und den alkalischen Oxyden 92; Vermö- gen des Jodkaliums freies Jod gegen die Einwirkung freien Kalkes zu schützen 93; Verhalten der Superoxyde des Wasserstoffs und Bar- yums zum Jod und Jodstickstoff; Verhalten des Jods zum Stärkeklei- ster und reinem Wasser bei höherer Temperatur; Verhalten des Al- dehyds zum Sauerstoff 94; einige durch die Haarröhrchen Anziehung des Papiers hervorgebrachte Trennungswirkungen 95; Erzeugung sal- petersauren Ammoniaks 542. — Schröder, die höhern Oxydationsstu- fen des Wismuths 172. — Schur, Fabrikation von Milchglas 464. — Schwanert, über Camphren 544. — sSeekamp, Zersetzung der Oxal- säure durch Sonnenlicht 351. — Simpson, Synthese der Bernstein- säure und Pyronweinsäure 173. — Stein, das Pflanzengelb und ver- wandte Körper 174. — Stenhouse, Larixinsäure 461 — Strecker, Be- standtheile der Schweinegalle; Zersetzung des Caffeins und Alloxans 543; eine dem Chinin isomere Basis aus Cinchonin 544. — Thiel, die Musenarinde 175. — Troost, Aequivalentgewicht des Lithiums 544. — Vogel, Mittheilungen aus dem Laboratorium 177. — Ze Voir, Ammo- niakgehalt des destillirten Wassers und Eisenoxyd im statu nascenti 95. — MWildenstein, Analyse der heissesten Mineralquelle zu Burt- scheid 352. — Weil, das Petroleum von Pennsylvanien 354; Erdpeche von Cuba 355. — Wertheim, über Coniin 461. — MWittstein, die Farbe der Briefoblaten 178. — Wood, neue Eigenschaften des Cadmiums 178. — Wurtz, Bildung des Alkohols aus Aldehyd 462; die Oxäthylenba- sen 352. — Zinin, das Hydrobenzoin 353; 462.
Geologie. Auerbach, der Kalkstein von Malöwka 362. — v. Benningsen-Förder, das nordeuropäische und besonders das vater- ländische Schwemmland (Berlin 1863) 544. — Coguand, neue Etage in der untern Kreide 361. — v. Dechen, vulkanische Hügelgruppe bei Ochtendung; Lagerung zweier Lavaströme über einander bei Nieder- mendig 188. — Feistmantel, untersilurischer Kalkstein in Böhmen 362. — Fuchs, der Granit des Harzes und seine Nebengesteine 179. — Gesner, Steinölquellen in NAmerika 361. — v. Hauer u. Stache, zur Geognosie Dalmatiens 360. — Heymann, geschlossene Hohlräume in den Felsen 466. — Jokely, Quader und Pläner im Bunzlauer Kreise Böhmens 99. — KÄarrer, Lagerung der Tertiärschichten am Rande des Wiener Beckens 546. — Zipold, Paralelle des Barrandeschen Silursy- stems und des englischen 182.— Möhl, das Auftreten des Basaltes bei Marburg (Halle 1863) 549. — Oppel, jurassische Posidonomyengesteine in den Alpen 359. — Paul, Kreide des Königgrätzer und Chrudimer Kreises in Böhmen 359. — Pichler, zur Geognosie Tyrols 183. — Pis- sis, Geologie der Cordilleren zwischen dem Copiapo und Chompaios. — Fr. Roemer, geognostische Verhältnisse bei Constantinopel 465. — Rammelsberg, über den letzten Ausbruch des Vesuvs 97. — Aöthe, krystallinisehe Gesteine im Riess 357. — Schloenbach, Schichtenfolge des untern und mittlen Lias in NDeutschland 356. — v. Strombeck, Kreide am Zellberge bei Lüneburg 358. — Suess, der Boden der Stadt Wien (Wien 1862) 102; die einstige Verbindung NAfrikas mit SEuropa 345. — Tschermak, die Diabase und Porphyre am Harz 469. — Ver- sunkener Wald 363. — Vogelsang, Kugelporphyr und Kugeldiorit von Corsika 188. — Wenkenbach, die Ergänge an der untern Lahn und Bei Rhein 185. — Zittel, die obere Numulitenformation in Ungarn 184. —
vi
Oryctognosie. AR. Blum, neues Zwillingsgesetz vom Or- thoklas 472; dritter Nachtrag zu den Pseudomorphosen (Erlangen 1863) 549. — Böttger, vanadinhaltiges Bobnerz von Salzgitter 368. — Da- mour , Tscheffkinit von Coromandel 368; Lherzolith 471. — v. De- chen, Mineralien am Laacher See 193. — Goebel, das Erdessen in Persien und Analysen solcher Substanzen 102; Analyse der Zinkblühte von Tafl. 103. — Haidinger, Pseudomorphosen von Glimmer und Cor- dierit 190. — Heymann, Pseudomorphosen von Glimmer und Andalu- sit 191; Grengesit im Melaphyr bei Herrstein; Mineralien aus dem Golddistrikt Australiens 191. — Holmberg, Analyse des Bonsdorffit 472. — Metaxoit und Pikrofluit 367. — v. Hornberg, mineralogische Notizen 104. — Kenngott, über Staurolith, Disthen, Argentit, Rutil, Scheelit 369. — v. Kokscharomw, Alexandrit 105. — Meteorsteinfall bei Manow 365 — Mitscherlich, Zusammensetzung des Turmalins, Glim- mers, der Hornblende und des Staurolith 370. — Pisani, Spinell von Migiandone bei Ornavasso 472. — Pusyrewski, russische Apatite 470. — Rammelsberg, Analyse des Scolopsit 369. — Reichardt, neues Vor- kommen von Polyhalit 371. — v. Rath, Epidotkrystalle aus dem Zil- lerthale; Granat am Gotthardt 192; Turnerit im Tavetsch 193. — @. Rose, Asterismus der Krystalle 364. — H. Rose, Zusammensetzung der Niobhaltigen Mineralien 366. — Sartorius, Berechnung der quan- titativen mineralogischen Zusammensetzung der krystallinischen Ge- steine (Göttingen 1862) 105. — Schmidt, der Fichtelit 104. — Schrauf, zur Charakteristik des Anhydrits 364; der Meteorit von Alessandria 365. — v. Shaffschenskow, der Paligorskit 397. — Tamnau, thoniger Sphärosiderit von Ponoschau 103 — Tschermak, Grundriss der Mine- ralogie (Wien 1863) 548. — Ulrich, Kalkspath im Granit des Oker- thales 105. — O. Weber, über Moosachate 193. — Zirkel, Monographie des Bournonit 194.
Palaeontologie. Biedermann, Cheloniens tertiaires des en- virons de Winterthur (Winterthur 1863) 556. — Davidson, Brachiopo- den der untern Kohlenformatian von Neuschottland 556. — Gaudry, der fossile Affe von Pikermi 108. 376. — Goeppert, über Stigmaria ficoides 105. — Goldenberg, Pflanzenversteinerungen des Steinkohlen- gebirges von Saarbrücken III Heft (Saarbrücken 1862) 194. — Güm- bel, die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten 196. — Hell- mann, die Petrefakten Thüringens Heft 2. 3 (Cassel 1862) 199. — Huxley, neuer Pygocephalus 374; neue Labyrinthodonten des Kohlen- gebirges 375. — Äner u. Steindachner, neue Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs (Wien 1863) 374. — Kirby, über per- mische Arten 107; neue Chitonen im Bergkalk 374. — LZesquereux, Pflanzen der nordamerikanischen Steinkohlenformation 372. — Zud- wig, zur Paläontologie des Ural (Cassel 1862) 199. — v. d. Mark, fos- sile Fische, Krebse und Pflanzen aus der Kreide Westphalens 555. — Mayer, systematische Uebersicht der jurassischen Belemniten 372. — Oppel, paläontologische Mittheilungen (Stuttgart 1862) 177. — Omen, Reptilien des Koblengebirges 375. — Schafhäutl, Südbayerns Lethaea geognostica (Leipzig 1863) 472. — Schenk, Pflanzen des lithographi- schen Schiefers und des Keupers 195. — Stolizka, oligocäne Bryozoen von Latdorf 106. — A. Wagner, Monographie der fossilen Fische aus dem lithographischen Schiefer Bayerns (München 1863) 552. — 0. We- ber, Pflanzen im vulkanischen Tuff der Vordereifel 196. — Würtem- berger, Tertiärpflanzen aus dem Klettgau 106. — v. Zittel, zur Paläon- tologie von Neuseeland 397.
Botanik. Ascherson, Vegetationslinie der Mark 380; frei- willig eingewanderte Pflanzen in die deutsche Flora 377. — E. de Berg, Additamenta ad Thesaurum Literaturae botanicae altera 206. — Brandis, Baumyegetation in Indien 378. — Bolle, neue Umbelliferengattung 418. — Caspary, die Gefässbündel der Pflanzen 200; Bastard von Di- gitalis purpurea und lutea 205. — Chatel, nouvelles observations sur la maladie dela pomme de terre (Caen 1860) 557. — Garcke, die Ver-
vIu
wandtschaft von Carex spicata 478; Flora von Nord- und Mittel- deutschland 6. Aufl. (Berlin 1863) 384; zur hallischen Flora 478. — Grantzom, Aster salieifolius 477. — Hoffmann, mykologische Berichte; Sylloge der hessischen Pilze 380. — Jodin, Oxydation durch Schim- melpilze 380. — Irmisch, über Trifolium lupinaster 381; zur verglei- chenden Morphologie 558. — Jese, zur Flora des Oderbruchs 475. — Kabsch, Haare des Samenschopfs von Asclepias syriaca 378. — Kanitz, Pflanzen Pannoniens etc. 378. — Karsten, Entwickelungserscheinungen
der organischen Zelle 558. — ZLasch, Bastarde von Dianthus carthu- sianorum und arenarius 475; über Verbascumarten 382. — Liebe, geo- graphische Verbreitung der Schmarotzerpflanzen 378. — Lindenberg,
die Torfmoore 377. — Miers, über Ephedra 108. — Möhl, morpholo- gische Untersuchungen über die Eiche (Cassel 1862) 201. — Nobbe, Verästelung der Pflanzenwurzel 379. — Nylander, Diatomeen 379. — Regel, blühende Palmen 204. — H. @. Reichenbach, neue Orchideen 557. — Sanio, Gerbstoff in Holzflanzen 377; die Elementarorgane des Holzkörpers 480. — v. Schlechtendal, über Beschorneria 379. — Schultz -Schultzenstein, seltene Pflanzen der Mark 380; Analyse des Bodens der Salzlacke bei Nauen in botanischer Beziehung 477. — Schumann, preusische Diatomeen 199. — Seemann, Flora der Fidji- inseln 377. — Seidekultur auf Java 379. — Treviranus, unvollkommene Befruchtung 202; ungewöhnliches Blühen der Agave americana 203; Auffassung der Dichogamie 377. — v. Uechtritz, neue Beiträge zur Flora v. Halle 478. — Wimmer, salicologische Beiträge 109.
Zoologie. Adams, neue Genera Conchylien 385; japanische Brachiopoden 387. — Allmann, über Hydroiden 385. — Altum, die Nahrung unserer Eulen 394. — Benson, neue Landschnecken von Cey- lon und Indien. 387. — Blackwell, Spinnen von Rio Janeiro 389. — Blanford, indische Helix und Nanina 386. — Boeck, Spinnen der No- vara-Expedition 389. — Brunner, Orthopteren der Novara-Expedition 389. — Boll, Rennthiergeweihe in Meklenburg 212. — Bucholz, Ana- tomie des Enchytraeus und die bei Königsberg vorkommenden Arten 207. — Canestrini, neuer Ophicephalus 112.— Clark, neue mexikanische Hydroporen 112. — Cornelius, Libellenzug bei Elberfeld 208. — Costa, neue Mittelmeerfische; Bursinia neuer Fulgoride; Nephrosia neuer Dyetiophore 112. — #berth, Myoryctes Weissmanni 111. — Filippi, Lebister neuer Cyprinodont 112. — Finsch, Turdus pallidus und T. obseurus 393. — v. Frauenfeld, Bithynia und Nematura 387; neue österreichische Trypeta 390; das Lebendiggebären des Olm 482; Höh- lercarychien und neue fossile Paludinen 386. — Gould, Chlamydera guttata n. sp. 395. — Gray, neue Paragorgia 110; neues System der Crokodilier 113. — Grube, Anceus und Praniza 388. — Günther, neue Fische von Victoria; neue Fische und Amphibien des britischen Mu- seums; neue australische Batrachier; neue Schlange 390. — v. Heug- lin, zur Ornithologie NOAfrikas 393. — Hinks, neue britische Hydroi- den 385. — Jeiteles, die Süsswasserarten von Cottus 211. — Johnson, neue Fische von Madeira 390. — Mousson, Binnenconchylien im Orient 386. — Peters, über Cercosaura (Berlin 1862) 390; Schomburgks Am- phibien von Adelaide 392. — Reeve, über Crania und Orbicula 110. — Schödler, die Lynceiden und Polyphemiden um Berlin 208. — M. Schultze, das Protoplasma der Rhizopoden und die Pflanzenzelle (Leipzig 1863) 480. — Steindachner, ichthyologische Mittheilungen 210; 2 neue Batrachier 211. — Strauch, chelenologische Studien (Pe- tersburg 1862) 560. — Struck, Amphibien bei Dargun in Meklenburg 211. — Theobald, über einige Alpenmäuse 212. — Wallace, neue Vö- gel von Neu Guinea 393. — Weissmann, Entstehung des vollendeten Insekts in Larve und Puppe (Frankfurt 1863) 559. — Wicke, ist der Sperling schädlich ? 394,
Correspondenzblatt für Januar 115—120. — Für Februar 213—216. — Für März, April 395—400. — Für Mai 483—500. — Für Juni 562—564.
“
Jeitschrift
für die
Gesammten Naturwissenschaften.
1865. Januar. Ne l
Ueber die Bildung der Weinsäure und Traubensäure durch Einwirkung von Salpetersäure auf verschiedene Kohlehydrate
von
H. Hornemann.
“ Bereits im Jahre 1837 hatte Erdmann!) durch Ein- wirkung von Salpetersäure auf Rohrzucker und Gummi eine Säure erhalten, die er mit der kurz vorher von Guerin Varry?) entdeckten Hydroxalsäure identisch erklärte und über deren Bildung er die Angabe machte, dass die zur Hälfte mit Kali gesättigte Lösung, die er durch Oxydation von Zucker und Gummi erhalten, bei längerem Stehen sau- res weinsaures Kali fallen lasse und dass demnach die Zuckersäure nach und nach in Weinsäure übergehe. In Folge einer Untersuchung, die Hess und Thaulow °) mit dem durch Oxydation von Zucker erhaltenem sauren Kalisalze angestellt hatten, wonach sie dasselbe als saures zucker- saures Kali constatirten, nahm späterhin Erdmann seine früher ausgesprochene Ansicht über die Bildung der Wein- säure insofern zurück, als erin einer Nachschrift®) zuden Ver- suchen von Hess und Thaulow erklärte, dass er der irrigen Meinung gewesen sei, dass jenes Salz, aus dem er die mit der Hydroxalsäure identische und von ihm für Weinsäure
') Annalen der Chemie und Pharmacie Band 21 pag. ı.
2) Dieselben Band 8 pag. 24.
») Dieselben Band 27 pag. 113 u. Band 30 pag. 302.
*) Erdmanns Journal für praktische Chemie Band 15 pag. 480. XXI. 1863, l
2
gehaltene Säure gewonnen habe, wohl saures zuckersaures Kali gewesen sei.
Es wurde damit die erste Angabe Erdmann’s allgemein für einen Irrthum gehalten, bis Liebig!) später diesen Ge- genstand wieder aufnahm. Er behandelte Milchzucker, Gummi, Rohrzucker und Traubenzucker mit Salpetersäure und erhielt wenigstens aus den beiden ersten wirklich Weinstein, in Folge dessen er sich über jene von Erdmann gemachte Angabe dahin aussprach, dass das von demselben abgeschiedene saure Kalisalz ganz gewiss, da er jetzt wenn auch nicht aus Rohrzucker, so doch aus Milchzucker und Gummi Weinsäure erhalten habe, Weinstein gewesen sei. Nachdem Liebig somit die Bildung des Weinsteins aus Zucker constatirt hatte, warf er zugleich die Frage auf, ob die Weinsäure und Zuckersäure gleichzeitig aus dem Milchzucker oder ob zuerst Zuckersäure und aus dieser dann Weinsäure gebildet werde. Da er selbst verhindert war, darüber Ver- suche anzustellen, so sprach er nur die Vermuthung aus, dass Letzteres wahrscheinlich statt habe, weil mit Zunahme der Zuckersäure desto weniger Weinsteinsäure und umge- kehrt mit Zunahme der Weinsteinsäure desto weniger Zucker- säure entstehe.
Dieser Ansicht trat auch Heintz?) in seiner „Unter- suchung über die Konstitution der Zuckersäure und Wein- steinsäure“ bei, modificirte sie jedoch insoweit, als er sagte, dass allerdings nicht zu bezweifeln sei, da aus dem Milch- zucker neben Schleimsäure auch Zuckersäure gebildet werde, dass aus dieser dann Weinsteinsäure entstehen könne, dass jedoch, wie er durch den Versuch nachgewiesen habe, auch Schleimsäure in Weinsteinsäure übergehe, und dass, da bei der Einwirkung von Salpetersäure auf Milchzucker viel mehr Schleimsäure als Zuckersäure entstehe, wohl anzuneh- men sei, dass die grösste Menge der von Liebig gefundenen Weinsteinsäure aus der Schleimsäure entstanden sei, womit zugleich der Umstand in Einklang zu bringen sei, dass bei Anwendung von Rohrzucker, der doch reichlich Zuckersäure
!) Annalen der Chemie u. Pharmacie Band 113 pag. 1. 2) Bericht der Academie der Wissenschaften zu Berlin 1860 pag. 283 — 291.
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bilde, Liebig keine Weinsteinsäure hatte bemerken können. Er erklärt dann die Bildung der verschiedenen Producte der Salpetersäure auf Milchzucker in der Weise, dass zu- nächst durch Einwirkung der Salpetersäure Schleimsäure, und aus dieser durch fernere Einwirkung der Salpetersäure Wein- steinsäure entstehe, dass dann der übrige Theil des Miich- zuckers durch die Salpetersäure, die hier zugleich als soge- nannte Contactsubstanz wirke, in Traubenzucker umgewan- delt, darauf durch Oxydation in Zuckersäure und weiter dann in Weinsteinsäure umgesetzt werde.
Gegen diese Ansicht trat Carlet!) auf. Derselbe hatte Schleimsäure und zwar ausschliesslich die durch Oxydation des Milchzuckers gewonnene der Behandlung mit Salpeter- säure unterworfen und unter den Oxydationsproducten nur Traubensäure ohne jede Beimengung von Rechtsweinsäure erhalten. Da nun durch die Oxydation des Milchzuckers Rechtsweinsäure mit ganz geringen Mengen Traubensäure entsteht, die nach Carlet im Anfange der Operation aus der Schleimsäure gebildet wird und in der Mutterlauge von der auskrystallisirten Weinsäure zu suchen ist, so glaubte Carlet damit bewiesen zu haben, dass die bei dem Versuche Lie- bigs auftretende Weinsäure nicht aus der vorher entstande- nen Schleimsäure gebildet sein könne.
Ausser der Schleimsäure hatte Carlet?) darauf auch Duleit und Mannit der Oxydation mit Salpetersäure unter- worfen und aus beiden wie aus der Schleimsäure nur Trau- bensäure erhalten. Da nun Duleit und Mannit und wie Carlet in seiner Arbeit angiebt auch die Schleimsäure sich vollkommen inactiv gegen die Polarisationsebene verhalten, so glaubte Carlet daraus, dass das aus denselben erhaltene Product wiederum optisch inactiv sei, die Folgerung ziehen zu dürfen, dass überhaupt die optische Eigenschaft eines Körpers in direceter Beziehung zu der rein chemischen Ei- genschaft stehen müsse.
Man hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass optisch wirksame Körper die betreffende Eigenschaft nicht nur in ihren Verbindungen, sondern auch durch ganze
ı) Journal de pharmacie et de chimie 40, 292.
2) Compt. rend. Tom. 51 pag. 137. h 1
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Reihen ihrer chemischen Umsetzungsproducte beibehal- ten. Es wäre dafür als Beispiel anzuführen, dass die verschiedenen optisch wirksamen Zuckerarten dieselbe Ei- genschaft in ihren Verbindungen mit Kochsalz zeigen, ferner, dass die beiden optisch verschiedenen Campher die betreffende Eigenschaftnichtnurinihren Oxydationsproducten, den Camphersäuren, sondern auch in deren Derivaten den Methyl- und Aethylcamphersäuren beibehalten. Wenn nun auch diese im Ganzen doch vereinzelten Thatsachen zu zeigen scheinen, dass öfter eine gewisse Beziehung zwischen den optischen und chemischen Eigenschaften besteht, so berechtigen dieselben doch keineswegs dazu, ein bestimm- tes Gesetz. darüber auszusprechen. Namentlich gilt dies für die von Carlet gemachte Hypothese, nach der zwischen den verschiedenen Zuckerarten, Weinsäuren und deren Zwischen- gliedern die Gesetzmässigkeit herrschen soll, dass die Links und Rechts drehenden Zucker in Links- und Rechtsweinsäure, die inactiven in die inactive Modification der Weinsäure die Traubensäure übergehen müssten, eine Annahme, die zu widerlegen ich unter Berücksichtigung der von Liebig und Heintz erhaltenen Resultate die folgenden Versuche ge- macht habe.
Versuch mit Milchzucker.
Es wurde nach den Angaben Liebigs 1 Theil Milch- zucker mit 2, Theilen Salpetersäure von 1,32 spec. Gew. nnd 21/, Theilen Wasser so weit erwärmt, bis eine lebhafte Entwicklung von Kohlensäure und den Zersetzungsprodueten der Salpetersäure eintrat. Wenn man mit grösseren Men- gen arbeitet, so wird durch die bedeutendere Erhitzung der Masse schon gleich im Anfang der Operation viel Oxalsäure gebildet. Man thut deshalb gut, die erste heftige Einwir- kungin kleineren Quantitäten vor sich gehen zu lassen. Ich habe bei Verarbeitung von 1 Pfund Milchzucker denselben in Quantitäten von je 4 Unzen in mehreren Kochflaschen so weit erwärmt, bis die heftige Reaction eintrat und dann dieselben sofort in kaltes Wasser gestellt. Es dauerte dann gar nicht lange, bis die stürmische Gasentwicklung aufhörte, worauf dann die einzelnen Quantitäten zusammengegossen
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und nun gemeinsam in einem Glaskolben bei einer Tem- peratur von 60 bis 80°C. erwärmt wurden. Man wählt dazu einen Glaskolben mit langem Halse, dessen Oeffnung man mit einem Trichter verschliesst, es entweicht dann bei der angegebenen Temperatur so wenig Wasser, dass man bis zu Ende der Operation keinen Zusatz von Wasser zu machen hat. Wenn man sehr vorsichtig arbeitet, so kann man, was schon Heintz bei der Oxydation des Rohrzuckers durch $Sal- petersäure beobachtet hat, die Bildung der Oxalsäure fast ganz vermeiden, wenigstens habe ich einmal aufdiese Weise eine Flüssigkeit erhalten, die ganz frei von Oxalsäure war. Dass ich auf die Verhütung der Bildung der Oxalsäure so grosses Gewicht lege, hat darin seinen Grund, weil, wie wir nachher sehen werden, sich neben der Weinsäure ganz bedeutende Mengen Traubensäure bilden, die wegen ihrer grossen Aehnlichkeit in Bezug auf ihre Reactionen mit der Oxalsäure sehr leicht zu Irrungen Anlass giebt und deren Abscheidung auch mancherlei Schwierigkeiten zur Folge hat. Ganz besonders muss man vorsichtig sein, die Tem- peratur nicht zu hoch werden zu lassen, wenn auch der Process dann bedeutend verlangsamt wird.
Liebig lässt, nachdem sich der grösste Theil der Schleim- säure abgeschieden hat, noch ein Viertel der angewendeten Salpetersäure zusetzen, man kann ebenso gut von vornherein die ganze Menge Salpetersäure anwenden, es wird, wenn man nur die Temperatur mässigt, auch dann nicht mehr Oxalsäure gebildet.
Die nach und nach sich euere Schleimsäure kann man entweder abfiltriren oder auch in der Flüssigkeit lassen, da dieselbe von einer Salpetersäure von der Stärke, wie sie zu dem Versuch angewendet wird, nur wenig ange- griffen wird.
Sobald die Flüssigkeit sich zu bräunen anfängt, setzt man kleine Mengen Salpetersäure hinzu, wodurch dieselbe, wenn damit nicht zu lange gezögert wird, sehr bald wieder hell wird. Hat man jedoch den richtigen Zeitpunkt 'ver- säumt, so hält es sehr schwer die Flüssigkeit vollständig wieder zu entfärben, auch wenn man grössere Mengen Sal- petersäure zusetzt. Gewöhnlich bildet sich dann viel Oxal-
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säure, sowie es in diesem Falle schwer hält einen farblosen Weinstein zu erhalten.
Man prüft nach Liebigs Angabe öfters die Flüssigkeit mit Kalilauge, die zu Anfang der Operation eine dunkle Färbung hervorbringt, bis dieselbe am Ende fast vollständig aufhört; ich habe bis zum Eintreten dieser Reaction durch- schnittlich drei bis vier Tage gebraucht.
Nach Liebigs Angabe soll man nun die Flüssigkeit in zwei Theile theilen, den einen mit kohlensaurem Kali sätti- gen und dann den anderen zugiessen, worauf die Flüssig- keit nach längerem Stehen Krystalle von saurem weinstein- sauren Kali absetzen soll. Dies geschieht jedoch nur sehr selten, je nach dem Gehalte der Flüssigkeit an freier Sal- petersäure. Gewöhnlich ist davon noch so viel in der Flüssig- keit vorhanden, dass der gebildete Weinstein davon in Lö- sung gehalten wird. Versucht man denselben durch Zusatz von Alkohol abzuscheiden, so scheidet sich gewöhnlich salpetersaures Kali aus, ehe nur ein geringer Niederschlag von Weinstein erfolgt.
Ich schlug deshalb zur Abscheidung der Weinstein- säure einen andern Weg ein. Es wurde die saure Flüssig- keit nach dem Verdünnen mit der 4- bis 5 fachen Menge Wasser mit neutralem essigsauren Bleioxyd so lange ver- setzt, als darin noch ein weisser Niederschlag gebildet wurde. Es wurden dadurch die Bleisalze der Oxalsäure, Zuckersäure und Weinsteinsäure gefällt. Dieser gemengte Niederschlag wurde gut ausgewaschen, was sehr leicht zu bewerkstelli- gen ist, wenn man dazu Wasser verwendet, das man bis auf 50° C. erwärmt hat, so wie sich auch der Niederschlag besser abscheidet, wenn man die Flüssigkeit vor der Fällung bis auf diese Temperatur erwärmt hat; von diesem Nieder- schlag wurden ungefähr ?/;, durch Schwefelsäure und darauf das erhaltene Filtrat ‘mit dem zurückbehaltenen Bleisalz durch Schwefelwasserstoff zerlegt. Man erreicht durch diese Manipulation dasselbe, als wenn man den ganzen Nieder- schlag durch Schwefelwasserstoff zersetzt hätte, indem man nun die Säuren fast ganz frei von Farbstoff erhält, der durch das zuletzt entstandene Schwefellei mit niedergerissen wird,
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Die Zersetzung durch blosse Schwefelsäure ist aus zweierlei Gründen nicht anzurathen, weil man erstens eine sehr stark- braun gefärbte Flüssigkeit erhält, die sich nur äusserst schwierig mit Knochenkohle entfärben lässt, und weil man zweitens dann Gefahr läuft, freie Schwefelsäure in die Flüssigkeit zu bekommen, die nachher. beim Eindunsten leicht eine Zersetzung der Weinsäure herbeiführen könnte.
Nachdem man durch Kochen den Schwefelwasserstoff entfernt hat, engt man das Filtrat bis auf ungefähr 6 Unzen ein und sättigt es dann zur Hälfte mit kohlensaurem Kali; lässt man nun die Flüssigkeit ruhig stehen, so dauert es immer noch lange, ehe sich Weinstein abscheidet. Man be- fördert dies dadurch, dass man die Flüssigkeit mehre Stunden erwärmt und sie öfters durchschüttelt; hat einmal die Ausscheidung begonnen, so schreitet sie sehr schnell fort.
Der gebildete Niederschlag enthält saures oxalsaures, saures zuckersaures, saures weinsaures und wie wir sehen werden auch ganz bedeutende Mengen saures traubensau- res Kali. Um ihn von der Oxalsäure zu befreien. schlug ich zunächst den Weg ein, den Liebig angegeben, wonach man nämlich den Niederschlag in der geringsten Menge heissen Wassers löst, filtrirt und dann erkalten lässt. Da der entstandene Niederschlag jedoch mit verdünnter Chlor- ealciumlösung einen reichlichen Niederschlag gab, den ich für oxalsauren Kalk hielt, so versuchte ich durch Auswaschen das etwa noch vorhandene oxalsaure Kali zu entfernen. Auch dieser Versuch misslang, indem das Waschwasser so lange, his endlich der ganze Niederschlag gelöst war, eine reichliche Fällung mit verdünnter Chlorcalciumlösung gab. Ein dritter Versuch in der Weise angestellt, dass ich den Niederschlag in heissem Wasser löste, Chlorcaleium und dann essigsaures Natron zusetzte, gab allerdings insofern ein günstigeres Resultat, als nun der erhaltene Weinstein keine Fällung mit Chlorcalcium gab, jedoch wurde damit auch die Traubensäure entfernt, die ich desshalb auch das erste Mal übersah. Als ich später die Gegenwart der Traubensäure fand, behandelte ich das so abgeschiedene Kalksalz mit con-
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centrirter Kalilauge und erhielt durch Kochen des Filtrats eine reichliche Ausscheidung von traubensaurer Kalkerde.
Als den geeignetsten Weg, um die Oxalsäure zu ent- fernen, habe ich den folgenden gefunden. Wenn man die Oxydation des Milchzuckers vollendet und die Schleimsäure durch Filtriren abgeschieden hat, versetzt man die noch Sal- petersäure haltende Flüssigkeit mit so viel kohlensaurem Kalk, bis eine davon abfiltrirte Probe keinen Niederschlag mit Chlorcaleium giebt. Die Lösung hält gewöhnlich noch so viel freie Salpetersäure, dass wohl oxalsaurer Kalk aber kein traubensaurer Kalk darin gefällt wird. Zur Sicherheit untersucht man den gebildeten oxalsauren Kalk noch durch Behandeln mitKalilauge auf Traubensäure, jedoch ist selten etwas davon gefällt. Hat man die Oxalsäure auf diese Weise ausgefällt, so behandelt man dasFiltrat auf die oben genannte Weise durch successives Fällen mit Bleizucker, Zersetzen des Niederschlages durch Schwefelsäure und Schwefelwas- serstoff und Sättigung der so erhaltenen Säuren zur Hälfte mit Kali weiter. Vom zuckersauren Kali befreit man den erhaltenen Weinstein in der Weise, dass man ihn in der kleinsten Menge kochenden Wassers löst und das Filtrat langsam erkalten lässt, wo sich dann das saure weinsaure und saure traubensaure Kali in harten Krusten abscheidet. Gewöhnlich ist es noch etwas gelb gefärbt, durch Behan- deln mit Knochenkohle erhält man es aber fast vollkommen farblos.
Von diesem Salze wurde eine Quantität im Platintiegel durch gelindes Glühen in kohlensaures Kali verwandelt:
0,2295 Grm. geben 0,0823 Grm. kohlensaures Kali, die entsprechen 0,0561 Grm. Kali,
artına Erhalten Nach der Formel . ee berechnet 24,44 Kali 25,0 Kali 75,56 Weinsäure 75,0 Weinsäure 100,00 100,0.
Zur Prüfung auf das optische Verhalten der in dem Weinstein enthaltenen Säure wurde derselbe wiederum mit
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neutralem essigsauren Blei gefällt und der erhaltene Nieder- schlag mittelst Schwefelwasserstoff zersetzt. Als darauf das Filtrat auf ungefähr eine halbe Unze eingedunstet ruhig zum Erkalten hingestellt war, war eine grosse Menge von Krystallen ausgeschieden. Anfänglich lag die Vermuthung nahe, dass diese Krystalle ein in Folge unvollkommenen Auswaschens des Bleiniederschlages oder durch Aufnahme von Ammoniak aus der Luft sehr saures Kali- oder Ammo- niaksalz sein könnte. Da jedoch einestheils die Krystalle ohne jeden Rückstand auf dem Platinblech verbrannten, und anderntheils durch Kali kein Ammoniak nachzuweisen war, da ferner die Weinsteinsäure sehr schwer krystallisirt, so war zu vermuthen, dass die entstandenen Krystalle reine Traubensäure waren, um so mehr als die ursprüngliche Lö- sung, mittelst des Mitscherlichschen Polarisationsapparats un- tersucht, eine viel geringere Drehung der Polarisationsebene, als die gewöhnliche Weinsäure zeigte, und nach dem Ver- dünnen mit Wasser sowohl durch Chlorcalcium als auch nach längerem Stehen durch Gypssolution gefällt wurde.
Da Liebig die Bildung der Traubensäure nicht beobach- tet hat und dessen Weinsäure nach Bohns!) Angaben ganz das gleiche Drehungsvermögen wie die gewöhnliche Wein- steinsäure haben soll, so scheint derselbe wirklich nur Rechtsweinsteinsäure gehabt zu haben. Ich habe desshalb den Versuch mehrere Male auch mit verschiedenen Ver- hältnissen von Milchzucker und Salpetersäure wiederholt und stets das Gemenge von Weinsteinsäure und Traubensäure erhalten, so dass die Bildung von Traubensäure wohl als constant zu betrachten ist. Auch hatte Carlet schon bei der Oxydation des Milchzuckers durch Salpetersäure die Bildung der Traubensäure beobachtet, wenn er auch nur Spuren davon erhalten hatte. Da sich bei meinen Versuchen nun stets eine ganz bedeutende Menge Traubensäure ausschied, so war es von Interesse, das Verhältniss der Traubensäure zur Weinsteinsäure zu bestimmen:
Zu dem Ende wurden mehrere Vorversuche gemacht, um. die beiden Säuren von einander zu scheiden. Als bestes
!) Annalen der Chemie und Pharmacie Band 113 pag. 19.
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Unterscheidungsmittel wird gewöhnlich angegeben, dass der durch überschüssiges Kalkwasser in freier Weinsäure her- vorgebrachte Niederschlag von weinsteinsaurer Kalkerde in Salmiak löslich, der traubensaure Kalk dagegen unlöslich sei. Lässt man jedoch eine solche salmiakhaltige Lösung längere Zeit stehen, so scheidet sich weinsteinsaurer Kalk in harten durchsichtigen Krystallen aus. Versetzt man fer- ..ner die Lösung der Weinsteinsäure mit Chlorcaleium und essigsaurem Natron, so entsteht wohl im Anfange kein Nie- derschlag, jedoch nach tagelangem Stehen, hat sich gleich- falls eine ganz bedeutende Menge von weinsaurem Kalk abgeschieden; dasselbe findet auch dann statt, wenn man diese Lösung noch mit Salmiak versetzt hat.
Versucht man aus einem Gemenge beider Säuren die Traubensäure mittelst Gypssolution zn fällen, so wird wohl der grösste Theil der Traubensäure abgeschieden, jedoch bleibt auch nach mehreren Tagen noch ein Theil der Trau- bensäure in Lösung; sättigt man das Gemenge der beiden Säuren zur Hälfte mit Kali und fügt dann Gypssolution hinzu, so erhält man den traubensauren Kalk bis auf we- nige Procente wieder. Um auch diese Differenz auf ein Minimum zu reduciren, liess ich zunächst die Traubensäure zum grössten Theil auskrystallisiren. Die Krystalle wurden auf einem Trichter ausgewaschen und dann auf dickem Filtrirpapier durch Liegen an der Luft getrocknet und ge- wogen. Das Papier wurde mit Wasser ausgewässert, die erhaltene Flüssigkeit mit dem Waschwasser und der Mutter- lauge vereinigt; daraus die noch vorhandene Traubensäure, nachdem die Lösung zur Hälfte mit Kali abgesättigt wor- den, durch Gypssolution ausgefällt und in dem Filtrat nach Entfernung der Schwefelsäure durch salpetersauren Baryt und nach Absättigen mit Kali bis zur schwach sauren Re- action die Weinsäure mittelst Bleizucker gefällt. Der gut ausgewaschene Niederschlag wurde dann mit Schwefelwasser- stoff zersetzt und das erhaltene Filtrat mit Normalnatron- lauge titrirt.
Vor der Scheidung wurde die Gesammtmenge der bei- den Säuren mit !/, Normalnatronlauge bestimmt. Zu 10 CC. der auf 100 CC. gebrachten Lösung wurden verbraucht
‚on
7,7 CC. Natronlauge, die entsprechen 0,5775 Grm. des Säure- hydrats. Angewendet wurden die andern 90 CC., worin somit 9,197 Grm. des Gemisches enthalten waren.
Auskrystallisirt waren 1,806 Grm. Traubensäure von der Formel C®H°O!? — 2 HO die entsprechen 1,612 Grm. Traubensäure von der Formel C®H°O!?, Die Menge des durch Gypswasser abgeschiedenen und im Exsiceator getrockneten Niederschlags von traubensaurem Kalk betrug 0,93 Grm. die entsprechen 0,537 Grm. Krystallwasserfreiem Trauben- säurehydrat.
Zur Sättigung von 10 CC. der auf 100 CC. aufgefüll- ten Weinsäurelösung wurden gebraucht 3,9 CC. Normalna- tronlauge die entsprechen: 0,2925 Grm. Weinsäure;
dies auf 100 CC. berechnet giebt 2,925 Grm. Weinsäure.
Auskrystallisirte Traubensäure 1,612 Traubensäure vom Kalksalz 0,537
Traubensäure | 2,149 Weinsäure 2,925
5,074. Erhalten in 100 Berechnet auf 100 Angewendet 5,197 Weinsäure 56,9 Weinsäure 57,6 Erhalten 5,074 Traubensäure 41,4 Traubensäure 42,4 Verlust 0,123. alu 100,0,
100,0.
Daneben wurde das Polarisationsvermögen Jes Ge- misches und der darauf abgeschiedenen Weinsäure mit Hülfe des Mitscherlichschen Polarisationsapparates bestimmt. Das Drehungsvermögen des Gemisches betrug bei einer Länge des Beobachtungsrohrs von 2 Decimeter, bei einem spec. Gewicht von 1,108 und einem Gehalte von 21,6 Procent
8 Grad nach Rechts, woraus sich das Molecularrotationsvermögen
berechnet zu @« = —ı lin
1,108. 2. 0,216 Nach der Trennung beider Säuren betrug das Drehungs- vermögen der Weinsäure
12
bei einem spec. Gewicht von 1,057 bei einem Gehalt von 12,4 Procent
3 Grad nach Rechts,
woraus das Molecularrotationsvermögen sich berechnet zu
an
01.057. 2,,0,124 Bei dieser Gelegenheit wurde das Molecularrotations-
vermögen der gewöhnlichen Weinsäure bestimmt. Bei einer
Temperatur von 22° C. betrug die Ablenkung
bei einem spec. Gewicht von 1,094
bei einem Gehalt von 20 Procent
5,2 Grad nach Rechts,
woraus das Molecularrotationsvermögen der Weinsäure sich
32 berechnet zu & = 1.098. 2. 02 —= 11,9.
& — a3:
Die Lösung der abgeschiedenen Traubensäure zeigte gar keine Ablenkung.
Wenn nach der letzten Beobachtung eine Ablenkung von 5,2 Grad einen Gehalt der Lösung von 20 Procent Weinsteinsäure angiebt, so würde man bei einer Drehung von 3 Grad 11,5 Procent annehmen müssen, die in den obengenannten 21,6 Procent der Lösung enthalten waren. Da sich daraus das Verhältniss der Weinsäure zur Trauben- säure für 100 Theile wie 53,2 zu 46,8 berechnen würde, wäh- rend der Wägungsversuch das Verhältniss von 57,6 zu 42,4 ergiebt, so muss man annehmen, dass in der abgeschie- denen Weinsäure noch Traubensäure enthalten war, wodurch dann auch das Molecularrotationsvermögen derabgeschiedenen Weinsäure dem der gewöhnlichen näher kommt. Da jedoch diese Differenz ebensogut durch einen Beobachtungsfehler herbeigeführt sein kann, der um so leichter eintreten kann, als es schwer hält, bei so kleinen Mengen farblose Lösungen zu bekommen, so werde ich hier so wie bei den folgenden Versuchen immer das Mittel aus dem auf optischen Wege und dem durch die Gewichtsbestimmung erhaltenem Resul- tate als das richtigere Verhältniss annehmen.
® 13
Bestimmung: durch Polarisation durch Wägung Mittel Weinsäure 53,2 57,6 55,4 Traubensäure 46,8 42,4 | 44,6 100,0 100,0 100,0.
Versuch mit Gummi.
1 Pfund Gummi arabicum wurde ganz ebenso wie der Milchzucker der Oxydation mit Salpetersäure unterworfen, Man löst zuerst das Gummi in dem angegebenen Quantum Wasser und erwärmt es dann mit der angegebenen Menge Salpetersäure in kleinen Quantitäten in einer geräumigen Porzellanschale, da bei der ersten Einwirkung die Masse sehr stark schäumt. Wenn diese stattgefunden hat, so ver- schwindet auch sehr bald der Schaum, so dass man dann die einzelnen Portionen wieder wie beim Milchzucker zu- sammen in einem Kolben weiter erhitzen kann. Der Pro- cess verläuft wie beim Milchzucker, nur bildet sich bei weitem weniger Schleimsäure, die sich nicht wie bei jenem pulverförmig, sondern meist auf der Oberfläche als schaumige Masse abscheidet. Ebenso ist die Ausbeute an Weinsäure und Traubensäure bei weitem geringer als,beim Milchzucker. Nach drei bis vier Tagen ist der Process vollendet, man ent- fernt mit kohlensaurem Kalk die gebildete Oxalsäure, fällt mit Bleizucker und zersetzt das Bleisalz durch Schwefel- säure und Schwefelwasserstoff. Hat man das so erhaltene Gemenge der entstandenen Säuren Zur Hälfte mit kohlen- saurem Kali abgesättigt, so hält es hier besonders schwer, Weinstein daraus abzuscheiden, es dauert zuweilen Tage lang, ehe eine Ausscheidung beginnt, man beschleunigt die- selbe durch längeres Erwärmen im Dampfbade und öfteres Schütteln. Das erhaltene Krystallmehl wird auf die oben beim Milchzucker angegebene Weise vom zuckersauren Kali getrennt; der erhaltene Weinstein besteht ebenfalls
- aus saurem weinsteinsauren und saurem traubensauren
Kali, da sowohl schwefelsaure Kalkerdelösung in der freien . Säure einen reichlichen Niederschlag von traubensaurem Kalk hervorbringt, als auch die Polarisationsebene durch die Lö-
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sung nach Rechts bedeutend abgelenkt wird. Die Säuren wurden auf die oben erwähnte Weise getrennt und dabei folgende Resultate erhalten.
Vor der Trennung wurden wieder 10 CC, der auf 100 CC. gebrachten Lösung mit !/;, Normalnatronlauge ge- sättigt, von der 5,3 CC. gebraucht wurden, so dass die Menge der zur Trennung angewendeten @nantität in den übrigen 90 CC. der Lösung 3,5775 Grm. Säure betrug.
Auskrystallisirt waren 0,893 Grm. Traubensäure die entsprechen 0,798 Grm. krystallwasserfreiem Traubensäure- hydrat. Die Menge des abgeschiedenenen traubensauren Kalks betrug 0,757 Grm. die ehtsprechen 0,437 Grm. krystall- wasserfreiem Traubensäurehydrat.
Zur Sättigung von 10 CC. der auf 100 CC. gebrachten Weinsäurelösung waren 2,9 CC. !/, Normalnatronlauge er- forderlich, die entsprechen 0,2175 Grm. Weinsteinsäure. Wenn man dies auf 100 CC. berechnet, so waren also vor- handen 2,175 Grm. Weinsäure.
Auskrystallisirte Traubensäure 0,798 Traubensäure von Kalksalz 0,437
Traubensäure 1,235 Weinsäure 2,175
3,41.
Erhalten in 100. Berechnetauf100. Angewendet 3,5775 Weinsäure 60,8 Weinsäure 63,8
. Erhalten 3,41 Traubens. 34,5 Traubens. 36,2 Verlust 0,1675 Verlust #1 100,0. 100,0.
Bei der Untersuchung im Polarisationsapparat betrug die Ablenkung vor der Trennung bei einem spec. Gewicht der Lösung von 1,076 bei einem Gehalt von 16,5 Procent
2,3 Grad nach Rechts,
woraus sich berechnet das Molecularrotationsvermögen 2,3
= 6.7 511,0768)62%0;165u0m ar
15
Nach Abscheidung der Traubensäure betrug die Ab- lenkung bei einem spec. Gewicht von 1,051 bei einem Gehalt von 10,1 Procent 2,2 Grad rechts,
woraus sich ergiebt das Molecularrotationsvermögen bi; 22 5 1,05%. 2:.:0,101
Berechnet man nach der oben beim Milchzucker an- gegebenen Weise das Verhältniss der beiden Säuren, so würden wir in 100 Theilen des Gemenges 62,3 Theile Weinsäure und 37,7 Theile Traubensäure anzunehmen haben.
& — 1,04,
Bestimmung durch Polarisation durch Wägung Mittel, Weinsäure 62,3 63,8 63,0 Traubensäure 37,7 _ 36,2 37,0 100,0 100,0 100,0
Da die Differenz zwischen dem Molecularrotationsver- mögen der hier abgeschiedenen und dem der gewöhnlichen Weinsäure ziemlich bedeutend ist, ohne dass in der abge- schiedenen Weinsäure Traubensäure nachzuweisen war, SO könnte man diese Differenz vielleicht dadurch deuten, dass der Weinsäure die sogenannte inactive Weinsäure beige- mengt gewesen wäre, die Pasteur gelegentlich bei der Um- wandlung der gewöhnlichen Rechtsweinsäure in Trauben- säure beobachtet hat.
Versuch mit Rohrzucker.
Wenn man den Rohrzucker nach demselben Verhält- niss, das man zur Oxydation des Milchzuckers angewendet hat, mit Salpetersäure oxydiren will, so tritt gleich nach der heftigen Einwirkung schon eine starke Bräunung der Masse ein. Es wurde desshalb gleich von vornherein eine stärkere Säure angewendet und dabei das Verhältniss genom- ° men, das Heintz zur vortheilhaftesten Darstellung der Zucker- säure angiebt. Man nimmt danach auf 1 Theil Rohrzucker 3 Theile Salpetersäure von 1,3 spec. Gew. lässt die erste heftige Einwirkung in kleineren Quantitäten vor sich gehen
16
und verfährt im Uebrigen ganz wie beim Milchzucker; nur muss man viel öfter Salpetersäure nachgiessen, um eine Färbung ‘der Flüssigkeit zu verhüten; auf eine Quantität von 1 Pfd. Zucker braucht man gewöhnlich noch 12 Unzen der oben angegebnen Salpetersäure. Diese Färbung der Flüs- sigkeit kommt, wie wir nachher sehen werden, ganz beson- ders dem Linksfruchtzucker zu, der durch die Salpetersäure gebildet worden ist, während Rechtstraubenzucker kaum ein- mal und dann sehr spät braun wird, so dass man aus der frühern oder spätern Bräunung der Flüssigkeit auf das Vor- handensein von Linksfruchtzucker schliessen könnte. Auch hier ist die Oxydation in 3—4 Tagen vollendet; man ent- fernt die etwa gebildete Oxalsäure auf die früher ange- gebne Weise und verfährt überhaupt ganz wie bei der Ab- scheidung der Weinsäure aus dem Milchzucker.
Die Ausbeute an Weinstein ist, wenn nicht bedeuten- der, so doch der aus dem Milchzucker aequivalent; die aus dem Weinstein abgeschiedene reine Säure gab die Reactio- nen der Traubensäure und liess beim Verdunsten bis zum Eintreten einer Krystallhaut und langsamen Erkalten eine ganz bedeutende Quantität Traubensäure herauscerystallisi- ren. Da die Menge derselben mehrere Gramme betrug, so wurden sie, nachdem sie nochmals umkrystallisirt und die entstandenen Krystalle durch längeres Liegen auf dickem Filtrirpapier vollkommen abgetrocknet waren, der Elemen- taranalyse unterworfen, die folgende Resultate ergab.
I 0,3653 Grm. gaben 0,3825 Grm. Kohlensäure die entsprechen 0,1043 Grm. Kohlenstoff oder 28,56 Procent.
Ferner 0,1557 Grm. Wasser, die entsprechen 0,0173 Grm. Wasserstoff oder 4,74 Procent.
II 0,325 Grm. gaben 0,347 Grm. Kohlensäure, die ent- sprechen 0,0946 Grm. Kohlenstoff oder 29,12 Procent.
Ferner 0,1403 Grm. Wasser, die entsprechen 0,01559 Grm. Wasserstoff oder 4,30 Procent.
III 0,3124 Grm. gaben 0,3296 Grm. Kohlensäure, die entsprechen 0,0899 Grm. Kohlenstoff oder 28,78 Procent.
Ferner 0,1322 Grm. Wasser, die entsprechen 0,01469 Grm. Wasserstoff oder 4,69 Procent.
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I uU AR Mittel Berechnet C —= 28,56 29,12 28,78 28,82 28,57 H= 474 4,80 4,70 4,75 4,76 OO — 66,70 66,08 66,52 66,43 66,67
100,00 100,00 100,00 100,00 100,00
Im Platinschiffehen blieb nicht der geringste Rück- stand zum Beweis, dass die verwendeten Krystalle frei von Kali waren. Bei 100 Grad so lange erhitzt, bis mehrere Wä- gungen nicht mehr differirten, verloren die Krystalle die beiden Aequivalente Wasser. Es liessen 0,345 Grm. der erhaltenen Krystalle 0,307 Grm. zurück, so dass sie dem- nach 0,038 Grm. oder 11,01 Procent verloren hatten, nach der Rechnung müssten sie 10,71 Procent Wasser verlieren.
Ausserdem wurde, um die Identität der erhaltenen Kry- stalle mit der gewöhnlichen Traubensäure noch genauer festzustellen, das Löslichkeitsverhältniss bestimmt. Die zu einem feinen Pulver zerriebenen Krystalle wurden mehrere Tage bei einer Temperatur von 20 bis 25° C. mit einer zur Lösung unzureichenden Quantität Wasser öfters geschüttelt. Von der so erhaltenen Lösung wurde eine gewogene Quan- tität imPlatintiegel so lange im Wasserbade erhitzt, bis die- selbe bei mehreren Wägungen ein constantes Gewicht behielt.
1,345 Grm. der Lösung liessen 0,2155 Grm. Rückstand, der entspricht 0,2414 Grm. krystallisirter Traubensäure, Es löste sich somit die erhaltene Traubensäure in 4,57 Thei- len Wasser von 20°C. Da Walchner nach Gmelin’s Hand- buch ') das Löslichkeitsverhältniss der gewöhnlichen Trau- bensäure zum Wasser zu 5,7 angegeben hat, so habe ich den Versuch mit der natürlichen Traubensäure wiederholt und dabei die Zahlen 4,73 und 4,95 erhalten, so dass man als Mittel die Zahl 4,84 anzunehmen hätte. Mösglicher- weise hat Walchner die Bestimmung bei einer niedrigeren Temperatur als die von mir angegebene vorgenommen oder seine Zahl 5,7 giebt nicht die Menge Wasser an, welche einen Theil Traubensäure löst, sondern die Menge Lösung, welche einen Theil derselben enthält. Nach meinen Ver-
») Gmelin’s Handbuch der Chemie. Bd. V, pag. 447. XXI 1863. 2
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suchen ist im Mittel aller drei Versuche in 5,75 Theilen der Lösung ein Theil der Säure enthalten. Die Mutterlauge von den erhaltenen Krystallen gab im Polarisationsapparat untersucht‘ eine bedeutende Ablen- kung nach Rechts, es war somit neben der Traubensäure auch Rechtsweinsäure gebildet, eine Thatsache, die insofern von Interesse ist, als Liebig bei Behandlung des Rohr- zuckers mit Salpetersäure die Bildung der Weinsäure nicht beobachtet hat, Das Verhältniss der beiden Säuren zu ein- ander wurde in derselben Weise wie beim Milchzucker und Gummi bestimmt. Zur Sättigung von 10 CC. des auf 100 CC. gebrach- ten Gemisches wurden 8,8 CC. !/, Normalnatronlauge ge- braucht, die entsprechen 0,66 Grm. Weinsäure. Angewendet wurden zur Trennung die übrigen 90 CC., die somit ent- sprechen 5,94 Grm. Auskrystallisirt waren 2,222 Grm. die entsprechen 1,984 Grm. krystallwasserfreiem Traubensäurehydrat. Das Gewicht des abgeschiedenen traubensauren Kalkes betrug 0,819 Gramme, die entsprechen 0,4725 Grm. krystallwasser freiem Traubensäurehydrat. Zur Sättigung von 10 CC. der auf 100 CC. gebrachten Rechtsweinsäure wurden ver- braucht 4,6 CC. Normalnatronlauge, die entsprechen 0,345 Grm. Weinsäure, so dass das Quantum der gesammten Weinsäure betrug 3,45 Grm. Auskrystallisirte Traubensäure 1,954 Traubensäure vom Kalksalz 0,4725 Traubensäure 2,4565 Weinsäure 3,45 5,9065 Angewend. 5,94 Erhalten in 100 Berechn. auf 100 Erhalten 5,9065 Weinsäure 58,08 Weinsäure 58,41 Verlust 0,0335 Traubens. 41,34 Traubens. 4#1,59 Verlust 0,58 100,00 100,00 Vor der Trennung betrug die Ablenkung der Polari- sationsebene bei einem spec. Gew. von 1,082 und bei ei- nem Gehalt der Lösung von 17,7 Procent 2,50 nach Rechts,
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woraus sich das Molecularrotationsvermögen berechnet zu 2,8 022. Nach der Trennung betrug die Ablenkung der Rechts- weinsäure bei einem Gehalte von 10,6 Proc. und einem spec. Gew. von 1,044 2,6 nach Rechts, woraus das Molecularrotationsvermögen sich ergiebt zu 2,6 © 7 7,044.2.0,106 Berechnet man danach wie oben das Verhältniss der beiden Säuren, so würden in 100 Theilen 60,84 Theile Wein- säure und 39,16 Theile Traubensäure anzunehmen sein.
— SIT:
Bestimmung durch Polarisation durch Wägung Mittel Weinsäure 60,84 58,41 59,7 . Traubens. 39,16 41,59 40,3 100,00 - 100,00 100,09
Versuch mit Linksfruchtzucker.
Wenn nach Dubrunfaut’s*) Ansicht Rohrzucker durch Erwärmen mit verdünnten Säuren: in Rechtstraubenzucker und Linksfruchtzucker zerfällt und des Letzteren Polarisa- tionsvermögen so bedeutend ist, dass die Ablenkung nach der Inversion von Rechts nach Links übergeht, so konnte das Auftreten der Traubensäure in den Oxydationsproduk- ten des Rohrzuckers in der Weise gedeutet werden, dass aus dem Gemeng von Rechts und Links drehendem Zucker auch die beiden Weinsäuren entstanden wären, die sich nachher zu Traubensäure vereinigt hätten. Zur Beantwor- tung der Frage, ob der Vorgang wirklich der angedeuteten. Art sei, war es nöthig, die beiden Zuckerarten getrennt mit Salpetersäure zu behandeln, möglicher Weise konnte man durch Oxydation von reinem Linksfruchtzucker auch reine Linksweinsäure erhalten.
Zunächst wurde ein Versuch gemacht, den durch In- version des Rohrzuckers entstehenden Linksfruchtzucker
!) Compt. rend. 23, 38.
2”
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zu isoliren und dazu das von Dubrunfaut angegebne Verfah- ren angewendet. Es wurde danach Rohrzucker mit ver- dünnter Schwefelsäure so lange erwärmt, bis die Drehung der Polarisationsebene nach Links übergegangen war, dar- auf der durch Kalkerdehydrat hervorgebrachten Nieder- schlag von Linksfruchtzuckerkalk vom löslichen Rechtstrau- benzuckerkalk abgepresst und durch Schwefelsäure zer- setzt. Da eines Theils eine zur Oxydation mit Salpeter- säure zu geringe Menge Linksfruchtzucker erhalten wurde und andern Theils dieser Zucker auch nach mehrmaligen Behandeln mit Knochenkohle nicht so weit entfärbt werden konnte, dass man sein Polarisationsvermögen hätte beob- achten können, so wurde versucht, durch Kochen des Inu- lins mit Säuren Linksfruchtzucker zu erhalten, der nach Dubrunfaut mit dem aus Rohrzucker gewonnenen identisch sein soll. Es wurde demnach Inulin durch längeres Kochen mit verdünnter Salpetersäure in Linksfruchtzucker überge- führt; der erhaltene Zucker war zwar auch stark braun, liess sich aber durch Knochenkohle so weit entfärben, dass man ihn sehr -gut im Polarisationsapparate untersuchen konnte, wo er eine -bedeutende Drehung nach Links zeigte. Die erhaltene Lösung wurde dann so weit eingedunstet, dass sie gegen 50 Procent Zucker enthielt, dessen Menge man am leichtesten auf massanalytischem Wege mittelst einer titrirten Kupferlösung ermittelt, und darauf mit dem glei- chen Gewicht einer Salpetersäure von 1,40 spec. Gew. er- wärmt, so dass annähernd dasselbe Verhältniss von Zucker und Säure wie beim Rohrzucker entstand. Ausser der oft eintretenden Braunfärbung dieses Zuckers, eine Erschei- nung, die, wie ich schon oben bemerkt habe, beim Rohr- zucker durch Auftreten dieses Zuckers becingt ist und die man hier nur durch sehr reichlichen, und Öfteren Zusatz von Salpetersäure vermeiden kann, bietet der Process nichts Neues; ebenso wurde das bei den anderen Zuckerarten an- gegebene Verfahren zur Reindarstellung der betreffenden Säure befolgt. Beim Eindunsten der reinen Säure war die- selbe zu einer ganz trockenen krystallinischen Masse er- starrt, so dass man Schon daraus auf die Abwesenheit der Weinsäure hatte schliessen können. Sie zeigte die Re-
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actionen der Traubensäure, und da im Polarisationsapparate gar keine Ablenkung beobachtet werden konnte, so war So- mit nur reine Traubensäure gebildet.
Wir begegnen hier der allerdings merkwürdigen und in gewisser Hinsicht abnormen Erscheinung, dass wir aus einer so stark nach Links drehenden Substanz ein völlig inactives Product erhalten, bekommen jedoch zugleich darüber Aufschluss, wodurch das Auftreten der Traubensäure un- ter den Oxydationsproducten des Rohrzuckers bedingt ist, während die folgenden Versuche zeigen werden, dass die Bildung der Rechtsweinsäure von der vorherigen Bildung von Rechtstraubenzucker herzuleiten ist.
Versuch mit Stärke.
Zunächst wurde Stärke der Oxydation mit Salpetersäure unterworfen und dabei dasselbe Verhältniss wie beim Inu- linzucker angewendet. Man rührt die Stärke mit dem glei- chen Gewicht Wasser an und setzt das doppelte Gewicht von einer Salpetersäure von 1,40 spec. Gewicht hinzu und erwärmt. Dabei quillt die Stärke zuerst zu einer gleich- mässig dicken durchscheinenden Masse auf, wird dann dün- ner, bis die heftige Reaction der Salpetersäure stattfindet, wonach man dann eine vollständig klare Flüssigkeit erhält; ein späterer Zusatz von Salpetersäure ist kaum mehr nö- thig, wenigstens stellt sich eine Bräunung der Masse erst am dritten oder vierten Tage ein. Ausser der Bildung ei- ner geringen Menge einer wachsartigen Masse, die sich auf der Oberfläche abscheidet, bleibt im übrigen der Process derselbe wie bei den andern Zuckerarten, so wie man auch nach der früher angegebnen Methode die betreffende Säure daraus abscheidet. Sie erwies sich als reine Rechtswein- säure, da eines Theils Gypssolution gar keine Fällung her- vorbrachte, und anderntheils die beobachtete Ablenkung der Polarisationsebene der der gewöhnlichen Rechtsweinsäure gleichkam.
Die Ablenkung der erhaltenen Säure betrug bei einem spec. Gewicht von 1,076 bei einem Gehalt der Lösung von 17,1 Procent
4,4 Grad nach Rechts,
22
woraus sich das Molecularrotationsvermögen berechnet Ei 4,4
2 1:0767220)771 das der gewöhnlichen Rechtsweinsäure ist gleichfalls 11,9.
a — 11,9
Versuch mit Rechtstraubenzucker.
Da man den Einwand machen könnte, dass die Stärke möglicher Weise schon vor der Umsetzung in Rechstrauben- zucker von der Salpetersäure oxydirt worden sei und man es eben nur mit Stärke und nicht mit Traubenzucker zu thun gehabt hätte, so wurde derselbe Versuch mit reinem krystallisirteem Traubenzucker wiederholt. Da die erhaltene Weinsäure auch nach mehrtägigem Stehen mit Gypssolu- tion auch nicht den geringsten Niederschlag absetzte, da ferner die Ablenkung der Polarisationsebene der der ge- wöhnlichen nahezu gleichkam, so war demnach gleichfalls nur Rechtsweinsäure entstanden.
Es betrug die Ablenkung der Polarisationsebene bei einem Gehalte der Lösung von 22,8 Procent und einem spec. Gew. von 1,1125
5,9 Grad nach Rechts, woraus sich das Molecularrotationsvermögen berechnet zu 5,9 Gr Dos während das der gewöhnlichen Weinsäure 11,9 ist, eine Differenz, die wohl als ein Beobachtungsfehler anzuse- hen ist.
Nachdem die gemachten Versuche gezeigt haben, dass wir aus den verschiedensten Kohlehydraten Weinsäure oder Traubensäure erhalten können, wonach man wohl mit ei- niger Sicherheit die Annahme machen kann, dass sämmt- liche eigentliche Kohlehydrate ein gleiches Product bei der Oxydation mit der Salpetersäure liefern können, würde es zun darauf ankommen, die Frage zu entscheiden, ob die Weinsäure direct aus dem Zucker gebildet wird oder ob zunächst ein Mittelglied entsteht, aus dem dann durch wei- tere Oxydation die Weinsäure gebildet wird. Ist letzteres der Fall, so muss Schleimsäure und Zuckersäure, die beide vor der Bildung der Weinsäure entstehen, durch weitere
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Oxydation mit Salpetersäure in Weinsäure oder Trauben- säure übergetührt werden können, was wir auch durch die folgenden Versuche wenigstens zum Theil bestätigt finden.
Versuch mit Schleimsäure.
Die bei der Oxydation des Milchzuckers gewonnene Schleimsäure wurde mit dem 4fachen Gewicht einer Sal- petersäure von 1,2 spec. Gewicht mehrere Tage in schwa- chem Sieden erhalten. Nachdem die noch nicht zersetzte Schleimsäure sich abgesetzt hatte, wurde die klare Flüssig- keit abgegossen und der Rückstand immer wieder mit neuen Mengen Salpetersäure gekocht, Aus den so erhaltenen Flüssigkeiten wurde nach Absättigen mit kohlensaurem Natron bis zur schwach sauren Reaction mit essigsaurem Blei die betreffenden Säuren als Bleisalze ausgefällt. Nach- dem der Versuch sechs Wochen lang fortgesetzt war, ohne dass eine bedeutendere Menge der Bleiverbindungen ent- standen war, wurde derselbe abgebrochen. Die aus der ganzen Quantität des abgeschiedenen sauren Kalisalzes ge- wonnene Säure liess keine Ablenkung der Polarisations- ebene erkennen, jedoch war die dazu verwendete Menge zu gering, um mit Sicherheit entscheiden zu können, ob die erhaltene Säure reine Traubensäure, deren Bildung nach den erhaltenen Reactionen mit Gypswasser nicht zu be- zweifeln ist, oder ein Gemeng der Traubensäure und Rechts- weinsäure war.
Versuch mit Zuckersäure.
Zur Oxydation der Zuckersäure wurde das saure zuckersaure Kali verwendet, das als Nebenprodukt von sämmt- lichen Zuckerarten gewonnen war. Auf eine Unze dieses Salzes wurden 4 Unzen einer Salpetersäure von 1,2 spec. Gewicht verwendet und die Oxydation mehrere Tage im Dampfbade fortgesetzt.
Die bei dieser Concentration nur in geringer Menge entstandene Oxalsäure wurde auf die bekannte Weise ent- fernt, so wie zur Abscheidung der betreffenden Säure auch das oben erwähnte Verfahren befolgt wurde, wobei eine reichliche Menge Weinsäure erhalten wurde. Da sowohl eine Ablenkung der Polarisationsebene beobachtet wurde,
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als auch Gypssolution eine Fällung von traubensaurem Kalk hervorbrachte, so war ein Gemenge von Weinsäure und Trau- bensäure erhalten, deren Mengen sich wie folgt berechneten:
Vor der Trennung wurden 10 CC. des auf 100 CC. aufgefüllten Gemisches mit !/; Normalnatronlage gesättigt, von der 1,1 CC. gebraucht wurden die entsprechen 0,0825 Grm. Zur Trennung wurden die übrigen 90 CC. verwendet, die somit entsprechen 0,7425 Grm.
Auskrystallisirt waren 0,135 Grm. Traubensäure, die entsprechen 0.1205 Grm. krystallwasserfreiem Traubensäure- hydrat. Die Menge des abgeschiedenen traubensauren Kalkes betrug 0,115 Grm., die entsprechen 0,0663 Grm. krystallwasserfreien Traubensäurehydrat. Zur Sättigung der abgeschiedenen Weinsäure waren nöthig 7 CC. Normal- natronlauge, die entsprechen 0,525 Grm. Weinsäure.
Auskrystallisirte Traubensäure 0,1205 Traubensäure vom Kalksalz 0,0663
Traubensäure 0,1868 Weinsäure 0,525
0,7118.
Erhalten in 100. Berechnet auf 100. Angewendet 0,7425 Weinsäure 70,7 Weinsäure 73,8 Erhalten 0,7118 Traubens. 25,2 Traubens. 26,2
Verlust 0,0307 Verlust #1 100,0, 100,0.
Vor der Trennung betrug die Ablenkung der Polari- sationsebene bei einem spec. Gewicht von 1,025 und bei einem Gehalt der Lösung von 5,4 Procent
1 Grad nach Rechts,
woraus sich das Molecularrotationsvermögen berechnet Fra 0,0.
Nach der Trennung betrug die Ablenkung bei einem Gehalte von 4,1 Procent
bei einem spec, Gewicht von 1,019
-
25 1 Grad nach Rechts,
wodurch das Molecularrotationsvermögen sich ergiebt 1 \ 4 70197 0,047. Aal
Danach berechnet sich das Verhältniss der Weinsäure zur Traubensäure für 100 Theile wie 71,3 zu 28,7.
Bestiiamung durch Polarisation durch Wägung Mittel. Weinsäure 71,3 73,8 72,6 Traubens. 28,7 26,2 27,4 100,0. 100,0. 100,0.
Die beiden letzten Versuche bestätigen die Annahme von Liebig und Heintz, dass das Auftreten der Weinsäure und Traubensäure auf die vorherige Bildung von Zucker- säure oder Schleimsäure zurückzuführen sei.
Wahrscheinlich bildet sich jedoch zwischen der Zucker- säure und Weinsäure noch ein zweites Mittelglied, indem der durch essigsaures Blei in den durch Oxydation mit Sal- petersäure erhaltenen Flüssigkeiten entstandene Nieder- schlag von zuckersaurem, weinsaurem und oxalsaurem Blei noch das Bleisalz einer Säure enthält, die in ihren Reactio- nen der Weinsäure und Zuckersäure sehr nahe kommt und sich nur dadurch von denselben unterscheidet, dass sie keine krystallisirbaren Salze giebt; vielleicht ist sie mit der von Siewert!) aus den Mutterlaugen von der Zuckersäuredar- stellung erhaltenen Cassonsäure identisch. Da dieselbe auch bei der Oxydation der Zuckersäure gebildet wird und an Kohlenstoff und Wasserstoff reicher als die Weinsäure und ärmer als die Zuckersäure ist, so könnte man vielleicht die Annahme machen, dass die Zuckersäure und Schleim- säure vor ihrer Umsetzung in Weinsäure oder Traubensäure erst in diese Säure übergehen. Was die zweite Frage an- betrifft, ob die bei der Oxydation des Milchzuckers durch Salpetersäure erzeugte Weinsäure aus der vorhergebildeten Zuckersäure oder aus der Schleimsäure ihren Ursprung
!) Diese Zeitschrift 14, 337.
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nimmt, so habe ich schon in der Einleitung angegeben, wie Liebig die Vermuthung ausgesprochen hatte, dass die Weinsäure aus der Zuckersäure gebildet werde, während Heintz sich für die Bildung der Weinsäure aus der Schleim- säure entschieden hatte, nachdem er durch Oxydation der Schleimsäure saures weinsaures Kali erhalten haben wollte. Da jedoch nach den von Carlet und mir angestellten Ver- suchen bei Anwendung von Schleimsäure nur die Bildung von Traubensäure beobachtet werden konnte, so muss die von Heintz gemachte Notiz wohl auf einem Irrthum beruhen, der dadurch veranlasst war, dass einerseits die Menge des aus der Schleimsäure erhaltenen Kalisalzes zu gering war, um mitSicherheit zu entscheiden, ob darin Weinsäure neben Traubensäure vorhanden war, und dass man andrerseits da- mals noch nicht auf die Möglichkeit der Bildung von Trau- bensäure aufmerksam war.
Da man nun ausserdem aus allen Zuckerarten,, die ausschliesslich Zuckersäure und gar keine Schleimsäure bilden und auch aus der Zuckersäure selbst, die in grosser Menge auch aus dem Milchzucker gebildet wird, Weinsäure erhält, so muss die Zuckersäure und nicht die Schleimsäure als das Zwischenglied zwischen dem Milchzucker und der Weinsäure angesehen werden, während die Schleimsäure die Bildung der Traubensäure bedingt.
Zur Erledigung der dritten Frage, ob man in Beziehung auf das Rotationsvermögen wie Carlet meint, einen Schluss aus den erhaltenen Producten auf die angewendeten Sub- stanzen machen könne, halte ich es für zweckmässig, die durch meine Versuche erhaltenen jResultate noch einmal kurz anzuführen.
Es gaben in 100 Theilen Milchzucker 55,4 Weins. u. 44,6 Traubens. Gummi 63,0 Weins. u. 37,0 Traubens. Rohrzucker 59,7 Weins. u. 40,3 Traubens. Stärke nur Weins. Rechtstraubenzucker nur Weins.
- Linksfruchtzucker nur Traubens. Zuckersäure 72,6 Weins. u. 27,4 Traubens.
Schleimsäure (Weins.?) u. Traubens.
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Die gänzliche Abwesenheit der Weinsäure konnte nicht nachgewiesen werden.
Aus dem wenigstens in frisch bereiteter Lösung am bedeutendsten nach Rechts drehenden Traubenzucker ha- ben wir somit reine Rechtsweinsäure erhalten, mit der Ab- nahme der Drehung nach Rechts findet man bei den an- dern Zuckerarten Gemienge von Rechtsweinsäure und Trau- bensäure, ohne dass jedoch ein bestimmtes Verhältniss zwischen dem Rotationsvermögen der angewendeten Sub- stanz und dem grössern oder geringeren Auftreten von Traubensäure oder Weinsäure beobachtet werden könnte, bis wir schliesslich aus dem am bedeutensten nach links drehenden Zucker nur reine Traubensäure erhalten. Auch aus der Zuckersäure, deren Rotationsvermögen ich, wie auch Carlet angiebt, über das doppelte so hoch als das der Rechtsweinsäure fand, wurde neben der Rechtsweinsäure auch Traubensäure gebildet. Was ferner die Schleimsäure anbetrifft, so giebt Carlet allerdings an, dass dieselbe op- tisch inactiv sei und in Folge dessen auch nur die inactive Traubensäure gebildet habe; einestheils kann man jedoch deren Inactivität wegen der geringen Löslichkeit in Wasser noch in Frage ziehen und anderntheils wurden von mir die betreffenden Oxydationsproducte nur in so geringer Menge erhalten, dass nicht mit Sicherheit zu entscheiden war, ob in der That auch bloss reine Traubensäure gebil- det worden war.
Wir haben somit ausser dem durch Oxydation des Traubenzuckers erhaltenen! Resultate, wonach dieser Zucker allerdings seine rechtsdrehende Eigenschaft in seinem Oxy- dationsproducte beibehält, kein Beispiel, was die von Car- let gemachte Hypothese stützen könnte, dass zwischen der Weinsäure und Traubensäure einerseits und den verschie- denen Zuckerarten, aus denen sie gebildet werden, und den dazu gehörigen Zwischengliedern andrerseits die Gesetz- . mässigkeit stattfindet, dass die betreffende optische Eigen- schaft sich jedesmal in den erhaltenen Umsetzungspro- ducten wiederfindet. Im graden Gegensatz dazu sehen wir durch die mit Rohrzucker, Rechtstraubenzucker und Links- fruchtzucker angestellten Versuchen zur Thatsache werden,
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dass der so bedeutend nach Links drehende Linksfrucht- zucker durch Oxydation mit Salpetersäure in die inactive Traubensäure, der Rechtstraubenzucker in Weinsäure über- geht, so dass man aus dem Auftreten der Traubensäure eher einen Rückschluss auf die vorherige Bildung von Links- fruchtzucker machen könnte,
Es erklärt sich dann das Auftreten eines Gemisches von Weinsäure und Traubensäure bei der Oxydation des ° Milchznckers und Gummi’s in der Weise, dass beide, wie Dubrunfaut beim Rohrzucker annimmt, durch die Salpeter- säure zunächst eine Spaltung erleiden, wo dann der ent- standene Rechtstraubenzucker die Bildung der Weinsäure, der Linksfruchtzucker die Bildung der Traubensäure bedingt. Da nun Milchzucker und Gummi nach der Behandlung mit verdünnten Säuren eine Drehung nach Rechts zeigen, so würde das Auftreten eines Plus von Weinsäure aus dem in grösserer Menge entstandenen Rechtstraubenzucker herzu- leiten sein, wenn nicht bei Anwendung von Rohrzucker, der nach der Inversion durch Säuren eine Drehung nach Links zeigt, ebenfalls ein Plus von Weinsäure erhalten würde, eine Erscheinung, .die einfach darin ihren Grund hät, dass der Rechtstraubenzucker, wie wir bei den einzelnen Versuchen gesehen haben, bei weitem leichter von der Salpetersäure angegriffen wird, als der Linksfruchtzucker.
Versucht man die von mir erhaltenen Resultate mit der Carlet’schen Hypothese in Einklang zu bringen, so könnte man vielleicht die Bildung der Weinsäure und Trau- bensäure aus dem Milchzucker und Gummi so erklären, dass beide zunächst durch die Salpetersäure in einen rechts und einen linksdrehenden Zucker gespalten würden, und dass dann die Weinsäure aus dem rechtsdrehenden, die Trau- bensäure aus dem Gemisch von rechts und linksdrehenden Zucker gebildet wäre.
Schwieriger würde die Bildung der Weinsäure und Traubensäure aus dem Rohrzucker zu erklären sein, weil derselbe nach der Einwirkung von verdünnten Säuren eine Drehung nach links zeigt, so dass man nach Carlet’s Theo- rie daraus ein Gemenge von Linksweinsäure und Trauben- säure hätte erhalten müssen. Vielleicht liesse sich diese
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Anomalie in der Weise deuten, dass zunächst der in Folge der Spaltung durch Säuren entstandene Rechtstraubenzucker von der Salpetersäure zu Rechtsweinsäure umgesetzt würde, und darauf der Linksfruchtzucker mit dem noch übrigen Rechtstraubenzucker die Bildung von Traubensäure veran- lasste.
Wollte man auch noch die Bildung der Traubensäure
aus dem Linksfruchtzucker in ähnlicher Weise erklären, so
würde man die allerdings gewagte Annahme machen müs-
sen, dass sich der so bedeutend nach Links drehende Links-
fruchtzucker noch einmal erst wieder in einen rechts und linksdrehenden Zucker spalten liesse.
Wenn man demnach in Erwägung zieht, welche Schwie- rigkeit es macht, die von mir erhaltenen Resultate mit der von Carlet aufgestellten Theorie, dass die optischen Eigen- schaften der einzelnen Zuckerarten auch in deren Um- setzungsproducten wieder auftreten müssten, in Einklang zu bringen, so wird man nicht umhin können, jenes Ge- setz als nicht existirend zu betrachten. Im Gegentheil glaube ich vielmehr die Annahme machen zu müssen, dass der linksdrehende Linksfruchtzucker die Bildung der Traubensäure, der rechtsdrehende Traubenzucker die Bildung der Rechtsweinsäure bedinge, eine Annahme die auch in Bezug auf die Bildung der Traubensäure aus dem Duleit und Mannit eine gewisse Geltung dadurch erhält, dass Ber- thelot!) bei der Gährung des Männits mit thierischen Te- stikeln die Bildung eines Zuckers beobachtete, der die Po- larisationsebene nach Links ablenkte.
Bevor ich diese Arbeit schliesse, glaube ich noch darauf aufmerksam machen zu dürfen, wie durch die von mir mit dem Rohrzucker, Rechtstraubenzucker und Linksfrucht- zucker angestellten Versuche vielleicht die von Dubrunfaut gemachte Hypothese der Spaltung des Rohrzuckers durch Säuren an Wahrscheinlichkeit gewinnt, insofern man aus dem Rohrzucker die beiden Säuren, die Traubensäure und _ Weinsäure gemengt erhält, die man einzeln durch Behand-
ı) Comptes rend. 'T. 44, p. 1002.
s0
lung der Spaltungsproducte für sich allein darstellen kann.
Schliesslich kann ich nicht unterlassen, dem Herrn Professor Dr. Heintz für die mannichfachen Rathschläge, die derselbe mir im Verlauf der Arbeit gegeben hat, hiermit meinen Dank auszusprechen.
Halle a. d. S. im November 1862.
Zur Paragenesis des Glimmers von E, Söchting.
(Aus den Verhandlungen der kaiserlichen Gesellschaft für die gesammte Mineralogie zu St. Petersburg. Jahrg.,1862. Mitgetheilt vom Verfasser. *)
In der unlängst von mir veröffentlichten Arbeit über die Einschlüsse von Mineralien in krystallisirten Mineralien habe ich auch den Glimmer aufgeführt als von verschie- denen Mineralien umhüllt, z. B. von Albit, Chrysoberyll, Eisenkies, Feldspath, Flussspath, Granat, Hornblende, Ido- kras, Quarz, Topas, Turmalin, Wernerit u. S. w.
Unzweifelhaft ist der Glimmer in vielen Fällen nur im Einschluss, unabhängig von dem Bestande des ihn um- gebenden Minerals, während er anderwärts von diesem ab- hängt, indem er nachträglich durch irgend welche Einflüsse aus diesem entstanden, in denselben hineingerathen ist.
Dahin gehört es unterandern, wenn Blum (Natuurkund. Verhand. van de Hollandsche Staatsschappij der Wetensch. te Haarlem [2], IX, 13.) solchen aufführt in Apatitkrystal- len aus Drusenräumen des Granits von Penig, von den Zinnerzlagerstätten zu Ehrenfriedersdorf in Sachsen, auch
!) Es war mir um so mehr werth, diesen Aufsatz nochmals ab- gedruckt zu sehen, da er so, wie er in den „Verhandlungen“ selbst steht, mehrfache Druckfehler erhalten hat, welche ich nicht zu entfer- nen im Stande war, da ich die Correctur nicht besorgen konnte. S8.
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in Apatit von Katharinenburg in Sibirien. Dahin gehört der Glimmer im Eisenkies von Warwick, Orange Co., New- york, nach Beck (Nat. Hist. of New York; Mineralogy, 283). Volger gedenkt (N. Jahrb. f. Min. u. s. w., 1854, 283) Glimmers als Einschluss in Kalkspathkryställchen ei- nes metamorphischen Gesteines von der Sella, wo die Tafel- ebene der Glimmerblättchen stets in der Ebene der Spalt- barkeitslage des Spathes liegt, zuweilen aber auch ihr Um- riss durch die beiden andern Spaltungsrichtungen bestimmt ist, so dass rautenförmige Blätter erscheinen. Der Ein- schluss des Glimmers in Quarz ist — wenngleich nach Kenngott (Sitzungsber. d. K. Akad. d. Wissensch. zu Wien. Mathem, naturw. CI, IX, 407) immerhin ein selte- ner — doch mehrfach von mir und von Andern beobachtet.
Für manche dieser Vorkommnisse des Glimmers je- doch ist es schon eher zweifelhaft, ob man es nicht, statt nur mit einem einfachen Einschlusse, mit einem Umwand- lungserzeugnisse des umgebenden Minerales selbst zu thun habe.
Hier ist vornehmlich schon der Fall zu nennen, wenn eine Abart des Glimmers von einer andern umschlossen wird. Es ist bekannt, dass — während viele Gesteine nur oder wesentlich nur eine einzige Art enthalten — in man- chen zweierlei Arten vorkommen. Ich will nur anführen, dass de la Beche (Report on the geol. of Cornwall, Devon and West Somerset, 157) lichten und dunkeln Glimmer zu- sammen im Granite von Dartmoor in Devonshire angiebt, dass Haughton (Journ. of the Geol. Soc. of Dublin, VII, 198.) unter den von M’Clintock mitgebrachten Gesteinen einen Glimmerschiefer von Wolstonholme in Grönland, 77° nördl. Br., bemerkte, welcher aus einem innigen Gemenge schwarzen und weissen Glimmers in grossen Blättern be- stand, wobei die Glimmerplatten durch Bänder reinen Feld- spathes geschieden seien.
Ein ganz besonderer Fall des Nebeneinandervorkom- . menslichten und dunkeln Glimmers ist der von G. Rose (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch., I, 356) hervorge- hobene, in welchem nämlich der schwarze Glimmer in re- gelmässiger Verwachsung mit weissem in der Art erscheint,
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dass die Spaltbarkeit aus dem einen in den andern fort- setzt, der weisse Glimmer aber an den Rändern den brau- nen umgiebt, so dass letzterer der später gebildete sein müsse, eine Verwachsung, welche fast jeder Granit zeigt, in dem nämlich beide Glimmer vorkommen. Ehrenberg habe bei mikroskopischer Untersuchung in den weissen Blät- tern häufig kleine, dunkelbraune, scharf begrenzte, sechsseitige Tafeln, oft nur von der Grösse einer halben Linie und dar- unter, beobachtet. R
Diese Einlagerung ist dann mehrseitig angeführt wor- den. So von G. Leonhard (Geogn. min. Besehreih. d. bad. Bergstrasse, 10) aus gewissen Granitgängen dieses Gebirges, so von Hochstetter (Jahrb. d. K. k. geolog. Reichsanst., VI, 13) im Plöckensteingranite des Böhmer- waldes. Zu erwähnen ist auch aus dem Granite von Pres- burg nach Kenngott (ebend. U, 3, 42) ein dunkellauch- grünes, ins Braune geneigtes Mineral, dessen Blättchen ent- weder für sich liegen, oder in weissen Glimmer einge- schlossen sind. Später (Uebers. d. Result. min. Forsch. im Jahre 1853, 58) erklärte Kenngott dasselbe nach C. v. Hauer’s Analyse (Sitzungsber. d. k, Akad. d. Wissensch. in Wien. Mathem. naturw. Classe, VI, 609) als nicht zum Glimmer, sondern zum Chlorite gehörig, und nannte es Eukamptit. Nach Rammelsberg (Handb. d. Mineralch. 671) lässt es sich doch als ein wasserhaltiger, alkalifreier Magnesiaglimmer ansehen. Auch Haughton hat (Quart. journ. of the Geol. Soc., XII, 175 und XV, 129) Beobach- tungen über derartige Vorkommnisse in irischen Graniten mitgetheilt, wobei er Bestimmungen über die Lage der optischen Axen mittheilt. In dem Granite von Ballyeltin, Carlow Co., sind grosse Tafeln lepidomelanartigen Glim- mers nicht nur vergesellschaftet mit solchen weissen Mar- garodits, sondern auch diesem physikalisch eingelagert. Aber auch das Umgekehrte findet Statt. Die Winkel an den Tafeln des optisch einachsigen, schwarzen Glimmers sind alle = 120°. Die Untersuchung der Platten weissen Glimmers, welchen schwarzer ohne Unterbrechung eingela- gert ist, ergab, dass die Ebene der optischen Achsen des ersteren senkrecht stand auf der gemeinschaftlichen Ober-
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fläche der beiden Glimmerarten und stets die Grenzlinie beider in sich schloss.
Hermann erklärt (Journ. f£. prakt. Chem. LXXIV, 259) die Möglichkeit dieser Gruppirung durch Annahme ei- ner Heteromerie der beiden Mineralien, indem die Flächen- verbindung © P. © P». oP des zweiachsigen Glimmers dieselbe sei, wie die © R. oR des einachsigen, da o P ==1209. y
Dagegen giebt Reuss eine andere Ursache. Der- selbe beschreibt (Abhandl. d. k. k. geol. Reichsanst., I, 19) die Granite des Egerer Bezirkes in Böhmen und in der von ihm unterschiedenen, ersten Abänderung auch das gewöhn- liche Einschlussverhältniss, ausser welchem jedoch auch das entgegengesetzte vorkomme, wie dergleichen oben nach Haughton auch aus irischem Granite angeführt wurde. Beide Glimmerarten bilden aber auch noch eine Art von Verbindung. Wo nämlich mehrere, über einander liegende Glimmerblättchen in dünnen Tafeln vereinigt sind, gehören die mittleren gewöhnlich dem braunschwarzen, die periphe- rischen dagegen dem silberweissen an. Oft finde man je- doch auch zwischen den Blättchen des Magnesiaglimmers dünnere Blättchen und kleine Schuppen des Kaliglimmers eingeschoben. Hält man, folgert Reuss, diese Erschei- nung mit dem Umstande zusammen, das da, wo der Gra- nit der Verwitterung zu unterliegen beginnt, der im fri- schen Gesteine häufigere, dunkelfarbige Glimmer immer mehr zurücktritt, der silberweisse dagegen immer mehr vor- herrscht, bis man endlich gar keinen braunen Glimmer mehr entdeckt: bedenkt man, dass an grösseren Granit- blöcken im Innern frischer Kerne fast nur schwarzbrauner, an der verwitterten Peripherie zuletzt aber nur silberweis- ser Glimmer vorhanden ist: so scheint die Vermuthung gar nicht unbegründet zu sein, dass der schwarzbraune Glim- mer durch eine noch unbekannte Metamorphose während der Zersetzung des Granits in silberweissen übergehe, dass der letztere daher das Product einer eigenthümlichen Art von Pseudomorphose des ersteren sei. Dieser Granit sei übrigens der Verwitterung sehr unterworfen.
Bischof giebt (Lehrb. d. chem. u. phys. Geol, II
XXI, 1863. 3
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1448) die Möglichkeit zu, dass sich Kaliglimmer, bestän- digerer Natur als der Magnesiaglimmer, aus diesem durch Ausscheidung von Magnesia und Eisenoxydul bilden könne. Umgekehrt aber auch (ebend., 1389) möge es geschehen, dass sich Magnesiaglimmer neu bilde. Aus der ganzen Erschei- nungsweise des Magnesiaglimmers, gegenüber derjenigen des Kaliglimmers, scheine hervorzugehen, dass jener einer krystallinischen Ausbildung bei Weitem fähiger sei, als die- ser. In diesem Falle sei zu begreifen, wie da, wo das Material zur Bildung beider Glimmerarten gegeben war, der Magnesiaglimmer sich in bestimmten, der Kaliglimmer in unbestimmten Formen ausschied. Die kleinen, schwar- zen, Sechsseitigen Glimmertäfelchen im weissen Glimmer erscheinen daher als krystallinische Ausscheidungen aus einer Masse, welche vorzugsweise Material zur Bildung von Kaliglimmer und nur wenig zu der von Magnesiaglimmer enthielt. Dies kann auf dem Wege geschehen, dass aus bereits vorhandenem Kaliglimmer Magnesia und Eisenoxy- dul ausgezogen und an andern Stellen der Tafel wieder abgesetzt werden. Durch diese Aufnahme, vielleicht auch durch Austausch, gehe Kaliglimmer in Magnesiaglimmer über. — Auch Delesse (Ann. des mines [ö], XVI, 15) fand in Granit aus Cornwall den weissen Glimmer von dun- kelm umhüllt.
Diese Möglichkeit der Ausscheidung wird wohl min- destens für das Eisenoxydul bestätigt durch das Vorkom- men von Eisenoxydhydrat zwischen Glimmerlagen, wie dergleichen z. B. Freiesleben (Oryktogn. Arbeit., V, 24) von Schwarzenberg in Sachsen, Bischof (a. a. O., 1346) von Aschaffenburg in Baiern anführen. Vielleicht rühren daher auch die blutrothen Flecke von (?) Eisenoxyd, welche man nach' v. Fritsch (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Ge- sellsch., XII, 103) im Magnesiaglimmer des Granitits von Ilmenau in Thüringen bei durchfallendem Lichte erblickt. Vielleicht stammt auch mindestens ein Theil der rothen Färbung, welche sich an Quarzporphyren zeigt, wie z. B. den von Ilmenau, nach v. Fritsch (ebend., 113), selten gänzlich frei von Magnesiaglimmer sind, von dem ausge- zogenen Kisengehalte dieses Glimmers her.
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Wenn nach dem Vorhergehenden auch stellenweise die fragliche Vergesellschaftung den dunkeln Glimmer mit lichten eine ursprüngliche nicht zu sein braucht, so dürfte, da sogar gerade auch das entgegengesetzte Verhältniss so- wohl in der Lagerung beider Mineralien gegen einander als in der Ursache ihrer Bildung zu den Möglichkeiten ge- hört, auch beide im Ganzen gleichzeitiger Entstehung sein können, eine Entscheidung jedes Mal nur im gegebenen Falle sich treffen lassen.
Vielleicht gilt Aehnliches für eine Umwachsung von Lepidolith mit Glimmer, wie dergleichen nach G. Rose (Min.-geognost. Reise nach d. Ural, I, 4658) in der Gegend von Schaitansk vorkommt, wo der Lepidolith den Glimmer am Rande umfasst in Gestalt eines dünnen Streifens, und wo seine Spaltungsflächen in die des Glimmers vollkom- men fortsetzen. Diese Umfassungserscheinungen erinnern an die auch in andern Mineralien beobachteten, an die Uralitbildung, an das Vorkommen von Diallag, von Hyper- sthen, in denen man ebenfalls Umwandlungserscheinungen vor sich hat.
Bei der Anführung von Glimmereinschlüssen in an- deren Silicaten bin ich Blum’s Vorgange gefolgt, so für dergleichen in Haüyn, Mejonit, Sanidin, Topas.
Eben so ist es bei andern geschehen, wie beim Beryll, Strahlstein, Idokras, Nephelin, Turmalin, für welche Blum Glimmer als Einschluss genannt hat, da er sonst auch als Umwandlungserzeugiss derselben angesehen wird. Desglei- chen beim Feldspathe.
Die Mineralien des Granits haben sich nicht überall in derselben Reihenfolge ausgeschieden, so dass der Feld- spath selbst sich erst nach dem Quarze ausgebildet haben kann. Es ist daher nichts Auffälliges, Glimmer als Ein- schluss in Feldspath zu finden. Ich will daher nur einige Beispiele anführen. Breithaupt (Paragen. d. Min., 19) berichtet, dass in den Pegmatolithzwillingen von Elnbogen in Böhmen nicht allein einzelne Schuppen von Glimmer und Körner von Quarz, sondern auch wirkliche Kerne von Granit vorkommen, welcher dasselbe Aussehen besitzt, als der, welcher die Zwillinge umschliesst, — Blum, der
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ausgezeichnete Kenner der Pseudomorphosen, welchem wir auch eine ‚vortreffliche Arbeit über die Einschlüsse in Kry- stallen verdanken (a. a. O.), führt in. derselben ebenfalls Glimmer als Einschluss auf. — Die Orthoklase der Grani- tite von Ilmenau zeigen nach v. Fritsch (a. a. O., 105) auf ihren Spaltflächen zuweilen unregelmässige Faltungen und Knickungen der Lamellen, welche: an die ein- und ausspringenden Winkel der triklinoedrischen Feldspathe er- innern, aber von den Verunreinigungen der Krystalle durch Quarz, Glimmer und‘ Hornblende herzurühren scheinen. Auch in allen Feldspatharten der Porphyre dortiger Gegend sind (ebd., 112) Krystalleinschlüsse von: Magnesiaglimmer und von Quarz nicht selten, während: derartige Beimen- gungen in den 'Quarzkrystallen der Porphyre‘ nicht bemerkt werden.
Häufig dagegen ist der Glimmer durch Umwandlung des Feldspathes entstanden. So in ausgezeichneter "Weise zu Lomnitz bei Hirschberg in:Schlesien. 'G. Rose 'legtc dies von Brücke gefundene Vorkommen: der Deutschen geologischen Gesellschaft vor (Zeitschrift derselben’ 1, 9), fand aber bei Weiss und L. v. Buch lebhaften‘ Wider- spruch gegen diese Deutung der Erscheinung. Dass’ aber doch eine Umwandlung vorliegt, beweisen die chemischen Untersuchungen Kjerulf’s (Nyt magaz. for naturvidensk. VIII, 2, 175) und G. vom Rath’”s (Ann..d. Phys.'u. Chem., XCVIII,: 280).: ‘Wenn gleich dieser Glimmer nach EG. vom Rath eine von der gewöhnlichen abweichende Zusammen- setzung besitzt, so ist es gerade wohl interessant zu'se- hen: dass er sich an den anschliesst, welehen G. vom Rath als Umwandlungserzeugniss des Wernerits von Arendal fand. — Mit dieser Pseudomorphose aus’ Schlesien’ 'ver- gleicht Kenngott (Uebers..d. Result. 'min. 'Forsch."i.'d. Jahren 1856 und 1857, 191)'eine des Orthoklases im’ Gra- nite von Rio de Janeiro in Brasilien. ‘Der Orthoklasi’des lockerkörnigen Gesteines — dessen ' Gemengtheile' ausser jenem grauer Quarz, Muscovit, ein’ grüner chloritischer Glimmer, Ankerit, sehr wenig Apatit und netzförmiger, grü- ner Rutil —’erscheint theilweise deutlich krystallisirt, zeigt aber oft eine Umwandlung in Glimmer,; wie die des’ schle- .
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sischen ‘Minerals, dass er grünlich wird’und Glimmerschüpp- chen enthält. In einem Quarzstücke fand sich ein Ortho- klaskrystall, ganz in grünen Glimmer umgewandelt, so dass er’ die Orthoklasgestalt wie eine dichte Masse ausfüllt, beim Herausschlagen zerbrach und dabei zwei Stücke bildete, deren Theilung wie durch eine gebogene, grosse Spaltungs- fläche bewirkt wurde.
Es dürfte überflüssig sein, noch mehrere Beispiele für die Epigenie des Glimmers aus Feldspath anzuführen, einen Vorgang, welchen Bischof in seinem reichhaltigen Werke genugsam besprochen hat. Wenn ich' auch weit davon entfernt sein muss, das Vorkommen von Glimmer als ur- sprünglicher Bildung in Feldspathkrystallen zu vernachläs- sigen — v. Fritsch giebt (a. a. O., 103) gelegentlich auch an, dass die Blättehen des Magnesiaglimmers im Gra- nitite von Ilmenau nach allen Richtungen nicht nur von mikroskopischen, wasserhellen, nadelförmigen Quarzprismen durchzogen werden, sondern, wie es scheine, hier und da in ähnlicher Weise auch von Feldspathkrystallen — so schien es mir doch nothwendig, meine Ansicht für die Häufigkeit der Zersetzung auszusprechen, nachdem ich (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Ges., XII, 277) auf Wunsch des Herrn Delesse einen Auszug aus einer Arbeit des- selben (Ann. des mines [ö], XVI, 1) über die Pseudomor- phosen geliefert habe, einer Arbeit, in welcher der Ver- fasser einen grossen Theil dessen, was namentlich von deutschen Mineralogen für pseudomorphische Bildung er- klärt wird, für ursprüngliche, lediglich für Einschluss anse- hen zu müssen sich ausspricht. Dahin zählt er besonders auch die Verbindungen des Glimmers mit Feldspath, Au- git, Hornblende, Cordierit, Andalusit, Chiastolith, Disthen, Staurolith u. s. w.
Delesse erklärt (a. a. O., 19): „Lorsqu’un mineral se pr&sente sous une forme qui ne lui appartient pas, il y a ce que j’appellerai pseudomorphisme* — und (24): „Je suis port@ & croire qu'il y avait lieu de faire des suppressions assez nombreuses parmi les mineraux qui sont regard&s comme pseudomorphiques, et surtout parmi les silicates. Les seuls mindraux pseudomorphiques qui deyraient
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ätre conserves sont ceux qui prennent la forme d’un autre et qui de plus sont susceptibles de les remplacer com- pletement.“ Auch (z. B. Bull. de la Soc. ge£olog. de France [2]; XV, 741) weist Delesse darauf hin, dass Andalusit mitunter ganz von Glimmer erfüllt sei, wobei die Blätter des letztern wohl noch bestimmte Lagen annehmen. Um indessen hier das Vorhandensein einer Pseudomorphose anerkannt werden zu lassen, müsse man erst nachweisen, dass ganz in Glimmer umgewandelter Andalusit vorkomme,
Ein Mineral soll pseudomorph sein, wenn es sich unter der Gestalt eines andern darstellt. Es giebt eine be- deutende Zahl von Pseudomorphosen, welche als solche anerkannt sind, selbt wenn der Vorgang noch nicht so weit gediehen ist, dass das stellvertretende Mineral den Raum des ursprünglichen stets bereits vollständig erfüllt, wie die angegebene Forderung lautet, und damit ganz und gar die Gestalt des letzteren nachahme. Im Reiche der Mineralien begegnen wir fortwährenden Wandlungen, und es ist daher wohl mehr als wahrscheinlich, dass man un- endlich häufiger auf solche Gebilde stosse, welche noch in der Umgestaltung begriffen sind. Wenn aber die Bedin- gung gestellt wird, dass überhaupt Fälle bekannt seien, in denen eine vollständige Umwandlung in das neue Mineral Statt gefunden habe, so vermag man deren auch für den Glimmer aufzuweisen.
Für den Glimmer gerade ist es schwer, die Gestalt eines Minerals vollständig anzunehmen, während er bei seinem dünnblättrigen, schmiegsamen Baue viel leichter die Fähigkeit besitzt, sich nur auf Spaltungsflächen, auf feinen Klüften einzuschieben, oder bei verhältnissmässig gleich- zeitiger Ausbildung sich durch die krystallrichtende Kraft einer sich kräftiger zusammenschliessenden Verbindung in bestimmte Lagen zwingen zu lassen. Und dennoch se- hen wir ihn mit kleinblättrigen Massen Räume erfüllen, welche einst von andern Mineralien eingenommen waren,
So ist nur eben angeführt worden, dass nach Kenn- . gott dergleichen im Granite von Rio de Janeiro: vorge- kommen sei. Blum führt (Nachtr. zu d. Pseudomorph. d. Mineralr., 26) Umwandlungserscheinungen des Feldspathes
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aus dem Granite der Gegend von Warrensteinach im Fich- telgebirge an, deren Ergebniss ein ganz reines, sehr fein- schuppiges Gemenge weisslichgrünen Glimmers ist, wäh- rend sonst das Gestein nur wenig Glimmer enthält. Der Feldspath besitzt im Allgemeinen nicht mehr seine gewöhn- liche Frische, sondern zeigt sich mehr matt oder doch nur “wenig glänzend und ist dabei bröcklich. Fast überall ist er mit höchst feinen Glimmerschüppchen gemengt, die sich durch ihren Glanz und grünlichweisse Farbe zu erkennen geben. Dieser Glimmer hat sich nun an vielen Stellen so gehäuft, dass der frühere Feldspath an solchen ganz ver- schwunden ist, und jener theils die krystallinische, theils die Krystallform von diesem zeigt. „Letztere ist scharf und wohl erhalten.“ Die Veränderung beginnt aussen und schreitet von hier nach innen hin vor, so dass rnanchmal noch ein Kern vorhanden, der aus Feldspath besteht, wäh- rend das Aeussere zu Glimmer geworden. Dieser fein- schuppige Zustand des letzteren scheint übrigens nur der des Ueberganges zu dem blättrigen zu sein, denn nicht selten sind solche Massen oder Pseudomorphosen mit Glim- merblättehen bedeckt, die ohne regelmässige Lage noch in jene eindringen, ja selbst mitten in denselben gefunden werden und sich in den schuppigen Glimmer verlaufen. Hat man auch Pseudomorphosen von Glimmer nach Oligklas noch nicht, wenigstens so weit als mir bekannt geworden, aufgeführt, so dürfte doch wohl hin und wieder Glimmer auch durch Umwandlungen im Oligoklase ent- stehen können. Ich will es vorläufig dahin gestellt sein lassen, wie es sich mit einem Vorkommen verhalte, wel- ches ich ebenfalls wieder aus der Beschreibung der ilme- nauer Granitite durch v. Fritsch (a. a. O., 116) entnehme. Es treten darunter zuweilen Lagermassen untergeordnet auf, welche Cotta (N. Jahrb. £. Min., 1848, 131) für; Bruch- stücke älteren Gesteins erklärt. Sie bestehen aus einem kleinkörnigen Gemenge, in dem Magnesiaglimmer, zuweilen auch Hornblende, vorwaltet, und einer Feldspathart, meist Oligoklas. Dieser bildet oft gewissermassen das Bindemit- tel für die Glimmerschüppchen, und wie bei manchen Sand- steinen mit krystallinischem Bindemittel bemerkt man
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manchmal ganz von Glimmer durchschwärmte, in gewissen Lagen gleichzeitig Licht reflektirende Feldspathflächen. Oft aber sind minder verunreinigte Oligoklaskrystalle porphyr- artig in der schwarzen Masse eingebettet. In der That mag hier am Ende wohl nur ein Einschluss vorliegen, wie wir den Glimmer auch als solchen in Albit kennen, indem der- gleichen z. B. von G. Rose (Min.-geognost. Reise nach d. Ural, I. 449) und von Blum (a. a. O., 36) angegeben wird, dort aus dem Granite von Mursinsk, hier in Zwillingskry- stallen des Albits aus Gängen im Gneisse des Zillerthals in Tyrol. Ich möchte aber noch daran erinnern, dass bei der Beschreibung des Protogingranits der Alpen Delesse (Bull. de la Soc. geolog. de France [2], VI, 240) bemerkt, dass, während der Orthoklas fast immer unverändert seine graulichweisse Farbe bewahre, der Oligoklas bald milch- weiss, bald smaragdgrün, bald graugrün erscheine. Es sei leicht zu erkennen, dass diese grünen Färbungen von ein- geschalteten Talkblättchen herrühren, welche die Krystalle innigst durchdringen. Diese Blättchen liegen der Zwillings- ebene und somit den von der Zwillingsbildung herrühren- den Reifen parallel. Auch im Feldspathe des Euphotids vom Mont Genevre und dem damit verbundenen Diallage beobachtete Delesse Aehnliches.
Was den Idokras anbelangt, so führt ihn Blum (Nachtr. zu d. Pseudomorph. des Mineralr., 29) unter den- jenigen Mineralien auf, aus denen Glimmer durch Umwand- lungen hervorgehen könne, wenngleich er auch nicht wirk- liche Pseudomorphosen danach bilde Wenn aber that- sächlich ein Mineral in einem andern eingeschlossen er- scheint, aus dessen Bestandtheilen es erzeugt werden konnte, warum ist es denn nicht pseudomorph, mag es auch in seinen, gegen das Ganze kleinen Individuen die ihm eigene Gestalt zeigen. Führt doch Blum von der Beschrei- bung der in Rede stehenden Idokrase, um ein Beispiel an- zuführen, Pseudomorphosen von Gypsspath nach Kalkspath vom Schafbreiter Grubenreviere bei Eisleben auf, Rhom- boeder, welche ihrer ganzen Masse nach aus einem höchst feinen Aggregate von Gypspath bestehen. Auch der be- kannte Schaumkalk von Oberwiederstädt bei Hettstädt ge-
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hört hierher. Dass in dergleichen Massen eine vollstän- dige Ersetzung der ursprünglich den Raum ausfüllenden Massen durch ein Aggregat ganz kleiner Krystalle anderer Mineralien Statt gefunden habe und nicht nur eine theil- weise, ist eine rein zufällige Erscheinung. Uebrigens 'sol- len die betreffenden Idokraskrystalle sich nicht am Mon- zoni finden, wie Blum angegeben, sondern, nach Liebener und Vorhauser (D. Mineral. Tirols, 142) in dem Canza- coli bei Predazzo.
Während so Glimmer als Umwandlungsproduet aus Idokras auftritt, scheint er zum Granat nicht in dieser Ver- wandtschaft zu stehen, obwohl dieser zu Chlorit werden kann. ‘Wohl hat man Glimmer im Granat eingeschlossen gefunden, wie mehrfache Angaben beweisen, z. B. von Trolle-Wachtmeister (Ann. d. Phys. u. Chem,, II, 9), v. Kobell, (Schweigger, Journ. f. Chem., LXIV, 289), Bischof (a. a O., U. 1393), Blum (Naturkund. Verhand,, 41), Seyfert und Söchting (ebend. 223); aber es ist dabei nirgends gesagt, dass andere, dabei vorkommende Erscheinungen ein weiteres Angegriffensein des Granats bekunden. Diese Nichtumwandlung des Granats in Glimmer, selbst in Glimmerschiefer, verdient wohl beachtet zu werden.
Im Gegentheil finden sich auch Granaten als Ein- schluss in Glimmer. Tyson berichtete (American journ. of sc., XVIII, 79), dass unweit Baltimore im Granit keilför- mige Massen von Glimmer vorkommen, welche grosse Mengen schöner Granaten einschliessen, von denen die meisten zwischen den Glimmernblättern zu dünnen Täfel- chen zusammengedrückt scheinen, manche nicht stärker als gutes Schreibpapier. Bekannt sind die grossen Glim- merblätter aus New-Hampshire, welche bis zu äusserster Dünne zusammengedrückte Granaten enthalten, und über welche unter andern Bischof (a. a. O., 1392) schreibt, indem er aus diesem Verhalten einen Schluss gegen die pyrogene Natur des Glimmers zieht. Der Granat zeigt übrigens jeden Falls eine bedeutende Schmiegsamkeit, sich in dieser Weise dem Glimmer einzufügen. Eine hier min- destens in Erinnerung zu bringende Erscheinung ist von Chapman (London, Edinb. and Dublin philos. magaz. and
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journ. of sec. [4], III, 141) berichtet, nämlich ein kleiner Gra- natkrystall aus dem Zillerthale mit falschem Blätter- durchgange, entsprechend den Theilungsflächen des umge- benden Glimmerschiefers, ähnlich wie Breithaupt (Paragen. d. Min., 11) ein grosses in Chlorit gehülltes Dodekaeder von Fahlun anführt, welches beim Schiefrigwerden der als Grundmasse gedient habenden Bergart zum Theile verscho- ben und doch wieder fest verwachsen ist. — Um aber nochmals auf das paragenetische Verhalten zwischen Glim- mer und Granat zurückzukommen, so hebt Scheerer (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch., IV, 39) es als einen beachtenswerthen Umstand hervor, dass in den von ihm daselbst geschilderten, metamorphischen Gebilden Nor- wegens, welche Granat führen, doch weder im veränderten Thonschiefer, noch im Marmor sich eine Spur von Glim- mer zeigt. Wolle man diesen als Contactproduct finden, so dürfe man ihn nicht in derjenigen Abtheilung des me- tamorphosischen Thonschiefergebietes suchen, welche durch ihren Kalkgehalt zur Granatbildung Veranlassung gegeben habe, Granat und Glimmer schienen einander zu hassen.
In G@limmer von Haddam in Connecticut, der Berliner Sammlung angehörig, sah ich (Zeitschr. f. d. gesammt. Na- turwiss., IV, 13) Granat und Turmalin zugleich eingewach- sen, stark plattgedrückt, aber doch noch körnig, während sie in einer Tafel Glimmers von unbekanntem Fundorte, welche die Freiberger Sammlung aufbewahrt, zu der Dünne der Glimmerblätter zurückgebracht waren
Was das Vorkommen von Turmalin allein in Glimmer betrifft, so hat sich solcher, nach Seyfert und Söch- ting (a. a. O., 206), weiss und grün oder grün mit weis- sem Kerne nach den sechsseitigen Tafeln grossblättrigen Glimmers gefunden. Am Bekanntesten ist das Vorkommen ganz dünn gestreckten Turmalins in Glimmer von Haddam in Connecticut; man sehe unter andern Bischof (a.a. O., 1393). Die interessantesten, eingehendsten, mikroskopi- schen Untersuchungen aber verdankt man Brewster (Transact. of the Royal Soc. of Edinb., XX, 547 ff.). Da- nach liegt der Turmalin zwar zwischen den Glimmerblättern, ist aber aus dem Inhalte unzähliger, kleiner Höhlungen
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entstanden, welche jetzt leer im Glimmer zu sehen sind. Bischof bemerkt (ebend., 1395): „Wie im Glimmer mit Granaten, zeigen sich auch im Glimmer mit Turmalin graue, wolkige und büschelartige Zeichnungen mit den feinsten Li- nien, welche nicht von Salzsäure angegriffen werden; nur die Ueberzüge von Eisenoxydhydrat werden aufgelöst. Soll- ten diese Zeichnungen aus Turmalinsubstanz bestehen, welche nach der Bildung des Glimmers von Gewässern ab- gesetzt worden ist?“
Weit häufiger findet man Glimmer auf und in Turma- lin, und ist da jener sehr häufig aus diesem entstanden, wie z. B. auch von Rammelsberg anerkannt worden ist. Man hat auch Vorkommnisse entdeckt, welche der von De- lesse beim Andalusite gestellten Forderung genügen; ich verweise daher auf das, was Blum (D. Pseudomorph. d. Mi- neralr. 94) darüber zusammengestellt hat, ferner auf Bi- schof (a. a. O., U, 437 und 1428).
Was aber von der gegenseitigen Ausschliessung zwi- schen Glimmer und Granat gesagt war, findet sich in ge- wisser Weise auch zwischen Glimmer und Turmalin. Im Schörlgranite vertritt letzterer erstern. Dies Gestein scheint im Allgemeinen nur an den Rändern der Granitmassive vorzukommen. So auch an den Grenzen des Dartmoorgra- nits gegen die Schiefer. Wenn nun aber auch im Innern desselben sich Schörlgranit gefunden hat, so sucht de la Beche (a. a. O., 157) dies durch die Annahme zu erklä- ren, dass die einst darüber liegenden Schiefer hier wegge- führt worden seien. Man könne einen vollständigen Ueber- gang erkennen zwischen dem Gemenge von Schörl und Quarz, gewöhnlich Schörlfels genannt, und dem gewöhn- lichen Granite. Der Glimmer verschwindet gewöhnlich, wie der Schörl zunimmt; zuweilen jedoch, wenn auch nicht sehr gewöhnlich über enge Grenzen hinaus, sei der Granit ein fast gleichmässiges Gemenge von Glimmer, Schörl, Feld- spath und Quarz.
Auch vom Augit sagt Delesse, dass er zwar häu- fig vom Glimmer durchdrungen, aber nicht in solchen pseu- domorphosirt sei, In der That führt auch Blum (Pseu- domorph. d. Mineralr,, Nachtr., 30) unter Vorkommnissen,
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bei denen nicht von wirklichen Pseudomorphosen die Rede sei, sondern nur von Erscheinungen, die darauf hinweisen, dass aus Mineralien Glimmer nachträglich gebildet werden könne, Augit in''der Varietät des Fassaits an. Die Umwand- lung ist stellenweise so weit gegangen, dass wahre Ge- menge der augitischen Masse mit dem Glimmer 'erschei- nen, in denen letzterer mitunter so die Oberhand gewinnt, dass er jene fast ganz verdrängt. Ich kann aber hiernach eben keinen Unterschied sehen zwischen diesem Vorkom- men und den von Blum selbst‘ beschriebenen Pseudomor- phosen von Glimmer nach Andalusit, nach Wernerit u. s.w.— Bischof leitet (a. a. O., II, 1413) in den Basaltblöcken mit Glimmer im Laacher See den Glimmer von einer Um- wandlung des Augits her, wie in vielen andern augitischen Gesteinen, wenngleich, wie er schreibt (ebend., 1422), Blum darin eigentliche Pseudomorphosen aufzufinden meint.» Je- denfalls aber liegt den Verbindungen von Glimmer; mit Augit der Grundbegriff der Pseudomorphose ausserordent- lich nahe. — Kjerulf (Nyt magaz. f. naturvidensk., VII], 2, 173) analysirte Glimmer aus einem Lavablocke der Eifel, in welchem er in schlecht. krystallisirte Augite gemengt war und wohl als Zersetzungsproduct derselben erschien. Kjerulf fügt bei, die Glimmerkrystalle hätten einen sechs- seitigen Kern enthalten, dessen Begrenzungen denen des Krystalläussern entsprachen, und in deren Mitte man sehr kleine, farblose, durchsichtige Körner von Quarz oder dun- kelgefärbte erblickt habe, welche letztere Augit zu sein schienen; der Augit habe ja auch bei dieser Umwandlung Kieselsäure abgeben müssen. Eine solehe Vermuthung hält indessen Kenngott (Uebers. d. Result. min. Forsch. im Jahre 1855, 46) für gewagt, da eine Umwandlung des Au- gits in Glimmer, wobei der Glimmer eine andere Gestalt annimmt, unmöglich ausgeschiedene Quarzkörner und ‘un- veränderten Augit in der Mitte enthalten könne, da‘ be. kanntlich die Krystallbildung allgemein vonder Mitte ‚aus- gehe, und dergleichen Ausscheidungen sich gewiss nicht in die Mitte zurückziehen werden.
Aehnlich verhält es sich mit dem Glimmer, der Horn- blende gegenüber. Er bedeckt zunächst oft nur, deren
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‚Oberfläche. ; Am .Grünsteinfelsen bei Boston sah Fergus (Amer. journ.: of sc. [2]; VI, 425) die seit langer Zeit dem Wetter: ausgesetzt gewesene Oberfläche der Hornblende- krystalle mit Glimmerschüppchen bedeckt, während das In- nere nur aus Hornblende bestand, — Bischof sagt (a.a. O., II, 870) zwar, man \habe' eigentliche Pseudomorphosen von Glimmer nach Hornblende noch nicht gefunden, aber er führt nicht nur von: Weibye,. sondern auch von ihm selbst beobachtete Vorkommnisse an, welche die Umwand- lung’ der Hornblende in Glimmer beweisen. Blum be- schreibt‘ (Pseudomorph. d. Mineralr., Nachtr. Il, 32) ‚von dem: Thonschiefer vieler Gegenden des: sächsischen Erzge- birges und Voigtlandes, den: sogenannten: Fleck-, Knoten-, Garben- oder Fruchtschiefern, ‚die darin enthaltenen Con- ‚eretionen als ‚aus Hornblende entstandenen Glimmer.ı — ‚Ueber die Hornblendei des Granitits von Ilmenau schreibt v.Fritsch (a. a. 0.,'104), sie: sei in manchem sehr häufig, lasse sich oft als Stellvertreter des Magnesiaglimmers be- trachten,, ‘da glimmerreiche Granitite arm an: Hornblende seien, und umgekehrt. Kleine Titanit-Krystalle — viel- leicht beruht der Titansäuregehalt mancher Hornblende nur auf solchem Einschluss‘von Titanit oder auch von Titan- eisen, wie auch letzteren bereits Kudernatsch (Annal.d. Phys.:u: Chem., XXXVII, 587) als Ursache vermuthet hat gleichwie ihr Magnetismus auf die Beimengung von Malnet- eisen’ — auch wohl Glimmerblättchen, würden zuweilen wohl’vöon der Hornblende eingeschlossen. Der Magnesia- glimmer schien! aber als Zersetzungsprodukt derselben be- trachtet ‘werden zu müssen, indem’ er in frischer Horn- blende unbekannt. sei, während in zersetzten zwischen La- mellen und Nadeln: von verwittertem’ ' Amphibol zahllose Schüppchen dieses Glimmers auftreten.
Es ist bereits oben ‚beigebracht ,' welche Forderung Delesse früher gestellt habe, um eine Pseudomorphose von Glimmer naeh Andalusit anerkennen zu können. In der neuern Arbeit führt er als Einschluss in Glimmer An- dalusit auf, daneben Pyroxen, Amphibol, Epidot, Jolit, Feldspathe, Staurolith, Disthen, Turmalin. Mir sind, abgese- hen von den erwähnten Vorkommnissen von Granat, Turmalin,
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Feldspath, keine derartigen Einschlüsse bekannt geworden, und ich kann doch kaum glauben, dass Delesse etwas derart meine, dass da, wo Glimmer fremde Krystallgestalten, z.B. des Andalusits, bis auf geringe Ueberbleibsel dieser Mineralien erfüllt hat, diese Ueberbleibsel Einschlüsse in Glimmer seien. Gerade bei Andalusit hat Blum (Pseudomorph. d. Mi- neralr., 91 und Nachtr., 24) Beispiele beschrieben, in denen der Glimmer das Grundminera! bis zum völligen Verschwin- den verdrängt hat. Aehnliche Erscheinungen zeigen sich mehr oder minder stark an vielen Andalusiten. Der Glim- mer zeigt sich, wenn nicht tiefer eindringend, doch auf der Oberfläche, zumal an zersetzten Stellen. Ein entscheiden- des Beispiel für eine weit spätere Geburt des Glimmers dürfte wohl das sein, welches die Andalusite des Dillen- berges, im Egerer Kreise Böhmens, darbieten, indem sie nach Joke&ly (Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst., VII, 483) in Quarzausscheidungen des granatenreichen Glimmerschiefers bei bedeutender Grösse, sechs bis sieben Zoll lang, oft ge- bogen und zerbrochen ‚und mit weissem Glimmer bekleidet sind. Die Verkittung der Bruchstücke ist durch Quarz er- folgt. Fragmente und ganze Krystalle bilden oft wahre Brececien, in denen als Cäment auch Glimmer erscheint. Ausserdem finden sich daselbst auch Pseudomorphosen ei- nes steatitischen Minerals nach Andalusit. Kann man nun wohl hier etwas anderes annehmen: als dass die Andalu- site bereits vorhanden gewesen seien, bevor das umge- bende Gestein zu dem wurde, was es jetzt ist, dass der Glimmerüberzug, hier wie anderwärts, ein nachträglicher seit Roth*), welcher dergleichen Andalusite von Lisens ebenfalls untersuchte (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch., VII, 15) fand auf seiner Oberfläche und im Innern grosse Blätter weissen Glimmers und übrigens eine völlige Um- wandlung in grauen Cyanit. Der Alkaligehalt betrug fast
*) Blum schreibt, die Pseudomorphosen von Lisens finden sich grobkörnig im Granite, dagegen geben Liebener und Vorhauser (a. a. O., 9) starke Quarzadern des Glimmerschiefers als Fundstelle an, in denen die Umwandlungen des Minerals in Cyanit, Glimmer und Stea- tit sehr zahlreich seien, so dass sie, besonders aber letztere, öfter auf- treten als der ächte Andalusit.
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neun Procent. Die Spaltbarkeit, und somit die Lagenbil- dnng, des Andalusits ist zu wenig entwickelt, als dass er grosse Neigung haben sollte,. fremde Körper regelmässig geordnet in sich aufzunehmen, oder fremden Stoffen den Ein- tritt auf Spaltöffnungen leicht zu machen. Auch ist seine chemische Zusammensetzung eine zu einfache, als dass man alle basische Bestandtheile, ausser Thonerde für un- zugehörig erhlären sollte. Ich kann überhaupt der Annahme „zufälliger Bestandtheile“ nur eine beschränkte Giltigkeit zugestehen, indem es mir vielmehr scheint, als habe man bei einmal bestimmter Zusammensetzung mit Einreihung einiger „isomorpher“* Stoffe es sonst nur mit ganzen, frem- den, eingemengten Mineralien, oder mit später eingeführten Umwandlungsmitteln zu thun. — Roth gedenkt (ebend., 297) auch umgewandelten Andalusits aus dem Glimmer- schiefer von Goldenstein in Mähren, woselbst auch gebro- chene Staurolithe vorkämen. — Gebrochene Andalusite sollen nach Hugo Müller (Correspondenzbl. d. Zool.-mi- neral. Ver. in Regensburg, VI, 45) in einem Gneissglim- merschiefer in der Gegend von Tirschenreuth in Baiern vorkommen.
Delesse spricht sich (in der mehrgenannten Ab- handlung, 37) dahin aus, dass bei nahezu gleicher Zu- sammensetzung die Entwickelung und der gegenseitige Ein- schluss zweier Mineralien sich durch gleichzeitige Krystal- lisation erkläre. So sei es mit Andalusit und Glimmer, denn, sei ihre Zusammensetzung auch verschieden, so ent- hielten sie doch Kieselsäure und Thonerde in nahezu dem- selben Verhältnisse. Dies gelte auch für die hauptsächlich- sten Mineralien, welche man häufig von Glimmer durch- drungen finde. Diese Erklärung dürfte indessen kaum zureichen, dieser Erscheinung zu genügen. Es giebt genug Fälle, in denen das verlangte Merkmal vollständiger Aus- füllung der fremden Gestalt durch Glimmer vorhanden ist, wie es, um nur ein Beispiel anzuführen, bereits vor langer Zeit (v. Leonhard’s Zeitschr. f. Min., 1828, 685) von Blum für Pinit nachgewiesen worden ist, Die Umwandlungsfä- higkeit des Cordierits und der aus ihm abgeleiteten Mine- ralien ist eine zu allgemein anerkannte, und äusserte sich
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G. Rose (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch., I, 357) dahin, dass er nie frischen Cordierit in den Gesteinen der Granitgruppe gesehen habe. Ein Näheres behalte ich mir für eine ausführlichere Arbeit über die Pseudomorphosen vor, mit welcher ich beschäftigt bin.
Eines Umstandes indessen will ich nicht versäumen zu gedenken, dem man noch nicht die rechte Aufmerksam- keit geschenkt zu haben scheint. Es ist der, dass sich eine nicht geringe Zahl der Mineralien, welchen man Glimmer auf- oder auch einliegend beobachtet hat, sich nicht als ausgebildete Krystalle, sondern jetzt an deren Stelle als Bruchstücke im Gesteine finden. Sie müssen demnach frü- her fest geworden sein als dieses. Die Skapolithe von Arendal sind, wie auch G. vom Rath (a. a: O., XC, 96) hervorhebt, an den Enden meist zerbrochen, oft auch ge- bogen. Derselbe beschreibt (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch., IX, 220) ein eigenthümliches Gneissgestein aus dem Berninägebirge, in welchem, parallel den Glimmerbän- dern, kleine, nadeldicke Turmalinkrystalle liegen, sämmtlich gebrochen, die Stücke in der Richtung der Streckung aus- einandergerückt. Breithaupt bespricht (Paragen. .d. Min., 56) die in Quarz eingewachsenen und häufig zerbrochenen Turmalinkrystalle. Auch in einem ungewöhnlich stark wel- lenförmig gebogenen Glimmerschiefer habe er zerknickte Turmalinkrystalle wahrgenommen. Im British Museum be- merkte ich (Zeitschr. f. d. ges. Naturwiss., VI, 366) seinen langen und starken Turmalinkrystall, eingewachsen im grü- nen Chloritschiefer mit Granaten von Salzburg, aber gebro- chen, die Sprünge durch Chloritschiefermasse wieder ver- kittet. Aehnliches führen an Liebner und Vorhauser (a. a. O., 280) aus dem Chloritschiefer des Pfitschthales und (ebend., 281) aus einem Hornblendegesteine von Sterzing. Dieselben berichten ferner (ebend., 172), dass im Glimmer- schiefer des Langtaufererthales der Cyanit oft in gekrümm- ten Massen auftrete. Auch der Disthen von Boharm in Schottland, wo er in Quarz liegt, zeigt nach Mac Culloch (Transact. of the Geolog. Soc. I, 431) mitunter gebogene und. wellenförmige Krystalle. In Glimmerschiefer' aus der Gruppe des sulzbacher Venedigers in Tirol vorkommende,
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bis zwei Zoll lange Zoisitkrystalle zeigen, wieF.v. Hauer (Haidinger’s Bericht über Mittheil. v. Freunden d. Naturwiss. in Wien, II, 194) angiebt, an allen Stücken die Seitenstücken abgebrochen. Mohs meldet (Min. Kabinet d. Herrn v.d. Null, I, 495) von schwärzlichgrünen Krystallen gemeiner Hornblende von Horn bei Wien, welche, ein wenig krumm gebogen, büschelförmig zusammengehäuft in Glimmerschie- fer eingewachsen sind. Delesse schreibt (Annal. des min., [5], VII, 762) von gneissartigen, hornblendeführendem Pro- togin von der Südseite des St. Gotthards, dassin gewissen Fällen die zum Aktinote gehörigen Krystalle, welche der Schieferung parallel zu liegen pflegen, nach der letztern in Stücke gerissen seien. Nach v. Zepharovich (Min. Lex. f. d. Kaiserthum Oesterr., 114) finden sich am Schin- derhügel bei Mariendorf in Mähren tafelartige, jedoch ge- wöhnlich zertrümmerte Chrysoberylikrystalle. Selbst des Glimmers ist hier zu gedenken, indem Scharff (Abhandl., herausgeg. v. d. Senckenberg. naturf. Gesellsch., I, 293) Glimmer von Kainsbuch im Odenwalde als durch Quarz zer- rissen anführt.
Ich könnte noch eine ganze Reihe von Beispielen bei- bringen, aus denen hervorgeht, dass dies Schicksal der Bie- gung oder der Brechung viele Krystalle betroffen hat, wel- ‚che abnormen Gesteinen, metamorphischen Schiefergebilden und Kalken und Gangformationen angehören. Ein nicht un- beträchtlicher Theil dieser Mineralien zeigt, wie gesagt, Glimmer auf- oder eingelagert. Letzterer wird demnach wohl nur als ein jüngeres Gebilde angesehen werden können, zumal da, wo er sich in schiefrigen Gesteinen eingefunden hat, in Gesteinen, bei deren Neugestaltung, die nun wohl, mindestens theilweise, für älter anzusehende Mineralien ge- dehnt, gebogen, zerrissen wurden, wie man Aehnliches auch an Versteinerungen sieht, so dass sogar Haughton (Lond., Edinb. and Dublin philos. magaz. and journ- of sc., [4], VII, 403) versuchen konnte, die Gesetze der Verdrückungen der ‘ Versteinerungen durch die Ausbildung der Schieferung mathe- matisch zu entwickeln. Hätte man danach jene Mineralien für älter zu halten, als die Glimmer- und Chloritbildung der Schie- fer und anderer krystallinischer Gesteine, so würde daraus fol-
XXI. 1863, 4
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gen, dass .Glimmer, :Chlorit, Talk und Aehnliches nach und in ihnen nur Umwandlungserzeugnisse sein, z. B. durch neue Zersetzungen, als wie die in diesen Gesteinen erst ‚selbst zur Ausbildung gelangt gewesenen Krystallmassen.
Sonach gewinnt es den sicheren Anschein, als ob der Glimmer, welcher sich in der mehrbesprochenen Weise auf oder in den fraglichen Mineralien findet, nur durch Um- wandlung der letzteren entstanden sei, und bliebe es nur übrig, zu entscheiden, ob man dieser Verbindung den Na- men Pseudomorphose geben wolle, oder nicht. Es dünkt mich aber, dass man kein Recht habe, ihr demselben vor- zuenthalten, sobald man denselben andern Vorkommnissen beilegt, in welchen der Raum, den ein, nenne man es im- merhin so, ursprüngliches Mineral eingenommen hatte, jetzt, sei es selbst nicht völlig, von einemiandern Minerale erfüllt ist, möge dieses nun unmittelbar aus jenem hervorgegan- gen, oder aus ganz fremden Stoffen an Stelle des auf ir- send eine Weise entfernten Urwohners abgelagert worden sein. Das Recht der Einschlüsse verletzen zu wollen, bin ich natürlich, nachdem ich ihnen so lange meine Aufmerk- samkeit gezollt habe, weit entfernt.
Bemerkungen zu den Arten der Gattung Pimpla bei Durchsicht der Gravenhorst’schen Typen von
E., 1, Taschenberg.
Welche Schwierigkeiten damit verknüpft sind, bei Be- stimmung der Schlupfwespen nach dem bisher noch immer einzigen Werke von Gravenhorst „Ichneumonologia euro- paea Vratisl. 1829“ durchzukommen, ist den Hymenoptero- logen hinreichend bekannt. Der Grund hiervon liegt einmal darin, dass die immer allgemeiner in neueren entomologi- schen Werken eingeführte, das Auffinden eines Insekts un- gemein erleichternde analytische Methode dort gänzlich vermisst wird, und sodann in dem zweiten Uebelstande, dass Gravenhorst, dessen Arbeit eine ganz enorme war,
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das Haüptgewicht bei der Unterscheidung der Arten auf die Farben legt, die Farben, welche sehr veränderlich bei ein und derselben Species und umgekehrt wieder so über- einstimmend bei verschiedenen Arten sind, dass Irrthümer und Unsicherheit unvermeidlich werden. Wesmael hat dies in seiner Bearbeitung der Gattung Ichneumon und der nächsten Verwandten in den Bulletins der königl. Belgischen Akademie zur Genüge nachgewiesen.
In der Absicht, die Familie der Pimplariae einmal gründ- lich vorzunehmen, schien es mir von grosser Wichtigkeit, die Typen der Gravenhorst'schen Sammlung, welche der Breslauer Universität geschenkt wurde, durch Autopsie ver- gleichen zu können. Durch die dankenswerthe Zuvorkom- menheit des Herrn Professor Grube wurde mir die Gele- genheit dazu geboten. Ich habe eine Suite der genannten Sammlung vor mir, dessen Hauptinhalt in der 'Gattung Pimpla besteht. Leider haben Schimmel und in noch ge- fährlicherer Weise Anthrenenlarven manches Stück in einen unbrauchbaren Zustand versetzt, und darum dürfte es um so gerechtfertigter erscheinen, wenn vor dem weiteren Un- tergange die Thiere auf andere Merkmale angesehen wür- den, als Gravenhorst in seinem unsterblichen Werke an- giebt.
Im Nachstehenden sollen die einzelnen Arten nach den Merkmalen besprochen und angeordnet werden, auf welche Holmgren in seiner neuesten Arbeit !) Rücksicht nimmt, und die mir glücklich gewählt zu sein scheinen. Sie werden sich aus den folgenden Mittheilungen von selbst ergeben, zu denen wir nun übergehen mit Angabe der Stückzahl in der Sammlung Gravenhorsts. Bemerkt sei noch, dass bei der Längenangabe des Bohrers immer nur das über die Leibesspitze hinausragende Ende gemessen wurde, weil sich dieses Stück in allen Fällen an getrockneten Exemplaren sicherer messen lässt als die noch übrige im Hinterleibe verborgene Basis. Die Bezeich- nung: Bohrerlänge, die somit nicht richtig ist, mag trotz-
!) Försök till uppställning:och beskrifning af sveriges Ichneumoni- der 3. Serien. Fam. Pimplariae af Aug. Emil Holmgren, in Kong- liga Svenska Vetenskaps -Akademiens Handlingar. Ny följd III. 2. 1860.
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dem der Kürze wegen eingeführt werden, und kann jetzt zu weiteren Missverständnissen keinen Anlass geben.
I. Luftlöcher des Hinterrückens länglich oder eiförmig und deshalb leicht kenntlich. Innerer Quernerv (nerv. transversus analis) der Hinterflügel über seiner Mitte gebrochen.
1. Die Klauen @ am Grunde nicht lappig erweitert. Fühler, ausser bei der ersten Art, schlank, ihre Glie- der in der ersten Hälfte der Geisel am Ende schwach geschwollen.
P. flavicans no 749. Eine wegen des durchaus glän- zenden, nicht punktirten, lehmgelben Körpers kaum zu ver- kennende Art. Die 3 vordern Felder des Hinterrückens deutlich, das mittelste quadratisch. Erstes Segment des Hinterleibes scharf gekielt, zwischen den Kielen fast bis zur Spitze ausgehöhlt. Glieder der Fühlergeisel vollkommen cylindrisch. Beine kräftig, vorletztes Glied der Hintertar- sen kaum halb so lang als das letzte. Lg. 12, 5==, Hin- terleib 7, 5, Bohrer 3, 75m,
P. instigator no 103 /’Q Hinterrücken ohne Felder, rauh, im vordern Theile deutlich querrissig. Brustseiten stark punktirt; Stirn ausgehöhlt mit Mittelfurche und (2) quer na- delrissig bis zur Fühlerwurzel. Hinterende des ersten Hin- terleibssegments ungekielt. Vorletztes Glied der Hintertar- sen fast nur!/, des letzten Gliedes. Lg. 17==, Hinterl. 9,75, Bohrer 4um (seine wahre Länge 8um), |
P. illecebrator no 104 59. Ganz wie vorige Art, das Q aber noch kräftiger, sein Hinterrücken lederartig, mit kei- ner Spur von Querrunzeln, die Stirn nur in ihrem obern 2); quer nadelrissig, vor den Fühlern polirt. Beim J die Ta- ster schwarz und das Flügelschüppchen bleich hornbraun, während beide Theile bei dem „' der vorigen Art gelb aus- sehen. Lg. 18m, Hinterl. 11, Bohrer über 8%®2 (seine wirk- liche Lg. fast 12, 5).
P. examinator no 99. Ausser der Färbung wie P. in- stigator, aber die Punktirung ‚des Körpers weniger grob, das ganze Thier minder robust. Vorletztes Hintertarsen- glied beinahe nur °/; von der Länge des letzten. Lg. fast 11, 5”®, ‘Hinterl. 7, Bohrer 3””,
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Var. 1. 59 gehört schwerlich dazu: Stirn ohne Längsfurche und Querrisse, vollkommen polirt, Brustsei- ten sehr glänzend, ohne Punktirung; bei der Vergrösse- rung, die überall angewandt wurde, erscheint der Hinter- rücken vorn sehr fein punctirt, sein abschüssiger Theil po- lirt. Erstes Segment, von der Seite gesehen, in der Mitte nicht höckerig erhaben, sondern flach gerundet, nur an der Wurzel ausgehöhlt. Bloss Fühlerbildung und Färbung der Hinterschienen stimmen mit der Stammart. Beim 9 Hin- terhüften und die vordersten an den Spitzen, so wie alle Schenkelringe roth. Lg. 6"", Hinterl. 3, 75, Bohrer 1, 33", Beim 5 alle Hüften schwarz, alle Schenkelringe roth, sonst der Stammart näher stehend.
Var. 2. 0 ist auf ein Glimmerplättchen aufgeklebt und so, dass sich nicht viel sehen lässt, vor Allem bleiben die Luftlöcher des Hinterrückens unkenntlich. Ich enthalte mich daher jedes Urtheils darüber.
P. spuria no 88. @ :Ich kann keinen Unterschied zwi- schen dieser und der folgenden Art wahrnehmen, selbst nicht in der Färbung, es sei denn, dass hier der helle Ring vor der Hinterschienenbasis verwischter ist, als dort, wie in var. 2. der folgenden Art. Das Exemplar ist etwas klei- ner. Meiner Ansicht nach muss dieser Name also wegfal- len und die Art mit P. turionellae vereinigt werden.
P. turionellae no. 93 52. Stirn ausgehöhlt, verwischt querrissig. Fühler wie bei P. instigator, aber an der Spitze etwas feiner. Mittelrücken sehr fein, aber doch deutlich punktirt, Seiten der Brust polirt, dabei verwischt punktirt. Hinterrücken gröber punktirt, aber doch glänzend, 2 un- vollkommene Längsleisten deuten ein mittleres Feld an, und eine mehr oder weniger scharfe Bogenlinie grenzt den abschüssigen vom vordern Theile ab; jener ist in der Mitte polirt, nur an den Seitenrändern matter und rauher. Hin- terleib deutlicher punktirt als alle übrigen Theile, mit glän- zenden, nicht erhabenen Hinterrändern der Segmente. Seg- ‘ ment 1 vorn schwach gehöhlt, in der Hinterhälfte gerundet und kiellos. Vorletztes Hintertarsenglied in der Länge et- was unter !/, des letzten. Lg. 10, 5mm, Hinterl. kaum 6, 5, Bohrer 2, 75”®, Beim f Segment 1 gestreckt, flach, fast rechteckig, ganz vorn tief ausgehöhlt.
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var. 19, var: 2 9, var. 3 d'Q geben zu keiner weitern Bemerkung Anlass.
2. Klauen Q@ am Grunde: in einen, zipfelartigen Lappen
erweitert,, Fühlerglieder vollkommen cylindrisch.
P. rufata no. 82 2. Hinterrücken. glänzend, mit ein-. zelnen groben Punkteindrücken und 2 nach hinten diver- girenden Mittelleisten als; einzige Andeutung von Feldern, Erstes, Segment. mit 2 Leisten, zwischen denen sich, aber an der hintern Hälfte keine Aushöhlung findet, so dass: diese auf. dem Rücken flach: erscheint. Brustseiten polirt. Die gelben Zeichnungen am Thorax, besonders die- beiden Längslinien des: Rückens, zu hakenartigen Zeichnun- gen mit den Linien am Vorderrande verbunden, herrschen. hier vor. Bei dem 9, welches: als: var. 1 bezeichnet ist, fehlen sie; es steckt auf der Puppenhülse von Zerene gros- sulariata.. Das Q der Stammart ist besonders klein: 6", Hinterl. kaum 4", Bohrer 1,25, dagegen Jd’ 11"; ihm feh-. len, die beiden gelben Rückenlinien. \
P. varicornisi no. 83 d' (mit zwei undeutlich gelben Rückenlinien), © (ohne Hinterleib) und var. 1} € mit: ganz, schwarzem Thorax. Diese, Art unterscheidet sich von. der; vorigen. durch das, erste Segment des Hinterleibes, welches; bis zur Spitze zwischen den Kielen muldenartig- ausgehöhltist. Die gelbe. Zeichnung am; Thorax weni- ger ausgebreitet, das. gelbe Gesicht beim d* mit schwarzer Mittellinie, die, weissen, Ringe. der Hinterschienen: wenig: ausgeprägt.
Ich. muss: hierbei eine Namenverwechselung in Hio)lm-' gren’s oben erwähnter Arbeit berichtigen. Der genannte: Autor führt auf: P. flavonotata, mit welchem neuen Namem er P. rufata var. 1 Gr. belegt, und P. rufata Gmel. Gr:, die er mit P. varicornis. identificirt. Er giebt die: Unterschiede: beider Arten scharf und richtig an. Da aber Gravenhorst: ausdrücklich, bemerkt, dass seine var: 1. eigentlich auf die: Gmelin’sche rufata passe und: ich. dazu: ein of besitze,. . welches die gelben Zeichnungen vollständig aufweist, so‘ muss für die Art mit ebenem Hinterende des ersten. Seg-' ments. der Name: rufata bleiben und: darf sie nicht: mit varicornis: vereinigt: werden, wo das ganze erste Segment!
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bis zum Ende ausgehöhlt ist. Die Nomenelatur'bei Gra-
venhorst ist demnach unverändert beizubehalten.
P. roborator no84£J'Q. Der ganze Körper gleichmässig grob punktirt. Scheitel: breit auf Kosten der Stirn. Mit- telrücken schwach dreilappig, Hinterrücken kurz und ge- rundet, durchaus grob punktirt mit Ausschluss eines vier- eckigen, glänzenden Fleckchens an Stelle des vordern Mit- telfeldes. Erstes Segment gleichfalls gedrungen und in sei- ner Hinterhälfte mit gerundeter Oberfläche, die Vorderhälfte schräg nach vorn abgestutzt. Alle Segmente braun mit glän- zenden Hinterrändern, die beim 0’ schwarz sind. Vorletz- tes: Hintertarsenglied kaum halb so lang, als das letzte. Lg. 14, 5mm, Hinterl. reichlich 9, 5, Böhrer reichlich 11, s"m,
P. viduata no 101 %. DBrustseiten glänzend, an der vordern Hälfte punktirt, in der Furche vor der hintern Naht deutlich punktirt. Hinterrücken' glänzend, an den Rändern einzeln, im Felde der Luftlöcher dichter punktirt, darunter polirt, keine Spur von Feldern. Hinterleib grob punktirt, die Punkte theilweise der Länge’ nach zusammenfliessend, Segmente vom zweiten an mit einem Quereindrucke, wo- durch die Hinterränder stark leistenartig hervortreten, ohne besonders zu glänzen. Segment 1 vorn schräg gestutzt, in der Hinterhälfte oben: gerundet, von der Seite gesehen mit tiefer Längsfurche, in deren grubenartigem Ende die Luftlöcher sitzen. -Lg. 9, 5%%, Hinterl. 6°”, Die kräftigen Fühler kaum länger als’ der Hinterleib und dicker, als bei voriger Art, ebenso‘ die Hinterschenkel dicker, genau von der Gestalt wie bei P. examinator. — Obwohl: das & fehlt und mithin’ der Anhaltepunkt für die Unterbringung der Art, so passt sie doch dem Habitus nach eher unter diese, als die erste Abtheilung.
II. Luftlöcher des Hinterrückens kreisförmig und klein, darum und: weil der Aussenrand bisweilen etwas wallartig emporsteht, ziemlich undeutlich. Fühler- glieder vollkommen cylindrisch, darum nur durch die Färbung von einander abgesetzt.
1. Die wvordernı Felder des’ Hinterrückens höchstens durch 2-Längsleisten angedeutet, also unvollständig.
a. Letztes Hintertarsenglied' vier Mal so lang, als das vorletzte.
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P. melanocephala no 759. Klauen am Grunde nicht erweitert, innerer Quernerv der Hinterflügel über seiner Mitte gebrochen. Brustseiten glänzend mit punktirter Hin- ternaht, Hinterrücken schwach punktirt, mit 2 parallelen Leisten. Hinterleib sehr grob punktirt und sehr uneben, sein erstes Segment fast bis zur Spitze flach eingedrückt, das ?2., 3. und 4. mit seichter Längsfurche in der Mitte. Der ganze Körper rothgelb, schwarz sind: Kopf, die Wur- zel der Fühler und die Enden der Geiselglieder, der Tho- rax mit Ausschluss des grössten Theiles vom Metathorax, der Bohrer mit seiner Schneide, die Krallen und die äusser- ste Spitze ihres Tarsengliedes. Lg. fast 8, 75°®, Hinterl. 5, 5, Bohrer kaum 2%,
b. Letztes Hintertarsenglied kaum drei Mal so lang als das vorletzte. a. Klauen 9 nicht lappig erweitert.
P. alternans no 97 529. Eine sehr fragliche Art, die von Holmgren mit der folgenden verbunden wird. Das einzige @ hat ovale Luftlöcher und durchaus rothe Hüften. Brustseiten wie bei P. viduata. Hinterrücken ziemlich glän- zend, vorn und an den Seiten deutlich punktirt. Segment 1 nur ganz vorn ausgehöhlt, sonst gerundet, die übrigen grob, wenig zusammenfliessend punktirt, durchaus eben und mit fein hellen Hinterrändern. Innerer Quernerv der Hin- terflügel über der Mitte gebrochen. Lg. 11“, Hinterl. 6,5, Bohrer 2, 5mm, Ich würde dieses Exemplar seinem sonsti- gen Habitus nach mit P. viduata verbinden und an Stelle von P. flavicans treten lassen, die so besser als besondere Gattung abgeschieden werden muss, wenn nicht die Fär- bung dem widerspräche. P. viduata hat durchaus schwarze Hüften und einfarbig rothgelbe Hinterschienen, während unser Stück, dessen Hinterschenkel mit jener Art sehr übereinstimmen, einen lebhaft weissen, dunkel eingefassten Fleck vor der Basis der Hinterschienen zeigt, ausserdem ein gelbes Fleckchen vor den Flügelschüppchen; erfah- rungsmässig sind aber die Farben der Yo in Vergleich zu ihren 22, wenn Unterschiede statt haben, lichter, und nicht umgekehrt, wie es dann hier der Fall sein würde. Das / hat schwarze Hinterhüften und ich weiss es so wenig von
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der folgenden Art zu unterscheiden, wie das kleinere, als var. 1 noch dabei steckende 2. Der Artname dürfte am besten zu cassiren sein.
P. scanica no. 98 22. Innerer Quernerv der Hinter- flügel über der Mitte gebrochen. Q am Gesicht, dem gan- zen Thorax mit Ausschluss des glänzenden, abschüssigen Theiles am Hinterrücken und an den Beinen anliegend weiss- haarig, und zwar auffälliger als bei andern Arten. Hinter- rücken mit kurzen Längsleistehen. Stirn eingedrückt, sehr fein quer nadelrissig. Hinterleib sehr fein punktirt, kaum uneben, alle Hinter- und Seitenränder rothgelb; Segment 1 schwach gekielt, an der vordern Hälfte nicht eingedrückt, an der hintern verhältnissmässig platt, nur sein Hinterrand schmal rothgelb. Lg. 9mm, Hinterl. kaum 6””, Bohrer 2,25". Männchen schwächer behaart, daher glänzender, besonders an den kaum punktirten Brustseiten. Hinterleib mit schmal hellen Hinterrändern der Segmente. Lg. 6”=, Hinterleib reichlich 4,5”,
var. dQ@. Hinterschenkel unten mit dunklerem Längs- streifen, 2 kleiner als das eben beschriebene, in der Be- haarung dem cd entsprechend.
P. ruficollis no. 78 2. Innere Querader der Hinterflü- ge! gerade in der Mitte gebrochen. Scheitel breit, auf Kosten der Stirn. Brustseiten glänzend, einzeln schwach punktirt. Hinterrücken gröber punktirt, gerundet, ohne Spur von Längsleisten. Segment 1 in der vordern Hälfte stark gehöhlt, in der hintern ziemlich flach, die übrigen grob und dicht, aber nicht zusammenfliessend punktirt, gelb- roth, auf der Rückenmitte dunkler, an den Hinterrändern glänzend schwarz. Beine bis auf die bräunlichen Schienen und Tarsen von derselben gelbrothen Farbe. Mesothorax roth, Pro- und Metathorax, Kopf mit den Fühlern und er- stes Hinterleibssegment schwarz. Lg. 8,25”®, Hinterleib fast 5, Bohrer 8,75 mm,
ß. Klauen an der Basis lappig erweitert.
* Innere Augenränder nicht gelb. Innerer Quernerv der Hinterfügel unter seiner Mitte gebrochen sel- ten, in dieser selbst, bei arundinator darüber.
>< Bohrer mindestens von der Länge des Hinterleibes.
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P. calobata: no. 85 2. Scheitel ziemlich: breit, von’ der vertieften Stirm durch 2 Einbuchtungen getrennt. Brust- seiten glänzend, undeutlich punktirt, vor der hintern Leiste‘ mit tiefer, ganz: glatter Furche. Hinterrücken: deutlicher punktirt, mit zwei’ Längskielen und glänzendem abschüssi- gen: Theile. Segment: 1 des Hinterleibes mit 2 deutlichen: Kielen, die fast bis zum Ende reichen, die Fläche zwischen) ihnen aber an der hintern Segmenthälfte platt, die übrigen! Segmente sehr grob, nicht zusammenfliessend punktirt, durch: die Beulen und wulstigen Hinterränder sehr uneben. Lg: 10,75», Hinterleib 7, Bohrer fast 8m,
P. didyma no. 87 2.. Scheitel und: Stirn wie bei vorir ger‘ Art. Brustseiten polirt, in der vordern Hälfte: seicht,: aber deutlich punktirt, vor der hintersten Leiste mit tiefer, ganz glatter Furche: Hinterrücken vorn einzeln grob punk tirt, mit’ 2: kurzen Längsleisten, dabei etwas; glänzend; all- mählig‘ ganz ‘glatt werdend am abschüssigen: Theile. Der! Hinterleib sehr uneben, grob, mehr oder weniger zusam- menfliessend: punktirt, in‘ seiner Mitte breiter, als bei allen übrigen Arten: Segment 1 an seiner hintern; Hälfte platt und kiellos, daselbst auf der Mittelfläche weniger dicht punk- tirt. Lg. 10,25”, Hinterl. reichlich 6”, Bohrer desgl.
P. stercorator. no. 92 dQ. Das d gehört nicht, hier- her, sondern zu P. graminellae,, wie dort‘ gezeigt’ werden:soll, Holmgren verbindet das:Q dieser Art mit P. flavipes; Gr. und ich kann dem’ nur beipflichten, weil ich: ein: Pärchen. in Copula fing, von dem: das d'! genau dem! einzigen Exem- ‘plare in der Gravenhorst’schen Sammlung entspricht, das: 9 dagegen dem Exemplare, welches unter var: 3° bei-P. ster- corator steckt. Somit wäre: also die Nomenclatur dahin zu berichtigen: P. stercorator 2 = P. flavipes d. Beim 2'Stirn und Scheitel wie bei beiden vorigen Arten. Gesicht und Brustseiten polirt, letztere verwischt punktirt; in der Fürche, vor der hintersten Leiste bemerkt man bei günstiger Be- leuchtung feine Querstriche. Hinterrücken mit zwei langen Längskielen, am: abschüssigen Theile lederartig gerunzelt. Hinterleib uneben,: Hinterränder. der Segmente vom zweiten an breit,. glänzend,, vor. ihnen grobe,. kaum: zusammenflies- sende Punktirung. Segment 1 hinten flach, die Kiele mehr
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oder weniger deutlich: Lg. 11,25, teichlich, Hinterl. 7,9"=, Bohrer desgl. Das: ? ist bedeutend kleiner "m, Hinterleib 5em, in der Skulptur nicht verschieden. — var. 1—3, von jeder 1 9 geben: zw weiteren Bemerkungen keinen An-. lass, als dass bei allen die Skulptur des Hinterrückens glätter erscheint, und die Fühler kürzer sind, alsı bei der Stammart. Var. 4 2: ist ein ganz bleiches, kleines Exem- plar, anı welchem sich gar nichts: sehen lässt.
><>< Bohrer unter: Hinterleibslänge.
P. graminellae no 91 2 var. 1 2, var. 42 Scheitel, Stirn: und Brustseite wie: bei: der vorigen Art, Hinterrücken glatt und: glänzend mit; 2 langen Leisten und 2 tiefen Gru- ben beiderseits der Einlenkungsstelle des Hinterleibes:, Segment k bis zur Mitte: oder’ darüber gekielt,, aber an seiner hintern Hälfte, oben flach, etwas flacher als bei vo- riger, Art. Die glänzenden Hinterränder der Segmente hier etwas weniger ausgeprägt als dort, Punktirung und Uneben- heit sonst ebenso. Fühler so; lang, wie bei dei var, der vo- rigen Art, Bohrer: merklich kürzer. Lg. 10, 75"®, Hinter- leib fast: 7,5, Bohrer, 2,5mm, Bei: var. 1 sind die Hinter- beine scharf gezeichnet: die Schienen vor der Wurzel mit dunklem Fleck, die Tarsen hell und dunkel geringelt. Die: Hinterhüften unten granulirt, d. h. durch feine Wärzchen etwas uneben: und‘ die innere Querader der Hin- terflügel über ihrer Mitte gebrochen. Dieselben Merk- male- zeigt das /', welches bei: P. stercorator steckt und dies bestimmt! mich, mit: Holmgren. die eben angegebnen Merk- male: für die charakteristischen der P. graminellae. fest zu halten. Die Stammart: müsste‘ allerdings einen andern Na- men bekommen. — Var. 4, ein sehr kleines, blondes 2 ge- Hört schwerlich hierher; der Hinterleib‘ erscheint mir zu glatt, und’ an den Seiten weniger erweitert.
P. arundinator no. 86: 2 Scheitel, Stirn und Brustseiten wie: bei P; calobata.: Der: stark gerundete Hinterrücken mit 2 langen Kielen und lederartig gerunzelt. Hinterleib grob, aber nicht: tief punktirt, uneben, Segment 1 am Hinterrande, 5. am Vorderrande: und: die dazwischen liegenden ganz roth bis auf die schmal schwarzen Hinterränder. Segment 1,: von: den Seite; gesehen, stumpfwinkelig, anı der schräg
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abgeschnittenen Vorderhälfte gekielt, zwischen den Kielen flach ausgehöhlt und die Höhlung bis zur hintern Hälfte fortgesetzt, so dass sie von oben sichtbar ist, ohne jedoch den Hinterrand zu erreichen. Beine ganz rothgelb. Lg. 10,5", Hinterl. 6,75, Bohrer 3,75",
P. melanopyga no 76 2 Brustseiten polirt, ohne Punk- tirung. Hinterrrücken glänzend, einzeln punktirt, seine Längsleisten, die nach hinten etwas divergiren, erreichen den abschüssigen Theil. Hinterleib uneben, grob und dicht, aber flach punktirt, auf dem zweiten Segmente am dichte- sten. Segment 1 gedrungen, kiellos, die hintere Hälfte ge- rundet. Lg. kaum 10m, Hinterl. kaum 6, Bohrer 1,5"m (seine wahre Länge 3®”),
P. brevicornis no 100 d' 2. Das kleine 2 ziemlich glän- zend. Scheitel und Stirn wie bei P. calobata, Flügel irisi- rend, ihr Mal verhältnissmässig gross. DBrustseite polirt, in ihrer hintern Furche vollkommen glatt (bei andern, et- was grössern Ex. meiner Sammlung lassen sich einzelne feine Punkteindrücke unterscheiden). Hinterrücken ge- rundet, mit einzelnen verwischten Pünktchen und kaum be- merkbaren Leisten. Hinterleib fein und dicht punktirt, die Hinterränder der Segmente wenig augenfällig. Segment 1 mit etwas erhabener Mittelplatte der hintern Hälfte. Die Hinterhüften sind übrigens rothbraun. Lg. reichlich 5°, Hinterl. 3, Bohrer 2,75"®, Das ' hat alle Hüften schwarz, eben so irisirende Flügel und, wie es scheint, dieselbe Skulptur; es befindet sich in einem Zustande, der nicht viel erkennen lässt — var. 1 mit rothen Hinterfüssen ist etwas kräftiger, als das eben beschriebene ?, entspricht: ihm senst vollständig. Var. 2 & ist entschieden nichts weiter als P. roborator' mit etwas dunkleren Mittel- und Hinterfüssen und ganz schwarzem Hinterleibe. Merkwür- diger Weise steckt es auf einer eben so kurzen Nadel, wie die eben genannte Art, während die Nadeln aller übrigen länger sind. \
** Wenigstens die innern Augenränder bis zum Schei- tel gelb. Innere Querader der Hinterflügel ein We- nig über der Mitte gebrochen.
P. angens no 81 Brustseiten polirt, Hinterrücken glän-
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zend, einzeln flach punktirt, mit kaum einer Spur von Mit- telleisten. Hinterleib knotig, grob punktirt, auf dem 2 Gliede @ jedoch so, dass die Zwischenräume grösser als die Punkte sind, dieser ausserdem mit 2 tiefen Seitengruben an seiner Basis; beim „’ unterscheidet es sich nicht in der angegebnen Weise von den übrigen. Segment 1 oben plat- ter beim @ als beim X. Lg. 10mm, Hinterl. 6,75, Bohrer 2,90;
P. ornata no 80 9 Brustseiten glänzend, sehr fein ein- zeln punktirt, auch die Furche vor der hintern Naht punk- tirt. Hinterrücken kurz, gewölbt, steil abschüssig, dicht und ziemlich grob punktirt, auch theilweise an der abschüs- sigen Stelle, mit einer kaum angedeuteten Mittelfurche, aber ohne Leisten. Hinterleib gedrungen, seine Segmente deutlich breiter als lang, uneben, grob und theilweise zu- sammenfliessend .punktirt, das erste kurz und gerundet an seiner reichlichen hinteren Hälfte, nach vorn schräg abge- stutzt und glänzend. Lg. 10,75%®, Hinterl. 7,5%=, Bohrer 22: |
Var. 1 Q Thorax auf dem Rücken unvollkommen, an den Brustseiten gar nicht roth.
P. oculatoria no 79 X2 die rothe Brustseite polirt, Punktirung nicht bemerkbar. Hinterrücken gewölbt, ein- zeln punktirt mit schwacher Andeutung der Mittelkiele. Hinterleib gestreckt, seine Glieder so lang als breit, beim noch länger, Segment 1 an der .hintern Hälfte etwas ge- wölbt, auf der Mitte derselben etwas platt. Lg. Yun, Hinterl. 6%®, Bohrer kaum 2unm, das 5 kaum $=nm, Hinterl. 50mm, var. 1 Q und var. 2 Q geben zu keiner weitern Be- merkung Anlass.
2. Hinterrücken wenigstens mit deutlichem, mittleren Felde vorn. Innere Querader der Hinterflügel unter der Mitte gebrochen. Klauen 2 an der Wurzel nicht lappig erweitert.
P. laevis no 89 Q Brustseiten glänzend, verwischt punk- tirt; Hinterrücken lederartig, sein Mittelfeld vorn *halb ellip- tisch, etwas glätter und in der Mitte schwach eingedrückt. Hinterleib sehr fein und dicht punktirt, nur das erste Seg- ment lederartig, in der platten Mittelläche der grössern
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Hinterhälfte etwas glätter. Wegen seiner Länge und der vollkommen ebenen übrigen Segmente, deren zweites nur je einen seitlichen schrägen Eindruck hat, müsste diese Art nicht zu Pimpla, sondern zu Lissonota gestellt werden, "wenn nicht die Bauchspalte, aus dem der Bohrer kommt, dagegen spräche. Lg. 10,25”=®, Hinterleib 5,75”m, Bohrer 35mm,
P. mandibularis no 90 9 Brustseite glänzend, verwischt punktirt. Hinterrücken vorn mit je 2 geschlossenen Seiten- feldern, deren hinteres mit seiner Spitze am abschüssigen Theile etwas herabreicht, Mittelfeld schwach vertieft, Hin- terleib wie bei voriger Art sehr fein und dicht punktirt und glatt; die Quereindrücke der ‘Glieder schwach angedeutet. Das erste mit stumpfen Leisten, zwischen denen die Hin- terhälfte fast bis zum Ende flach ausgehöhlt ist. Bohrer breiter, als bei den meisten andern Arten. Lg. 12”=, Hin- terl. 7em, Bohrer reichlich 4,5®m,
P. abdominalis. no 77 © Kopf, Thorax und Hinterleib gleichmässig grob punktirt, die glänzenden Brustseiten et- was einzelner. Hinterrücken vorn mit 5 geschlossenen, hoch umrandeten Feldern, sein abschüssiger Theil jäh und runzelig, wie am vordern Theile. Segment 1 wenig ge- wölbt, mit 2 Kielen, welche auf der hintern, sonst platten Hälfte noch etwas sichtbar sind. Keine Bauchspalte, die letzte Bauchschuppe überragt sogar die des Rückens etwas; das Schildchen ist ausserdem etwas erhaben, mit einem Rande umgeben und hinten sehr stumpf, fast abge- stutzt; die Art gehört also nicht zu Pimpla. Lg. 6,25 wm, Hinterl. 3,5”, Bohrer fast 2m,
Es bieiben nun noch 3 Arten übrig, welche sich den obigen Abtheilungen nicht unterordnen lassen:
P. aterrima no 102 die beiden Q, welche unter diesem Namen vorhanden sind, von denen das zweite als var. 1 bezeichnet ist, ohne irgend wie vom ersten unterschieden werden zu können, müssen durch ein Versehen dahin ge- langt sein. Der Bohrer von P. aterrima soll nach Graven- horst fast von halber Hinterleibslänge sein und die Grössen- verhältnisse des ganzen Thieres denen von P. examinator
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entsprechen. Jene Weibchen haben einen Bohrer, welcher die Körperlänge übertrifft, einen gestreckten Körperbau und gehören entschieden zur Gattung Ephialtes, ich möchte sie für E. tuberculatus erklären.
P. pictipes no 95 Q An diesem kleinen Thier lässt sich nicht viel sehen. Flügel irisirend, die innere Querader der hintern ‚unter der Mitte gebrochen. Brustseite polirt, Hin- terrücken ohne Felder, weniger glänzend, seine Luftlöcher kreisrund. Hinterleib gestreckt, Segmente länger als breit, sehr grob punktirt und .weisshaarig, Segment 1 buckelig, oben san der hintern Hälfte nicht gekielt. Fühlerwurzel unten, Kopfschild, Wurzel der Kinnbacken, Flügelmal und Beine bleichgelb, letztere zum Theil weiss, Hinterschienen an der Spitze und vor ‚der Wurzel und Hintertarsenglieder an ihren Spitzen dunkel, Vorderschenkel nicht ausgefressen.
P. vetula no 96 X, Kann ich nicht für eine Pimpla halten. Der Kopf verengt sich nach unten schnauzenartig. Ein Kopfschild ist nicht zu erkennen; die grossen gelben Kinnbacken mit 2 gleich grossen, schwarzen Zähnen an der Spitze stehen frei heraus, die Augen quellen stark "hervor und sind sehr deutlich facettirt, Scheitel breit, Stirn nicht eingedrückt. Gesicht eben, dieht mit weissen anliegenden Härchen besetzt, Thorax etwas buckelig, dicht fein punk- tirt. Schildehen stumpf dreieckig, wenig erhaben, Hinter- schildehen eine breite Stufe bildend. Hinterrücken grob runzelig und dadurch die Felder begrenzenden Leisten un- deutlich, aber vorhanden. Luftlöcher kreisrund. Hinter- teib dicht und grob, aber kaum zusammenfliessend punk- tirt, Rücken der Segmente eben, auch des ersten, welches vor seiner Spitze die Andeutung eines Quereindruckes hat. Der ganze Umriss gedrungener, als bei irgend einer andern Art. Beine zart, letztes und vorletztes Tarsenglied der hintersten gleich lang und dick, Klauen einfach, sehr klein. Flügelmal gross, innerer Quernerv der Hinterflügel unter seiner Mitte gebrochen. Lg. 4,75%®, Hinterl. 2,5u», Scheint mir zu Phytodietus zu gehören, wovon Gravenhorst nur Weibchen beschreibt.
64 Limulus Decheni Znk Taf. 1.
im Braunkohlensandstein bei Teuchern
von
0, Giebel,
Der Moluckenkrebs hat eine so absonderliche und abenteurliche Gestalt, dass man seine lebenden Arten für Ueberbleibsel einer in phantastischen Gestalten sich gefal- lenden Urschöpfung halten möchte. Und in der That sind auch schon längst vorweltliche Limulusarten:. bekannt, so ganz ähnlich den lebenden, dass noch kein Systematiker daran denken konnte, sie von diesen generisch zu trennen, zugleich aber meist viel kleiner und jener haltlosen Theorie entschieden widersprechend, nach welcher die vorwelt- lichen Repräsentanten lebender Typen grösser sein sollen als ihre heutigen Arten. Die bis jetzt bekannt geworde- nen fossilen Limulusarten gehören den permischen Gebil- den, dem Muschelkalk und dem lithographischen Schiefer an und es liess sich erwarten, dass die Existenz dieses ausgezeichneten Typus auch während der Kreide- und der tertiären Epochen nachgewiesen werden würde, um die un- unterbrochene Fortdauer seit dem ersten Auftreten bis in die gegenwärtigen Meere ausser Zweifel zu setzen.
Für die Existenz während der tertiären Zeit hat nun Hr. Zinken in dem Limulus Decheni von Teuchern den Beleg; beigebracht, in unserer Zeitschrift Bd. XIX S. 329. Er führte denselben nur mit einer allgemeinen von der er- sten Beobachtung an Ort und Stelle entlehnten Charakte- ristik ein und war so freundlich, das Exemplar der hiesigen Universitätssammlung zu verschaffen, so dass ich nun Ab- bildung und specielle Beschreibung davon vorlegen kann.
Es fällt zunächst sehr auf, dass der Limulus Decheni, der doch wie alle andern Arten seiner Gattung ein ganz ent- schiedener Meeresbewohner gewesen sein wird, im Braun- kohlensandstein, also einer Süsswasserbildung lagert. Da auf jenem Gebiete triasische Schichten das herrschende Grund- gebirge constituiren: so könnte man eine irrige Deutung des Alters der Lagerstätte vermuthen und an eine Verwechs-
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lung mit buntem Sandstein denken. Mir sind die Einzeln- heiten der dortigen Lagerungsverhältnisse nicht aus eigener Anschauung bekannt, um ein Urtheil über das Alter dieses Sandsteins zu begründen, Hr. Zinken dagegen hat sich so eingehend und lange mit den geognostischen Verhält- nissen unserer Braunkohlenformation beschäftigt, dass wir Seiner a. a. OÖ. gegebenen Darstellung und Deutung dieses Sandsteins Glauben beizumessen keinen Anstand nehmen dürfen. Der Sandstein führt überdies Dicotylenblätter, welche dem bunten Sandsteine entschieden fremd sind. Unsere Limulusarten leben sämmtlich an seichten Küsten- stellen mit sandigem Boden, verlassen auch bisweilen das seichte Wasser und kriechen auf dem feuchten Strande eine kurze Strecke vorwärts sehr langsam und unbeholfen. Wir dürfen also nicht annehmen, dass der Dechensche Limulus aus. einem ferner gelegenen Tertiärmeere in das Braunkoh- lenbecken von Teuchern gekrochen sei, und wo sollte ein solches Meer gewesen sein. Lassen wir also das Vorkom- men dieses Meeresbewohners in einem Süsswassergebilde unerklärt in der Hoffnung, dass fortgesetzte Beobachtungen an Ort und Stelle neue unzweideutige Aufschlüsse bringen werden.
Das Exemplar liegt in einem sehr festen und feinkör- nigen Sandsteine, dessen rundliche und eckige Körnchen kaum Bindemittel zwischen sich erkennen lassen, und ist in Ab- und Gegendruck vorhanden. Es ist im aufgelösten Zustande zur Ablagerung gekommen, nur mit dem Schilde des Cephalothorax und des Hinterleibes, beide noch normal hinter einander liegend, aber um 6°‘ par. von einander ab- gerückt, was im Leben des Thieres nicht der Fall gewesen sein kann. Von der Schalensubstanz selbst ist keine Spur erhalten worden. Die beweglichen Randstacheln des Abdo- minalschildes fehlen sämmtlich, "ebenso. der beweglich ein- gelenkte Schwanzstachel‘ und wie aus. der stellenweisen Bloslegung der Unterseite ersichtlich ist, auch die. Glied- massen. Die Beschreibung muss sich also auf die; ober- flächlichsten Verhältnisse der beiden Schilder beschränken, welche aber hinlänglichen Anhalt. gewähren, um die Selb- ständigkeit der Art darzuthun,
XXL 1863. 5
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Das parabolische Schild des Cephalothorax ist hoch- ' gewölbt und steigt wie bei allen Arten von dem Stirnrande steiler als von den Seitenrändern zur Scheitel- oder Rücken- fläche auf. Der Mittelkiel liegt in senkrechter Linie 2 2 über dem Seitenrande. Die Länge beträgt in gerader Mit- tellinie vom Stirn- bis zum Hinterrande 4 2“, die grösste Breite etwas hinter der Mitte 7“ 4“, zwischen den äusser- sten Hinterecken nur 6°. Unter den bekannten vorwelt- lichen Arten liegen bei keiner einzigen die Seitenränder ge- gen die Hinterecken so stark gegen einander geneigt, unter den lebenden nur bei dem jungen Limulus polyphemus. Der Umfang gleicht bis auf den etwas gedrückten Stirnrand ziemlich einem Halbkreise, dem die ausgezogenen Hinter- ecken angesetzt sind. Der Rand ist ringsum eine Linie breit horizontal scharf abgesetzt. Die Beschaffenheit des umgeschlagenen Randes aber lässt sich nicht erkennen.
Auf der Oberseite zunächst über dem Stirnrande be- ginnt der mittlere Kiel mit einem breiten stumpfen Höcker, welcher die beiden einfachen Augen trägt. Dieser Kiel läuft niedrig und breit gerundet ohne Höcker und Stachelen bis nahe zum Hinterrande, verflacht sich unmittelbar vor demselben gänzlich, aber tritt auf dem Rande selbst wieder mit einem schwachen Höcker hervor. Die beiden Rinnen, welche in der hintern Hälfte diesen Kiel ziemlich parallel begleiten, lassen nichts von den lebenden Arten abweichen- des erkennen. Dagegen heben sich die: Seitenränder dieser breiten Scheitelfläche als starke abgerundete Leisten: heraus, enden jedoch vor dem einspringenden Winkel des Hinter- randes ohne Höcker wie bei dem lebenden Limulus rotun- dicus da. Zehn Linien vor dieser Endigung liegt das sechs Linien lange zusammengesetzte Auge jederseits. Von.dem- selben ist aber nur der äussere Umriss markirt, da das Sandsteinmaterial einen feinern Abdruck nicht; gestattete.; Der gerade Mitteltheil ‘des Hinterrandes: misst»3° 4, dann läuft der Rand’ unter 120° abbiegend geradlinig zur Hinter- ecke, stark aufgeworfen.. Bei allen lebenden und fossilen Arten erscheint dieser Rand mehr: oder! minder. geschwun# gen, bei keiner einzigen so 'starkkaniig erhöht. Ebenso ist bei allen lebenden Arten neben dem obern Winkel: dieses:
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Randes ein markirter Eindruck, der nur bis zu einem Drit- tel; meist weniger die Länge des Rändes begleitet, bei un- serer Art dagegen sehr breit ist und bis zur Hinterecke fortsetzt. Die Hinterecke bildet, den äussern gebogenen Rand gerade gedacht, einen Winkel von etwa 60 Grad.
Das Hinterleibsschild hat eine ungleichseitig hexago- nale Gestalt mit abgerundeten Seitenecken, in der Mittelli- nie 2° 10° lang, in der grössten Breite 4 6°, am geraden Vorderrande 3‘ 4‘ dem Hinterrande des Cephalothorax entsprechend. Die Seitenränder sind schwach bogig und der Hinterrand für die Einlenkung des Schwanzstachels tief ausgebuchtet. In seiner Wölbung gleicht dieses Schild ganz dem des lebenden Limulus longispina, aber die Mit- tellinie hebt sich der ganzen Länge nach als abgerundeter Kiel: stark hervor und zeigt nirgends Höcker oder Stächeln. Bei. EL: polyphemus ist dieser Kielin der Jugend sehr scharf und mit drei Stacheln bewehrt, bei L, rotundicauda fehlen die Stacheln, aber der Kiei ist sehr flach, kaum kantig her- vortretend: Die diesen Kiel begleitenden Kerben- oder Grübchenreihen verhalten sich ganz wie-bei den zur Ver- gleichung vorliegenden lebenden Arten, in jeder Reihe sechs längliche Einstiche und die Reihen nach hinten etwas con- vergirend. ;
An den hintern Seitenrändern finden sich sechs all- mählig an Breite und Grösse zunehmende glatte Stacheln, welche horizontal abstehen. Zwar sehr unvollständig er- halten, erkennt:man doch noch, dass sie mit denen von L. polyphemus die meiste Aehnlichkeit haben. Von den zwischen ihnen eingelenkten beweglichen Stacheln ist leider nirgends eine! Spur ‘erhalten, nur vermuthen lässt sich, dass auch sie denen der eben genannten lebenden Art gleichen, nämlich sehr schmal und schlank, waren. | j
. Nach. dieser Beschreibung weicht also der' L.>Decheni von. allen: lebenden: Arten - sicher und auffällig ab. Nach den! Formverhältnissen des Hinterleibsschildes müssen wir. den an den Hhordärnerikaniscken Küsten lebenden L. poly- phemus für seinen. nächsten Verwandten halten, ‘von’ wel- chem er sich aber alsogleich durch den Mangel der Sta- chelhöcker auf dem Rückenkiel unterscheidet, Die vorwelt-
5*
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lichen Arten befinden sich leider in einem andern Erhal- tungszustande, welcher nur eine Vergleichung der allge- meinsten Formverhältnisse beider Schilder gestattet und nach diesen würde L. Walchi Desm. aus dem lithographi- schen Schiefer in nähere Beziehung zu dem unsrigen zu stellen sein. An den Arten des lithographischen Schiefers _ sind meist die Randstacheln vollständig erhalten und sie bieten daher einen Anhalt zur gemeinsamen Gruppirung mit den lebenden, indem man sie in solche theilen kann, bei welchen die Spitzen der Randstacheln in die Fortsetzung des Cephalothoraxrandes fallen (Z. moluccanus, brevicauda, ornatus), in solche bei denen die Spitzen über jene Rand- fortsetzung hinausragen (L. longisspina, Walchi), und end- lich in solche, wo die Spitzen der Randstacheln jene fort- gesetzte Randlinie gar nicht erreichen (L. rotundicauda, Polyphemus und intermedius). Zu letztern würden wir un- sere Art bringen müssen und zwar zwischen L. rotundicauda und Poiyphemus, da L. intermedius durch die Form der Endspitzen seines Abdominalschildes wieder mehr unter- unterschieden ist.
Unsere Abbildung Taf. I. den Cephalothorax im hohlen Abdruck, das Abdominalschild im convexen Abdruck der Oberseite dar.
Mittheilungen
aus dem chemischen Universitätslaboratorium zu Halle.
Analyse einer Hornblende aus Brackendorf. in Ungarn, und eine Scheidungsmeihode der Magnesia vom Natron.
In einem Handstück’ von der strahligen Hornblende Aus Brackendorf: in der’ Sammlung des’ Herrm Prof: Dr. Heintz be- findet; sich) ‚eine gangartige, etwa, !/, Zoll/starke Schicht,’ die sich durch ihre dunkelgrüne, fast schwarze Farbe, und ‚durch: ihre, blättrig Krystallinische Structur ganz deutlich. von der grünen Hauptmasse des Gesteins rtrengdbratiken lässt.
Diese letztere war von Herrn lan >” analysirt worden,
1). Diese Zeitschrift Bd." XIX. S. 152. °
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der darin merkliche Mengen Alkali fand. Es war von Interesse, zu untersuchen, in wie weit die den Gang ausfüllende dunklere, krystallinischere Substanz in ihrer Zusammensetzung von jener Hauptmasse abweicht. Zu diesem Zwecke wurden von dieser dunkleren Masse einige Stückchen sorgfältig ausgewählt und im fein gepulverten Zustande der Analyse unterworfen.
Die qualitative Untersuchung ergab die Zusammensetzung dieses Minerals aus Eisenoxydul, Manganoxydul, Thonerde, Kalk, Masgnesia, Spuren von Kali, Natron und Kieselsäure.
Bei der quantitativen Bestimmung habe ich im Allgemei- nen denselben Gang befolgt, den Herr Lüthe bereits angeführt hat, deshalb will ich uur da, wo derselbe von jenem abweicht, desselben ausführlicher Erwähnung thun. Meine Arbeit zerfällt ebenfalls in zwei Theile. Bei der ersten Untersuchung wurde das Mineral durch Schmelzen mit wasserfreiem kohlensauren Natron aufgeschlossen, dieser diente zur Bestimmung der Kiesel- säure, des Eisens, Mangans, der Thonerde, des Kalks und der Magnesia. In der zweiten, wo die Aufschliessung der Substanz durch Flussäure bewirkt wurde, wurden sämmtliche Basen, Kali und Natron mit eingeschlossen bestimmt.
I. Von der zuerst im Luftbade bei 100° C. getrockneten Substanz wurden 0,8165 Grm. angewendet, die durch starkes Glühen 0,0135 Grm. an Gewicht verloren oder 1,65 Procent. Die wasserfreie Substanz wurde mit kohlensaurem Natron zu- sammengeschmolzen und ganz nach der von Herrn Lüthe ange- gebenen Methode weiter behandelt. Auf diese Weise wurden 0,369 Grm. Kieselsäure erhalten, die 45,19 Procent entspre- chen. — Die Kieselsäure war vollständig rein, denn eine Probe derselben löste sich in einer concentrirten Lösung von reinem kohlensauren Natron, die in einer Platinschale zum Kochen er- hitzt war, vollständig klar auf. — In der von der Kieselsäure abfiltrirten Flüssigkeit wurden Eisen, Mangan und Thonerde ebenfalls nach der Methode von H. Rose?) durch Ammoniak und Erwärmen der Mischung, bis der Ammongeruch verschwunden war, abgeschieden. Der Niederschlag wurde in verdünnter Salz- säure gelöst, auf ein geringeres Volumen eiugedampft, in einer Platinschale mit einer concentrirten Lösung von kohlensaurem Natron nahezu neutralisirt, bis zum Kochen erhitzt und mit rei- nem Kalihydrat im Ueberschuss versetzt, um den entstandenen Thhonerde - Niederschlag wieder aufzulösen; während Eisenoxyd- hydrat verbunden mit kleinen Mengen Mangans ausgeschieden bleibt. Der Niederschlag wurde wieder in heisser Salzsäure und heissem Wasser gelöst, nochmals mit kohlensaurem Natron na- hezu neutralisirt und mit Kalilauge gekocht. Dies Filtrat wurde
2) Poggendorf’s Annalen Bd. 110. $S. 292.
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dem ersten beigefügt, weil es noch Thonerde enthielt, die sich nicht durch einmaliges Kochen mit Kalihydrat vollständig vom Eisen trennen lässt. Diese Flüssigkeit wurde mit Salzsäure sauer gemacht, mit chlorsaurem Kali gekocht und dann die Thon- erde durch Ammoniak gefällt. Die im Gasgebläse geglühte Thon- erde wog 0,0458 Grm., die 5,61 Procent entsprechen. — Der Niederschlag, bestehend aus Eisen und Spuren von Mangan wurde wieder gelöst und die Lösung vorsichtig mit Ammoniak neutralisirt. Nachdem sich der Niederschlag abgesetzt hat, muss die überstehende Flüssigkeit noch etwas gelblich erscheinen, denn es kommt darauf an, dass der grössere Theil des Eisens gefällt ist, ein kleinerer suspendirt bleibt, damit die vollständige Fällung des Eisens als bernsteinsaures Eisenoxyd gelingt. Nachdem dies erreicht war, wurde durch bernsteinsaures Natron gefällt und das entstandene bernsteinsaure Eisenoxyd durch starkes Glühen in Eisenoxyd übergeführt und gewogen. 0,235 Grm. Eisenoxyd entsprechen 0,2115 Grm. Eisenoxydul und diese 25,90 Procent. — Die Flüssigkeit wurde mit kohlensaurem Natron gekocht, um die Ammoniaksalze zu zerstören und damit so lange fortgefahren „ bis nach erneuertem Zusatz von kohlen- saurem Natron die heisse Flüssigzeit keinen Ammoniakgeruch mehr erkennen liess. Der entstandene Niederschlag enthielt koh- lensaures Manganoxydul, das beim Glühen in Manganoxydoxy- dul übergeht. 0,0073 Grm. Manganoxydoxydul entsprechen 0,0068 Grm. Manganoxydul und diese 0,53 Procent. — Im ersten Filtrat nach Abscheidung des Eisens, Mangans und der Thonerde durch Ammoniak wurden Kalk und Magnesia bestimmt. Der Kalk wurde aus derselben durch saures oxalsaures Kali als oxalsaurer Kalk gefällt und durch Glühen im Gasgebläse in Aetzkalk übergeführt. Gefunden wurden 0,1085 Grm., die 12,96 Procent entsprechen. — Das Filtrat wurde mit Ammo- niak im Ueberschuss und mit einigen Tropfen Chlorammonium versetzt. Da durch Ammoniak eine Trübung entstanden war, so tröpfelte ich solange Chlorammonium hinzu, bis dieselbe ver- schwand und fällte die Magnesia durch phosphorsaures Natron als phosphorsaure Ammoniak - Magnesia. Gefunden wurden 0,1325 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia, die 0,0476 Grm. rei- ner Magnesia entsprechen und diese geben 5,83 Procent. Das Resultat der Analyse ist also:
0,0135 Grm. HO 1,65 0,3690 - Si O2 45,19 0,0485 - Al2O3 5,61 Darlo 0 FeO 25,90 0,0068 - MnO© 0,83 0,1058 - CaO 12,96 0,0476 - MgO 5,83
0,8000 Grm. 97,97
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Es fehlen 0,0165 Grm., die 2,0% Procent entsprechen. Dieser Verlust ist wahrscheinlich durch das vorhandene Alkali bedingt, das in der zweiten Analyse bestimmt werden soll.
II. Eine neue Probe der ursprünglichen Substanz wurde mit Flusssäure aufgeschlossen, die zu diesem Zwecke aus Fluss- spath und Schwefelsäure frisch dargestellt war. Die voraufge- gangene Wasserbestimmung ergab bei Anwendung von 1,503 Grm. bei 100° C. trockner Substanz einen Gewichtsverlust von 0,026 Grm., die 1,73 Procent entsprechen. — Auch hier habe ich dasselbe Verfahren wie Herr Lüthe befolgt. In der Lösung, welche die Basen als schwefelsaure Substanzen enthielt, schied ich durch Ammoniak zunächst wieder Eisen, Mangan und Thon- erde ab. Die beschränkte Zeit gestattete mir nicht, diesen Nie- derschlag in seine einzelnen Theile zu zerlegen, das Gesammtge- wicht desselben war nach dem Glühen 0,535 Grm. Eisen ist darın als Eisenoxyd, Mangan als Manganoxydoxydul gewogen, muss aber als Eisenoxydul und Manganoxydul berechnet werden; dies ist unmöglich. Die Kenntniss des Gesammtgewichts kann nur insofern zur Kontrolle der ersten Analyse dienen, als ich darin das Gewicht kenne ir
des Eisenoxyds — 0,2350 Grm. des Manganoxydoxyduls —= 0,0073 - und der Thonerde — 0,0458 -
Gesammmtgewicht — 0,2881 Grm.,
die für die zweite Analyse ein Gewicht von 0,530 Grm. for- dern; es sind also 0,005 Grm. zu viel gefunden, die etwa 0,2 Procent entnprechen. — Der Kalk wurde diesmal durch reine Oxalsäure gefällt; gefunden wurden 0,196 Grm. Kalk oder 13,04 Procent. — In der vom oxalsauren Kalk abfiltrirten Flüs- sigkeit waren schliesslich noch Magnesia, Kali und Natron zu bestimmen. — Da die vorhandenen Methoden zur Trennung der Magnesia von den Alkalien stets mit Schwierigkeiten und Feh- lerquellen verknüpft sind, so habe ich auf Herrn Prof. Heintz Rath einige Versuche gemacht, um eine möglichst einfache Tren- nungsmethode aufzufinden. Wenn auch das Resultat derselben nicht ganz das Erwünschte ist, so will ich dieselben dennoch mittheilen, da ich sie bei vorliegender Arbeit zur Trennung der Magnesia von Kali und Natron benutzt habe. Diesen Versuchen lag der Gedanke zu Grunde, diese Basen, nachdem sie an Schwe- felsäure gebunden, durch blosses Glühen im Gasgebläse, unter Zusatz von trocknem kohlensauren Ammoniak zu trennen, d. h. die schwefelsaure Magnesia sollte dadurch zersetzt und in un- lösliche reine Magnesia übergeführt werden, während die Alka- lien an Schwefelsäure gebunden bleiben sollten, welche denn durch ihre Löslichkeit in Wasser leicht von der Magnesia zu
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trennen waren. Es entstand zunächst die Frage, ob schwefel- saure Magnesia in der Hitze des Gasgebläses die Schwefelsäure vollständig verliert. Ich befreite dieselbe deshalb von ihrem Wassergehalte und wandte von dieser trocknen Substanz 0,546 Grm. an. Diese Menge wurde nun in einem Platintiegel im Gasge- bläse längere Zeit unter Zusatz von kohlensaurem Ammoniak geglüht und zwar so, dass ich den Tiegel jedesmal erkalten liess, bevor ich neue Portionen von kohlensaurem Ammoniak hinzu- fügte. Diese Glühungen setzte ich fort, bis ich ein constantes Gewicht erzielt hatte. Die Substanz hatte verloren 0,364 Grm., ihre Lösung zeigte bei Zusatz von Chlorbaryum weder durch Erwärmen, noch nach längerem Stehen eine Trübung. _Schwe- felsaure Magnesia lässt sich also durch einfaches Glühen im Gas- gebläse unter stetem Zusatz von kohlensaurem Ammoniak voll- ständig zersetzen und in reine Magnesia überführen. — Es fragt sich zweitens, ob schwefelsaures Natron, wenn es in ganz der- selben Weise behandelt wird, seine Schwefelsäure behält. Ich befreite schwefelsaures Natron zunächst durch Glühen in der Gasflamme des Bunsenschen Brenners von seinem Krystallwasser und verwandte von diesem wasserfreien Salze 0,5225 Grm. Ich glühte den Tiegel nun unter Zusatz von kohlensaurem Ammo- niak im Gasgebläse, wog stets erst nach mehrmaligem Glühen und beobachtete einen Verlust von 0,0065 Grm. Es war also, obgleich der Tiegel während des Glühens stets sorgfältig ver- schlossen gehalten wurde, etwas von der Substanz verflüchtigt worden.
Es entstand nun die Frage, ob beide Bestandtheile des Salzes oder nur die Schwefelsäure verflüchtigt worden sei. Um das zu ermitteln, löste ich einen Theil der Substanz und prüfte seine Reaktion. Die Lösung reagirte alkalisch, es war also Schwefelsäure entwichen. Um zu erfahren, ob nicht auch Na- tron mit verflüchtigt sei, fügte ich zu der Lösung einen Tropfen reiner Schwefelsäure und glühte, nachdem das gelöste Salz bis zur Trockne abgedampft war, wieder unter Zusatz von. kohlen- saurem Ammoniak in der Flamme mit doppeltem Luftzuge. Die Wägung ergab das ursprüngliche Gewicht, vermindert um 0.0005 Grm., ein Verlust, der leicht durch die Prüfung auf al- kalische Reaktion entstanden sein kann. Schwefelsaures Natron verliert also in der Glühhitze des Gasgebläses unter Zusatz von kohlensaurem Ammoniak einen geringen Theil seiner Schwefel- säure, die sich indess wieder ersetzen lässt. — Bei der Analyse eines Doppelsalzes brachte ich diese Methode zur Trennung der Magnesia vom Natron zur Anwendung und erhielt sehr befrie- digende Resultate. Ich übergoss nämlich einfach die so lange mit kohlensaurem Ammoniak geglühte Masse, bis sie nur noch sehr unbedeutend an Gewicht verlor, mit Wasser, schwefelsaures Na- tron löste sich auf, während Magnesia ungelöst zurückblieb. —
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Bei mehreren Versuchen, die ich mit schwefelsaurem Kali in’ganz derselben Weise anstellte, erzielte ich weniger befriedi- gende Resultate! Es schien mit der Schwefelsäure sich auch freies Kali zu verflüchtisen. Nur bei ganz geringen Mengen waren die Resultate annähernd genau. — Bei dem ersten Ver- suche verloren 0,945 Grm. durch mehrfaches Glühen mit koh- lensaurem Ammoniak im Gasgebläse 0,023 Grm. Die Lösung des geglühten Salzes reagirte alkalisch. Nach Zusatz von Schwe- felsäure dampfte ich zur Trockne ab und glühte wieder in der Flamme des Bunsenschen Brenners unter Zusatz von kohlen- saurem Ammoniak. Ich erhielt 0,933 Grm., es waren also von den verloren gegangenen 0,023 Grm. nur 0,011 Grm. ersetzt, folglich ein Verlust von 0,012 Grm. entstanden. Da ich nun wusste, dass das Salz theilweise zersetzt wurde und nach dem Glühen alkalisch reagirte, so prüfte ich bei den weiteren Versuchen seine Reaktion nicht, um Verlust zu vermeiden. Angewandt wurden von wasserfreiem schwefelsauren Kali 0,5415 Grm. Nach dem Glühen im Gasgebläse ergab die Wä- gung 0,528 Grm., nach Zusatz von Schwefelsäure 0,534 Grm., es waren also 0,0075 Grm. verloren gegangen. Bei einem an- dern Versuche wandte icb nur 0,161 Grm. schwefelsaures Kali an. Diese verloren beim Glühen im Gasgebläse 0,006 Grm.; nach Zusatz von Schwefelsäure erhielt ich das ursprüngliche Gewicht vermindert um 0,002 Grm., also 0,159 Grm. wieder. — Ein anderer Uebelstand dieser Methode ist der, dass wenn die Menge der bei den Alkalien bleibenden Magnesia bedeutend ist, das Glühen zur vollständigen Zersetzung ihres schwefelsauren Salzes ausserordentlich oft wiederholt werden muss. Ausserdem zieht die geschmolzene Masse, indem sie sich beim Erkalten stark zusammenzieht, häufig das Platin des Tiegels mit sich, in Folge dessen seine innere Höhlung buckelförmige Erhöhungen zeigt. — Bequem kann also nach dieser Methode nur Natron von der Magnesia getrennt werden und zwar dann am Besten, wenn von letzterer nicht zu viel vorhanden ist.
Da nun in der zu analysirenden Hornblende nur Spuren von Kali vorhanden waren und die Menge der Magnesia auch nicht bedeutend, so habe ich diese Methode zur Trennung der Magnesia von den Alkalien benutzt. Um diese Basen in schwe- felsaure Salze zu verwandeln, dampfte ich bis zur Trockne ab, verflüchtigte durch Glühen die Ammoniaksalze, löste in Wasser und fügte zu dieser Lösung reine Schwefelsäure. Diese Lösung wurde nun bis zur Trockne abgedampft und der Rückstand un- ter Zusatz von trocknem kohlensaurem Ammoniak in der bei den Versuchen angegebenen Weise geglüht. Um das schwefelsaure Alkali ohne Verlust in Lösung zu bekommen, übergoss ich die geglühte Masse mit möglichst wenig Wasser und filtrirte. Das Filtrat nebst Waschwasser dampfte ich auf ein geringes Volu-
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men ein und goss diese Flüssigkeit durch ein zweites Filter, um die darin möglicherweise abgeschiedene Magnesia auf dem Filter zu behalten und mit der zuerst erhaltenen gleichzeitig zu bestim- men, und zwar so, dass das Filtrat direct im Platintiegel aufge- fangen wurde, Beide Portionen Magnesia wogen 0,0863 Grm., die 5,74 Procent entsprechen. — Zu dem Filtrat fügte ich ei- nen Tropfen Schwefelsäure, um die von dem schwefelsauren Al- kali etwa fortgegangene Schwefelsäure wieder zu ersetzen und dampfte bis zur Trockne ab; der geglühte Rückstand wog 0,0977 Grm. Da in demselben Spuren von Kali vorhanden wa- ren, so sollten diese nach Angabe von H. Rose durch Platin- chlorid als Kaliumplatinchlorid gefällt und darin das Platin be- stimmt werden. Die Substanz wurde deshalb in möglichst we- nig Wasser gelöst und zu dieser Lösung eine Auflösung von Platinchlorid und Alkohol im Ueberschuss hinzugefügt. Der ent- standene Niederschlag, welcher etwas schwefelsaures Natron zu enthalten schien, wurde mit Alkohol ausgewaschen, getrocknet und nun mit Vorsicht, weil sonst leicht mit den Dämpfen dss Chlors etwas unzersetztes Salz und selbst etwas metallisches Platin ent- weichen können, geglüht. Ich legte den Niederschlag in’s Fil- trum eingewickelt in den Platintiegel und erhitzte denselben mit ganz aufgelegtem Deckel so lange, bis das Filter sich langsam verkohlt und das Salz sich zersetzt hatte. Hierauf verbrannte ich bei stärkerer Hitze unter Zutritt.der Luft die Kohle des Filters zu Asche und übergoss nach dem Erkalten den Rückstand mit saurem Wasser, um das Chlorkalium aufzulösen. Das gewa- schene metallische Platin wog 0,0027 Grm.; diese entsprechen 0,00129 Grm. Kali oder 0,09 Procent. Aus der Summe der schwefelsauren Alkalien und dieser Quantität Kali berechnet sich die Menge des Natrons zu 0,0417 Grm., die 2,77 Procent geben.
Die Resultate beider Analysen sind folgende:
I. ul, Mit CO? NaO Mit FIH aufgeschlossen. SiO? 45,19 — A203 5,61 Ba FeO 25.90 — MnO 0,33 —_ CaO 12,96 13,04 MgO 5,83 5,74 KO = 0,09 NaO ae 2,77 HO 1,65 1,73
und aus beiden Analysen das Mittel:
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Sauerstoffgehalt Si O2 45,19 23,47 A1203 5,61 350, 27,06 FeO 2590 5,75 MnO 0,83 0,18 CaO 13,00 u: MsO 5,78 2,3119 KO 0,09 0,02 14,18 Na0 "re 2,77 0,71) HO 1,69 1,50
100,86 Der Sauerstoff der Basen verhält sich zu dem der Säuren: 12,68 :27,06—=1:: 2,13 und bei Hinzuziehung des Wassers: 14,18 :27,06—1:1,91. / Zur Bestätigung meiner Analysen dienen die von Herrn Schroecker mit demselben Material in dem hiesigen Laboratorium ausgeführten, bei denen ähnliche Methoden zur Anwendung ka- men. In einer derselben fehlt die Bestimmung der Alkalien und in beiden die des Mangans.
Die Resultate derselben sind folgende:
E. II. Mittel:
SiO2 45,37 BL 45,37 A1203 5,81 6,06 5,94 FeO 27,02 26,41 26,76 CeO 12,42 11,95 12,19 Mg0 6,15 6,37 6,21 HO 1,42 1,41 1,41 97,88
Aus diesen Analysen ergiebt sich dieselbe Formel, welche auch die Grundmasse des analysirten Handstücks besitzt, wie aus der im Eingange erwähnten Analyse derselben von Herrn Lüthe hervorgeht, nämlich SO?--RO.
Dessen ungeachtet weichen die Resultate der letzteren von denen der von Herrn Schroecker und mir ausgeführten Analysen wesentlich ab. Herr Lüthe fand im Mittel;
Si 0? 48,80 A120? 3,18 FeO 19,73 MnO 0,10 CaO 18,96 MsO 3,22 NaO 5,41 HO 1,15
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Man ersieht hieraus, dass die dem Ansehen nach verschie- denen Hornblenden desselben Stücks wirklich ‘verschiedene Zu- sammensetzung besitzen. Während das Sauerstoffverhältniss der Basen und Säuren in beiden gleich ist, enthält die krystallinische, dunklere, den Gang bildende Hornblende viel mehr Eisenoxydul, Thonerde und Magnesia, dagegen bedeutend weniger Kalkerde und Alkalien, als die Hauptmasse des Handstücks.
'L. Richter.
Mittheilungen aus dem Laboratorium des Dr, Siewert,
1. Untersuchung einer hydropischen Flüssigkeit.
Von Herrn Prof. Dr. Olshausen wurde mir eine bei der zweiten Punktion aus dem Hydrovarium einer Frau abgelassene Flüssigkeit zur Untersuchung übergeben. Die erste Punction hatte im Februar 1862 stattgefunden, die zweite erfolgte am 7. Dee. desselben Jahres, und lieferte 5!/, Quart Flüssigkeit von 1,033 spec. Gew. Dieselbe war ziemlich zähflüssig und setzte nach einigen Stunden eine geringe Menge eines weissen, flockigen Bo- densatzes ab, welcher sich nach Befreiung von der durchtränken- den Flüssigkeit durch Filtration und darauf folgendes Auswaschen weder in Essigsäure noch in Kalihydrat in irgend bedeutender Weise löslich zeigte, also entweder als Cysten-Membranen oder als coagulirtes Fibrin betrachtet werden musste. Nachdem dieser feste Bestandtheil zuerst mit Wasser, dann mit verdünnter Essig- säure ausgewaschen war, bis Kaliumeiseneyanür nur eine ganz geringe Reaction auf Eiweiss gab, wurde nach dem Trocknen bei 120°C. dessen Gewicht bestimmt. Dasselbe betrug 1,5 Grm. also 0,018 Proc. der ganzen Flüssigkeitsmasse.
Die von den weissen Flocken befreite gelblich gefärbte Flüssigkeit, welche keine Spur von Blutkörperchen enthielt, zeigte deutlich alkalische Reaction und coagulirte beim Erhitzen zu ei- nem fast völlig festen Coagulum, wie es bei reinem Albumin der Fall ist. Nachdem die Flüssigkeit mit dem vierfachen Volum Wasser verdünnt war, erfolgte beim Erhitzen noch eine ziemlich beträchtliche Coagulation, so dass auf einen sehr hohen Albumin- gehalt der Flüssigkeit geschlossen werden konnte.
Zur Bestimmung der festen organischen und unorganischen Bestandtheile wurde eine grössere Menge der Flüssigkeit, 1394,5 Grm. im Wasserbade zur Trockne verdampft, und schliesslich bei 120°C. im Luftbade völlig vom Wasser befreit. Das Ge- wicht betrug 104,82 Grm. oder 7,517 Proc. Hierauf wurde mit absolutem Aether das etwa vorhandene Fett kalt extrahirt, und die Operation noch zweimal wiederholt; von den vereinigten ätherischen Flüssigkeiten der Aether zum grossen Theil’ abdestil- lirt und der Flüssigkeitsrest der freiwilligen Verdunstung über-
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lassen, und die. gewonnene kleine und Fettmenge noch einige Zeit bei 100°C. erhalten. Das Gewicht betrug 0,219 Grm. oder 0,016 Proc.
Zur Bestimmung des vorhandenen Harnstofis wurden die mit Aether erschöpften Rückstände mehrmals mit Alkohol absol. in der Wärme extrahirt. ‚Da hiebei auch etwas Salze und eine braune leimartige Substanz ausgezogen worden war, wurde der im Wasserbade völlig zur Trockne gebrachte Auszug nochmals mit absolutem Alkohol aufgenommen, und der zurückbleibende Salzbestand zur weitern Untersuchung aufgehoben. Die alkoho- lische Harnstofflösung wurde zur Trockne gebracht und gewogen. Das Gewicht betrug 2,625 Grm. Da die Masse aber ziemlich stark mit Extractivstoff verunreinist war, wurde sie in Wasser gelöst und mit salpetersaurer Quecksilberoxydlösung titrirt; wobei sich ergab, dass in der gewogenen Menge nur 2,15 Grm. Harn- stoff, gleich 0,1542 Proc. Der Rest von 0,475 Grm. muss da- her als Extractivstoff gleich 0,034 Proc. in Rechnung gebracht werden.
Der mit Aether und Alkohol extrahirte Eiweissrückstand wurde nun wiederholt mit heissem Wasser ausgezogen, um die ganze Menge der unorganischen Salze zu gewinnen. Zu der er- haltenen Flüssigkeit wurde die kleine oben erhaltene Menge hinzu gethan, auf ein bestimmtes Volum verdünnt, und in einzelnen aliquoten Theilen theils maass- theils gewichtsanalytisch die Menge unorganischer Bestandtheile bestimmt.
Da Kali in der Flüssigkeit nicht nachgewiesen werden konnte, so muss die geringe Menge Phosphorsäure (es wurden gefunden 0,0875 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia) als an Na- tron gebunden angenommen werden. , Das gefundene Magnesia- phosphat entspricht 0,10304 Grm. wasserfreiem Natronphosphat, mithin 0,074 Proc. ., Die, Schwefelsäure wurde als schwefelsaurer Baryt bestimmt, und erhalten 0,12.Grm.-entsprechend 0,0731 Grm. oder 0,005 Proc. Na0.S03. Der Kochsalzgehalt wurde schliess- lich dureh titrirte Silberlösung ‚bestimmt ‚und erhalten 6,189 Grm, entaprechend 0,444 Proc, NaCl. wir
er Zuckergehalt wurde in einer besondern Mense en hydropischen Flüssigkeit ermittelt, indem zuerst aus über schön, ger\Fehling’scher Lösung das Kupferoxyd zu Oxydul reducirt, und dann dessen Menge mit Chamäleonlösung bestimmt wurde. 76 Grm. Flüssigkeib /önthielten’'0,02443 Grm! eos Pechend 0,032 Proc, ; Zucker, ‚Somit ‘wurden ermittelte. pt:
\s1lor Fibrin: wisol (OLE ER SArEn lot arobunäkkmine ie) gu) 85 | jt9%| ilaPetwino: lol ib) 0,016 Ins ib: „sill,, 20) Js Extractivstoff : 0,034 5
Harnstoff | molırıog 05164 lud orsulem
[3
Zucker 0,032 ©, Schwefelsaures Natron 0,005 hs Phosphorsaures Natron 0,074 a
Kochsalz 0,444 ,„ Wasser 92,465 4 100,000
2. Ueber das Oxalium.
Das im Handel käufliche zweifach oxalsaure Kali scheint häufig nicht nur mit dem vierfach sauren Salz ganz allein zu bestehen. Die Analysen, welche von den Herren stud. phil. Mayer und stud. pharm. Feige mit käuflichem Oxalium an- gestellt wurden, führten zu folgenden Resultaten.
1.) 1,053 Grm. des Salzes wurden in schwefelsaures Salz umgewandelt und gaben 0,355 Grm. KO.SO3 entsprechend 0,1918 Grm. oder 18,21 Proc. KO.
2.) 0,964 Grm. gaben in derselben Weise behandelt 0,333 Grm. KO.SO?, entsprechend 0,1800 Grm. oder 18,60 Proe. KO.
3.) 0,798 Grm. gaben in derselben Weise 0,267 Grm. KO.SO3, entsprechend 0,1442 Grm. oder 18,07 Proc. KO.
4.) 0,546 Grm. gaben 0,185. Grm. KO.SO®, entsprechend 0,09994 Grm. oder 18,30 Proc. KO.
5.) 0,702 Grm. wurden zur Oxalsäurebestimmung mit Chlorcaleium versetzt, mit Ammoniak alkalisch gemacht und ‚so- dann wieder mit Essigsäure angesäuert. Der gefällte oxalsaure Kalk sodann nach dem Auswaschen und Trocknen in kohlen- sauren Kalk übergeführt, und aus dem Gewicht desselben der Gehalt des Oxaliums und Oxalsäure berechnet. Es wurden er- halten 0,5423 Grm. Ca0.CO?, entsprechend 0,3904 Grm. oder 55,62 Prod, C?0%.
6.) 0,938 Grm. gaben in derselben Weise 0,7368 Grm. Ca0.CO?, entsprechend 0,5305 Grm. oder 56,55 Proc. 0203 |
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3... Analyse. eines sul Kalisalzes.!
Das reiche Stassfurter' Steinsalzlagerbietet’ in sehen‘ Sinzer) nen Teufen dem. Chemiker fortwährend Gelegenheit Schichten von besonderer Zusammensetzung zu analysiren:ı« Besonders wich- tig für die Industrie sind; die mehr oder weniger"kalihaltigen Salzschichten, deren Auffindung schon in der Nähe von Stassfurt mehrere Fabriken ins Leben; gerufen hat, welche ..das!in den Salz-
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gemengen enthaltene Chlorkalium nach verschiedenen Methoden von den übrigen Salzen trennen, hauptsächlich deshalb, um das zum Schiesspulver in grossen Mengen verbrauchte salpetersaure Kali auf billigere Weise als bisher darzustellen. Ein solches für den Salpeterfabrikanten ausserordenlich brauchbares Salzgemisch wurde von dem Bergexpectanten Herrn Hörnecke analysirt und ge- funden im Mittel: ;
HO — 6,92 Procent. K0.503 =. 3,54” ,„ KCl — 8010 ,„ NaCl —— 1545.00, MÜl —= 442 „ s Ca0.Ss0? — . (0,06 ,„, 100,04 Procent.
M. Siewerti.
Hypoderas Nitzsch — Hypodectes Filippi.
Im Jahrgange 1861 Bd. XVII, S. 438—444 theilte ich aus Chr. L. Nitzsch’s handschriftlichem Nachlasse die Cha- rakteristik von zwölf unter der Haut verschiedener Vögel leben- der Milbenarten mit, für welche Nitzsch den Gattungsnamen Hypoderas angenommen hatte. Ich vermuthete damals, dass diese Gattung mit Koch’s Dermaleichus identisch sein könnte, finde aber jetzt bei Einsicht in Koch’s Werk diese Vermuthung nicht bestätigt, Dermaleichus gehört einer ganz andern Familie an und Koch kannte keine Hypoderasart.
Dagegen erhalte ich erst jetzt das erste Heft der neuen ita- lienischen Zeitschrift Archivio per la Zoologia l’Anatomia e la Fisiologia Giugno 1861, in welchem de Filippi p. 53— 60; tb. 5. eine neue Milbengattung Hypodectes auf eine Art von Ardea nycticorax begründet und zu derselben noch Arten von Ardea garzetta, von Alcedo und Strix flammea hinzufügt, in Allem fünf Arten. Dieser Hypodectes nun: ist identisch mit un- serem 'Eiypoderas und die abgebildete Art des Nachtreihers mit dem H,. lineatus. Die abermalige Prüfung unserer Spiritusexem- plare’ zur Vergleichung mit de Filippi’s Angaben’ zeigt aller-' dings’ Unterschiede, die jedoch nieht als artliche Differenzen auf- gefasst werden’ können. ‘So habe ich’ die Augenpunkte auf den Vorderhüften' durchaus nicht finden können und es wäre möglich; dass die 'dreissig Jahre lange Einwirkung des Spiritus dieselben beseitigt hat. Vorn auf den braunen Linien‘, ‘welche Nitzsch als! die Grenzlinien der Fussglieder deutet; sitzt rechts und links‘ ei brauner Bogen auf, dessen gegem einander gekehrte Schenkel zweispitzig' enden. Man’ erkennt dieselben‘schon unter einer star- ken Loupe deutlich, aber in den de Filippi’schen Abbildungen ist nichts davon angegeben,
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De Filippi benennt die Arten nach ‘den Wohnthieren, wogegen sich Nitzsch mit Recht entschieden ausgesprochen hat, da von den Schmarotzern sowohl ein und dieselbe Art auf ver- verschiedenen Thieren vorkömmt, als auch ein und dasselbe Wohn- thier verschiedene Arten derselben Gattung nährt. Ardea nycti- corax beherbergt ausser H. lineatus noch H. brevis, ferner Co- lumba nicobarica den H. gonogrammicus und H. exilis. In un- serem Verzeichniss der nach den Wohnthieren geordneten Epizoen in dieser Zeitschrift Bd. XVIIL, S.-289—318 sind Beispiele an- derer Art zu finden. C. Giebel.
Literatur
Allgemeines. Oversigt over det Kongel. danske Vi- denskab.-Selskabs Forhandl. etc. i Aaret 1861. No. 1—6. Jan. bis Jun. Naturwissenschaftlicher Inhalt. — S.69—86. Prof. Steenstrup’s Mittheilung eines Ueberblicks über die in den Kopen- hagener Museen vorhandenen Dintenfische aus dem offnen Meere (1860—61). Darunter, 1..S. 70—72, über die Cranchia-Familie und „Gattung, 2. S. 72—76, Cranchia scabra Leach, 3. S. 76—77, Cr. Rein- hardtii (Stp.) 4. 77-80. Cr. megalops Prosch. 5. 8. 80-83. Lea- chia ellipsoptera (Adams und Low. Reeve.) 6. 8.83—85. Taonius hyperboreus (Stp.) S. 85—86. — 8. 87—93. Prof. Holten’s Mitthei- lung der Resultate seiner Untersuchungen über die Regenverhältnisse in:Nordamerika. — S. 100-134. Doc. Thomsen, über die allge- meinen Charactere der chemischen Processe und eine auf diese ge- gründete Affinitätslehre. — 8. 135—154. Prof. Reinhardt, Beiträge zur Kenntniss des grossen an den Quellen des weissen Nils entdeck- ten Watvogels, Balaeniceps Rex, und namentlich über seine Verwandt- schaften. — 8. 159 -162. Staatsingenieur Colding’s Mittheilung der durch’ eine Untersuchung’ der Wässerspiegelformen, welche sich in prismatischen und cylindrischen Wasserleitungen bilden, wenn, die Wasserleitung durch die ganze Länge. der. Leitung constant ist, ‚ge- wonnenen! »Resultate. — : 8. 163-164. |,Prof. Steenstrup zeigte, ei- nen ungewöhnlich grossen Kopf. vom Ursus Arctos L..,vor,: welcher, aus''einem 'Torfmoor auf Fünen ausgegraben worden! war, und theilte geolögisch -zoologische; Bemerküngen über ‚den; Fund mit.,-—.18.213 —224..Vaupell, Beitrag zur Morphologie’ des Oedogonium. regulare, sibi.: Dazu eine Taf. „Prof. Kröyer, welcher. .sich in. ‚der; letzten Zeit'mit einer erneuerten Bearbeitung der grönländischen Amphipo- den nach: dem ihm zu, Gebote. stehenden Materiale beschäftigt hat, legte: alsı Probe dieser, Arbeit, ‚eine, monographische Behandlung der Gattungen Oedicerus und Ampelisca. vor. Die erste derselben: tritt mit bedeutendem Formreichthum in dem. nordischen ‚Meer auf; ‚der
&
237. beschreibt 10 grönländische Arten, welche ihm alle von den im skandinavischen Meere bisher gefundenen Arten verschieden zu sein scheinen. Unter der Gatt. Ampelisca, von welcher man bis jetzt nur 2 grönländische Repräsentanten kannte, handelt der Verf. auch von den ihm bekannten dänischen Arten. In den detaillirten Beschrei- bungen wird beständig Rücksicht auf die Mundtheile in allen Ein- zelnheiten des Baues genommen, und lateinische Diagnosen, Ausmes- sungen und die nothwendigen Zeichnungen begleiten dieselben.“ — S. 225-229. Prof, Forchhammer, Verzeichniss der in den Samm- lungen‘ der Universität vorhandenen Meteoriten. Meteorologische Ta- bellen von Januar bis Juli 1861 inclus. Creplin.
G. Ramann, die Erdbildung oder die Entstehung und Zusammensetzung der Erdrinde. Allgemein fassliche Darstel- lung der unorganischen Chemie in ihrer Beziehung zur Geologie so- wie der Mineralogie und Geognosie, 3. gänzlich umgearbeitete Aufl. Erfurt 1863. 8°. — Der allgemeine Titel scheint nur von den frü- hern viel enger begrenzten Auflagen auf diese herübergenommen zu sein und passt hier in sofern weniger, als die Mineralogie und Pe- trographie nunmehr den überwiegenden Theil des Buches ausmachen. Dasselbe ist in dieser Bearbeitung ein recht zweckmässig eingerich- teter Leitfaden, welcher in leicht fasslicher Darstellung so viel bie- tet als nur irgend der Schulunterricht bewältigen kann und wir wün- schen, dass er auch in dieser neuen Gestalt den verdienten Beifall ° der Lehrer und Lernenden finden möge.
Astronomie und Meteorologie. A. Mühry, klima- tographische Uebersicht der Erde in einer Sammlung. authen- tischer Berichte mit hinzugefügten Anmerkungen zu wissenschattli- chem und zu praktischem Gebrauch. Mit einem Appendix und drei Kartenskizzen, Leipzig und Heidelberg 1862. 8°. — Verf. stellt die Witterungsberichte aller Länder in der Reihenfolge der Zonen von der heissen zur polaren und innerhalb dieser nach den natürlichen Gebieten aus den authentischen Berichten zusammen ‘und. webt all- gemeine Betrachtungen hie und da ein. Im Appendix behandelt er die nördliche Polarzone, die beiden Passate in Europa, die südliche Polarzone, ein neues Atmometer und ein System der; grossen Meeres- strömungen. Das Buch füllt eine sehr wesentliche und empfindliche Lücke in unsrer Literatur aus und wird jedem Manne von Fach, Je- dem,, der es ernstlich mit dem Studium der Naturwissenschaft über- haupt meint ein höchst willkommenes Nachschlagebuch sein. Die Quellen, aus welchen Verf. schöpfte sind überall angeführt und ge- wissenhaft benutzt. Die Angaben natürlich nur die mittlen Beobach- tungen und das Gesammtgebiet der Klimatologie betreffend.
Simonmett, meteorologische Beobachtungen in Splügen 4833‘ Meereshöhe, auf dem Bernhardiner Passe 6887‘ und Albertini auf dem Julier 7473‘ wäbrend 1860 und 1861. Sp., B. und J. bezeich- nen die Orte für die nachfolgenden Spalten, welche nur die Monats-
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mittel angeben, das Thermometer ist R, die Niederschläge sind all- gemein nach Anzahl der Tage angegeben:
Temperatur. Niederschläge.
Sp. B. J. Sp. ’IBIDWII Januar —6,10 —415 — 5,8 5 1 7 Februar 0,58 —2,31 —10,7 11°%,10 7 März —0,69 —3,43 — 74 "20: 12 4 April 2,23 —0,90 — 2,6 14 5 ? Mai 5,92 2,38 2,8 155 12 7 Juni 9,36 7,36 5,3 2177113 78116 Juli 9,73 7,08 4,8 16-1012 schl August 11,74 9,33 5,8 6 Dil! September 7,67 4,97 4,7 13 9,5 October 5,21 3,39 1,1 5 3 8 November 0,36 —2,35 — 3,9 11 8 9 December —3,88 —5,01 — 7,8 4 1 9 Jahresmittel 3,41 1,362. 61 141 _91 104
Die niedrigste Temperatur war in Splügen im Januar und December —17,8, auf dem Bernhardin im März —13, auf dem Julier —22,5, die höchste in derselben Reihenfolge der Orte im August 23, im Au- gust 17, im Juni 16%. — (Graubündener Jahresbericht VIl. 121—124.)
Fr. Simony, Wärmeverhältnisse Wiens. — Nach den Beobachtungen auf der Sternwarte von 1775—1850 liegt die Mittel- temperatur zwischen Januar — 1,4 und Juli 16,70, doch kommen Jahre mit geringern Extremen vor. Das mittle Minimum ist —11° und das Maximum 27°. Am 14. Juli 1832 stand das Thermometer im Schatten auf 31° am 22. Januar 1850 sank es auf — 20,4% herab, das sind die beiden beobachteten äussersten Extreme. Die mittle Jahres- temperatur stellt sich auf 8,10, die von London auf 8,4, Brüssel 8,1, Paris 8,6, Mailand 9,7, Nizza 12,5, Gibraltar 14,3, Kopenhagen 6,4, Berlin 7,0, Petersburg 3,4, Konstantinopel 11,8, Ragusa 13,00. In Wien schwankt das Mittel um 1,5 höher und tiefer. — (Mittheilungen de geogr. Gesellsch. V. 37). Y
Feuerkugel in Norddeutschland am 7. Januar 1863. — Dieselbe wurde laut Zeitungsnachrichten an den verschiedensten Orten (Stettin, Halle u. a.) beobachtet und berichtet ein Beobachter in der Magdeburger Zeitung darüber also: Mitwoch Abend, etwa 38 Minuten vor 7 Uhr übergoss eine plötzliche Helle den östlichen Him- mel in der Richtung von Norden her; es war ein starkes, intensiv rothes Licht, so dass die Sterne, welche kurz zuvor in hellem Glanze am östlichen Himmel funkelten, unsichtbar gemacht wurden. Auf der Erde verbreitete sich ein heller Lichtschein, als wenn plötzlich eine Feuersbrunst in der Nähe aufginge. Die ganze Erscheinung währte vielleicht drei Sekunden, war am stärksten im Norden, etwa in der Höhe des Polarsternes, doch etwas östlich. davon, und zog mit grosser Schnelle über den ganzen östlichen Horizont. "Einige Augenzeugen wollen einen Feuerball in der Grösse der halben Mond -
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fläche geseher haben, der schnell senkrecht herniederfiel und in ei- nem Feuerregen, sternschuppenartig endigend, ihren Blicken ent- schwand. Letzteres habe ich nicht gesehen, da mein Auge zuerst nach Osten gerichtet war, ein Steueraufseher an der Hohenpforte, den wir nach seiner Wahrnehmung fragten, hat die Feuerkugel ge- sehen, und von jemand, der sich um die Zeit auf dem Fort Scharn- horst befand, habe ich diese Wahrnehmung bestätigen hören. Simmler, Beobachtung des Zodiakallichtes bei Chur. — Am 19. September 1861 war es bereits um 6 Uhr so dunkel, dass alle Sterne 5. Grösse deutlich erschienen, auch die Milchstrasse. Nach W. zeigte sich ein verwaschener heller Schimmer, am westlichen Ende des Calanda breit aufsetzend und schief am Himmel aufsteigend und bis gegen die Plejaden sich zuspitzend. Die Intensität des Scheines war etwas geringer wie die der Milchstrasse in der Gegend des Schwanes. Diese kosmische Helligkeit war gegen den Horizont zu von dem Sternbilde des Wallfisches, gegen den Zenith hin vom Pe- gasus und Widder eingeschlossen. Hie und da liess sich ein Zucken erkennen. In mondfreien Nächten des Februar wurde dieser Schein wiederholt beobachtet. — (Graubündener Jahresber. VII. 126). Physik. O. Dammer, Fluorescenz der Wärme — Auf einer Pfütze schwammen Eichenblätter, die bei eintretendem Froste eingefroren. Nach und nach hatte sich alles Wasser in Eis verwan- delt. Als nun im Februar die Eisfläche von der Sonne warm be- schienen wurde, fand D. unter jedem Blatte eine die ganze Eismasse durchsetzende ein getreues Bild von dem Blatte gebende Höhlung. Als ferner vom Neuen der Frost eintrat, durch den die Blätter fest- froren, dann aber das Wasser stieg und endlich noch zu Eis gefror, fand D. bei später eintretender Wärme, dass die über den Blättern liegende etwa einen Zoll dicke klare Eisschicht von den Sonnenstrah- len nicht aufgethaut wurde, während sich unter den Blättern die oben beschriebenen Höhlungen zeigten. D. glaubt, dass hier ein ganz ähnlicher Fall vorliegt, wie der von Melloni entdeckte und von Salm-Horstmar erwähnte [Zeitschr. f. die ges. Naturwissensch. Bd. 18, 8. 414]. — (Pogg. Ann. Bd. 115; 1862. S. 658.) Hhnm. Dove, über das Hörbarmachen von Beitönen durch Interferenz. — Von gleichzeitig erregten Tönen ungleicher Stärke können die schwächeren entweder dadurch, dass man sie durch Mit- tönen anderer Körper verstärkt oder dadurch, dass man die Inten- sität der stärkeren vermindert, hörbar gemacht werden. Das Mit- tönen ist der Grund, dass unter dem Einflusse des Tagesgeräusches an das Ohr gehaltene Muscheln, ebenso Röhren von einer bestimmten Länge und Weite einen Ton von bestimmbarer Höhe hören lassen, weil von den das Geräusch zusammensetzenden Tönen eben nur die von bestimmter Höhe verstärkt werden. Des Mittels der Schwächung des stärkern Tones hat sich Savart bedient, indem er bemerkt, dass wenn man sich während eines Geräusches einem Gegenstande nähert, der wie z. B. eine Mauer dasselbe zurückzuwerfen im Stande ist,
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aus diesem Geräusche ein Ton hervortritt, dessen Höhe mit zuneh- mendem Abstande des Ohres von dem refleetirenden Körper allmäh- lig tiefer wird, bei abnehmendem dagegen höher. Die bei gemessenen Abständen wahrgenommenen Töne entsprechen der Annahme einer Interferenz der vom tönenden Körper ausgehenden und der von der Mauer reflectirten Wellen einer aus der Tonhöhe folgenden Wellen- länge. Um dies Princip für musikalische Töne anzuwenden, schraubte D. auf einen mittönenden Kasten 2 Stimmgabeln, von denen die eine das tiefere A der Scheibler’schen Scala gab, die andre mit jenen Schwebungen von 3!/, Secunden Dauer machte. Wenn jede für sich den Grundton gab, so hörte man von der mittönenden höhern Octave nichts; sie trat aber vollkommen deutlich hervor, in den Momenten, wo die Schwebungen den Grundton unhörbar machten. D. stellte noch folgenden Versuch an. Er nahm zwei Kasten für Marlay’sche Stimmgabeln bestimmt, die so neben einander gestellt wurden, dass ihre Längenaxen in eine gerade Linie fielen, ihre einander zugekehr- ten Oeffnungen aber so weit von einander abstanden, dass die ab- geschraubte horizontal‘ gehaltene Stimmgabel von oben so in die Oeffnung hineinbewegt werden konnte, dass die über einander ste- henden Zinken in eine lothrechte Ebene fielen. Bei Annäherung der Gabel tönten der Kasten zuerst mit der die Zinken äusserlich be- rührenden Luft, dann durch die zwischen den Zinken befindliche. Da nun diese sich verdichtet, wenn jene sich verdünnt und umge- kehrt, so tritt bei dem Herabbewegen der Stimmgabel ein Punkt ein, wo der erregte Thon verschwindet. Dieser Gegensatz der innern und äussern Luft findet in gleicher Weise für den Grundton und seine Beitöne statt. Schlägt man daher die Stimmgabel so an, dass mit dem Grundtone einer oder mehrere Grundtöne laut mitklingen, so verschwinden sämmtliche an der Stelle, wo der Grundton unhörbar wird. — Ueberhaupt ist die Anwendung der Interferenz ein geeigne- tes Mittel um manche Eigenthümlichkeiten des Tones bemerkbar: zu machen. Nach W. Weber giebt ein und dieselbe Saite ausser ‚den Flageolettönen zwei und vielleicht mehrere direct nicht bemerkbare Grundtöne; nach Seebeck liegt der Grund vielleicht darin, dass der Querschnitt der Saite nicht kreisförmig ist. ‘Der Querschnitt. der Stimmgabeln ist in der Regel nicht quadratisch. Schraubt man da- her eine Stimmgabel auf einen Resonanzboden und erregt durch Aen- derung der 'Streichungsebene zwei etwas verschiedene Schwingungs- systeme, erzeugt man ferner durch eine andere ihr in der Höhe nahe stehende Schwebungen, so erhält man zwei Intervalle der Hörbarkeit, die sich in ihrer Dauer ‚etwas unterscheiden. In einem solchen Falle kann dann die im Moment der Stille sanft hervortretende höhere Oc- tave vollständig verschwinden gegen den stärkern vom ‚Grundton etwas verschiedener tiefen Ton. Man hört dann die Schwebung im Maximum der Stärke als eine doppelte. —(Pogg. Ann. Bd. 115,5: 1862. $. 650.) Hhnm.
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Mohr, die Endigungen der Blitzableiter. — Da die Bodenableitungen der Blitzableiter auf die Dauer keinen Schutz ge- währen, weil kein Metall dem nagenden Einfluss des Wassers und der Kohlensäure widersteht, das Anlegen von Brunnen und die Anwen- dung’'edlerer Metalle als Eisen zu kostspielig ist, ausserdem an den Löthstellen des Eisens mit edleren Metallen sobald sie benetzt wer- den galvanische Ströme entstehen, welche der Ableitung entgegen- wirken, und auch die Anwendung von feuchten Kohlengruben das Rosten des Eisens nicht verhindert, schlägt M. vor. die Blitzableiter mit eisernen Wasserleitungsröhren oder Abzugskanälen in Verbindung zu setzen, da es vor dem Gewitter gewöhnlich zu regnen pflegt, und dadurch die nöthige Wassermenge ohne menschliches Zuthun zur Ab- leitung vorhanden sei. Auch könnte man die Enden der Blitzableiter mit zolldicken Eisenplatten, die gleichzeitig als Trottoirs dienen in Verbindung setzen. — (Pogg. Ann. CXVI, 181.) St.
Rüdorff, das Gefrieren des Wassers aus Lösungen. — R. beobachtete früher dass die Erniedrigung des Gefrierpunktes des Wassers proportional dem Salzgehalt der Lösung sei, dass man aber nur bei einigen Salzen namentlich den Chloriden die Beziehung nach- zuweisen, annehmen müsse, dass diese mit einer bestimmten Menge Wasser verbunden sich in der Lösung befände. Dufour in Lausanne trat darauf mit der Beobachtung auf, dass das aus Lösungen ausfrie- rende Eis nie Salzfrei sei, sondern feine Salzkrystalle umschliesse, welche er allerdings selbst mit dem Mikroscop nicht habe entdecken können. R. weist diese Ansicht damit ab, dass er sagt, wenn ein Salzkrystall mit Eis zusammenkommt, wird beides flüssig unter Tem- peräturerniedrigung, es wird sich also auch wahrscheinlich kein Salz- krystall unter Umständen bilden, unter denen er nicht bestehen kann. Versuche mit den Lösungen des dichroitischen Magnesiumplatiney- anür unterstützten den Beweis. Ferner wenn man eine übersättigte Lösung von Glaubersalz unter den Gefrierpunkt abkühlt, so scheidet sich nur Eis aus, wenn man ein Eisstück, nur Salz, wenn man ein Stück Glaubersalz hineinwirft. Das spec. Gew. beider Ausscheidungen lässt sie sehr gut von einander unterscheiden; würde aber im ersten Falle neben Eis auch nur eine geringe Menge Salz ausgeschieden, 80 hätte, da es eine übersättigte Lösung, alles Salz auf einmal ausge- schieden worden sein müssen. Bei den Abkühlungen unter den Ge- frierpunkt muss man die Erniedrigung nur allmälig unter Umrühren stattfinden lassen. Aus dem Quotienten = (worin T = den Gefrier- punkt, M die in 100 Grm. Wasser gelöste Salzmenge bezeichnet) fand R., dass erstens die Erniedrigung des Gefrierpunktes in einfacher Pro-
m j portion stände, die Zahl m; eine constante Zahl sei, und schwefelsau-
res Kali, schwefelsaures Natron, Bromkalium und Jodkalium als Was- serfreie Salze auf die Erniedrigung des Gefrierpunktes wirkten. Bei andern mit Krystallwasser krystallisirenden Salzen fand er den Quo-
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üienten 7, eine zunehmende Reihe darstellend. Er wurde dadurch zu
der Annahme geführt, dass sich diese Salze bei ihrer Lösung in Was- ser mit einer andern Atomzahl Wasser verbänden, als bei ihrer Ab- scheidung in festem Zustande. Er fand nach den von ihm anfgestell- ten Formeln, dass Manganchlorür, welches mit 4 At. Wasser krystalli- sirt, sich in Auflösung-mit 12 At. HO verbunden befindet, dass Brom- natrium und Jodnatrium sich nicht als wasserfreie Salze sondern mit 8 At. HO, Kupferchlorid mit 12 At. HO, Ammoniumkupferchlorid nicht mit 2 sondern 4 At. HO verbunden in Lösung befinde; und das un- ter diesen Atomen der Coeffizient der Erniedrigung des Gefrierpunk-
T tes nach der Formel M eine constante Zahl sei. Auch bei den ver-
dünnten Lösungen freier Säuren und Alkalien fand er die Erniedri- gung des Gefrierpunktes nicht abhängig vom Gehalt an wasserfreier Substanz, sondern des damit verbundenen Hydratwassers. Salzsäure soll mit 12 At. HO, Jodwasserstoffsäure mit 8 At. HO, Schwefelsäure und Salpetersäure mit 10 At. HO, Natron mit 4 At. HO, Kali mit 5 At. HO, Ammoniumoxyd mit 2 At. HO verbunden sein. Es folgt so- mit aus den Versuchen, dass in den meisten Fällen ein Salz erst bei seiner Abscheidung aus der Lösung eine bestimmte Menge Wasser aufnimmt, mag es als wasserfreies oder wasserhaltiges Salz gelöst gewesen sein. In den meisten Fällen ist der Wassergehalt der Kry- stalle und des gelösten Salzes übereinstimmend, in andern der des letztern ein Multiplum von dem des erstern. Bekanntlich geht die blaue Farbe einer Kupferchloridlösung bei zunehmender Concentra- tion plötzlich in Grün über, woraus man schon früher auf eine Ver- änderung in der Constitution des Salzes schloss. Die Gefrierversuche beweisen diese Ausnahme. In den blauen Lösungen ist CuCl + 12 HO in den grünen Lösungen CuCl + 4HO enthalten, welche Verbin- dung dann aus der grünen Lösung krystallisirt. — (Pogg. Ann. CXVI.
55.) Swt. Plücker, über recurrente Ströme und deren Gasspec- tra. (Fortsetzung). — RBecurrente Ströme geben wie gewöhnlich
Entladungen, ihre Existenz durch Wärmeerregung kund, die oft bis zur Lichterscheinung gesteigert ist. Sie wirken nicht auf die Gal- vanometernadel. In weiten Röhren ist die Erscheinung am Effectvoll- sten, aber ist noch bedeutend genug, wenn der Strom durch ein fei- nes Capillarrohr geht. Alsein recurrenter Strom in äquatorialer Rich- tung auf die einander genäherten Halbanker eines grossen Elektro- magneten ging, trennte sich die Lichtlinie in ihrem Innern in zwei fast mathematische Lichtlinien die über einander liegend durch eine schwarze Linie getrennt waren. Viel intensiver werden die fragli- chen recurrenten Ströme und die sie begleitenden Lichterscheinungen wenn eine evacuirte Glasröhre, die in ihrer Mitte eine dünne isoli- rende Scheidewand an ihren Enden eingeschmolzene Electroden hat, hergestellt wird und gleichzeitig die beiden Electroden mit den bei-
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den Drahtenden. der Inductionsrolle in Verbindung gesetzt werden. Die Lichterscheinung ist in beiden Hälften der Röhre gleich intensiv, indem jede Electrode die Erscheinung des eintretenden und des aus- tretenden Stromes darbietet. Auch hier war bei aequatorialer Stel- lung eine Trennung des Stromes bemerkbar. In der Nähe der Scheide- wand zeigt der recurrente Strom eine dunkle Stelle. Bei dem elec- trolytischen Strome ist die Inductionswirkung in jedem Theilchen von einer chemischen Zersetzung desselben begleitet. Ein Wassertheil- chen zerfällt in Sauerstoff, den Träger der negativen, und in Was- serstoff, den Träger der positiven Electricität. Mit der Wiederaus- gleichung der positiven Electrieität des vorhergehenden mit der ne- gativen des nachfolgenden Theiles ist immer die chemische Wieder- vereinigung der Träger dieser Electrieitäten zu einem neuen Wasser- theilchen verbunden. Bei metallischen Leitern findet die Ausgleichung durch blosse Entladung, Blitz, statt, zwischen zwei aufeinander fol- genden Körpertheilchen. In Isolatoren findet sie ebenfalls successive in den auf einander folgenden Theilchen statt, in welchen die Ver- theilung erfolgte. Hiefür spricht der Versuch, dass trockner Quarz- sand von geriebenem Glas oder Siegellackstangen angezogen wird. Das Vorhandensein eines solchen Stromes scheint ferner bewiesen durch die Molecularthätigkeit, die wir im Glase beobachten, das vom Inductionsfunken durchbohrt ist. Das reinste Beispiel recurrenter Ströme bieten die electrischen Lichtausstrahlungen dar, die in gas- verdünnten Räumen von den einzelnen Punkten der negativen Elec- trode divergirend nach den umgebenden Glaswandungen hingehen, und von diesen wieder zur Electrode zurückkehren. Jedes divergi- rende Büschel concentrirt sich unter der Einwirkung des Electromag- neten zu einer hellen Lichtlinie.e Wenn recurrente Ströme das ver- dünnte Gas der Capillarröhre glühend machen, so kommt dies von keiner chemischen Wirkung her, sondern muss der Wärme des Stro- mes zugeschrieben werden, der auf seinem Wege zurückkehrend, zwei- mal die gleiche Wärme entwickelt. — (Pogg. Ann. CXVI. 27). St. Chemie. a. Theoretische. F. Beilstein, über die Einwir- kung des Jodphosphors auf Glycerinsäure. — Da Propion-, Milch- und Glycerinsäure in einer einfachen Reihe stehen, so liess sich vermuthen, dass Glycerinsäure aus der Milchsäure sich ebenso würde erhalten lassen, wie diese aus der Propionsäure. Wenn man Brom in zugeschmolzenen Röhren auf 1000 erhitzt auf Milchsäure wirken lässt, so entsteht eine syrupdicke Masse und beim Oeffnen entweicht Koh- lensäure, ohne dass jedoch das gewünschte Resultat erhalten war. Jetzt wurde versucht umgekehrt aus Glycerinsäure Propionsäure oder Milchsäure zu erhalten. Die Glycerinsäure wurde nach Debus’ Me- thode dargestellt, indem Glycerin mit Salpetersäure behandelt wurde, aus dieser Flüssigkeit wurde dann das Kalksalz und durch Zersetzen desselben mit Oxalsäure Glycerinsäure erhalten; besser ist es wenn man das Bleisalz darstellt und dieses durch Schwefelwasserstoff zer- setzt. Bei Einwirkung von Jodphosphor auf diese Säure entweicht
88 Jödwasserstoff nebst knoblauchartig riecheiden entzündlichen Däm- pfen, während im Kolben eine krystallinisch erstarrende weisse Masse zurückbleibt. Löst man diese in heissem "Wasser, so erhält man beim Erkalten Jodpropionsäüure €3H; Js. Sie krystallisirt klino- rhombisch, ist löslich in Alkohol und Aether und ihre Salze sind dürch Kochen mit Wässer leicht zersetzbar. Wird eine Lösung von Jodpropionsäure in Alkohol mit Salzsäufegas gesättigt, so scheidet sich ein öliger Körper ab, der einen Aether der Jodpropionsäure dar- stellt. Die Entstehung der Jodpropionsäure aus Glycerinsäure findet in folgender Formulirung ihren Ausdruck: £&; HH 04 1 PJa = C3H;J&3 + HJ + Ps», wo denn die Gruppe P®, unter Wasseraufnahme zu Phosphorsäure und Phosphorwässerstoff zerfällt. Milchsäure konnte aus der Jod- propionsäure durch Kochen mit Alkalien nicht erhalten werden. Beim Versetzen der Jodpropionsäure mit Silberoxyd wird Jodsilber gefällt und in der Flüssigkeit befindet sich das Silbersalz einer Säure, die mit der Milchsäure isomer zu sein scheint, deren Salze aber von de- nen der Milchsäure total verschiedene Eigenschaften haben. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXX. 226.) B. Si E. Chevreul, über Nachweisung kleiner Mengen oxal- sauren Kalks durch salpetersäures Silberoxyd. — Vermöge einer umständlicheren Methode hatte Verf. früher in dem Schweisse der Schaf- nnd Alpacawolle oxalsauren Kalk nachgewiesen. Er fand jetzt, dass sich der oxalsaure Kalk leicht durch salpetersaures Silber- oxyd in salpetersauren Kalk und oxalsaures Silberoxyd umsetzt. Däs letztere giebt bei der Behandlung mit verdünnter Salzsäure Chlor- silber und zu krystallisirende Oxalsäure. Ausser kohlensaurem Kalk, phosphorsaurer Ammoniak-Magnesia, Silicat und oxalsaurem Kalk fand Verf. in dem Schweisse noch einen Körper, welcher bei der Destil- lation Ammoniak entwickelte und doch nur oxalsäurer Kalk war. Er untersuchte daher einige Eigenschaften des oxalsauren Kalkes, und fand, dass die Schwefelsäure den oxalsauren Kalk bei einer 100°. nahe liegenden Temperatur vollständig zersetzt, ohne dabei die Oxal- säure zu zerlegen. Dann, dass der oxalsaure Kalk nach dem Lösen in Salzsäure und Fällen mit Ammoniak eine Verbindung giebt, die bei der Destillation Ammoniak entwickelt. Endlich, dass auch nicht concentrirte Salzäure aus dem neutralen Oxalat ein saures bildet. — (Journ. f. prakt. Chem. Bd. 84, p. 453.) 0. K. J. Erdmann, zum Nachweis organischer Alkaloide. — E. stellt folgende Reactionsreihen in Bezug auf Morphium, Nar- cotin, Strychnin, Brucin und Veratrin auf: I. Concentrirte Schwefelsäure mit etwa 6 Tropfen Salpetersäure von 1,25 specifischem Gewicht zu 100 CC. verdünnt: 1. Morphium: violettroth nach Zusatz von 2—3 Tropfen Wässer stark violettblau. 2. Narcotin: zwiebelroth, durch Zusatz von Wasser schneller her- beigeführt.
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3. Stryekhin: unverändert.
4. Brucin: zuerst roth, dann gelb.
5. Veratrin: gelb, nach Zusatz von Wasser blutroth. II. Concentrirte Schwefelsäure und Braunstein:
1. Morphium: mahagonibraun.
2. Narcotin: gelbroth bis blutroth.
3. Strychnin: violettpurpurn bis dunkel zwiebelroth.
4. Bruein: zuerst roth, dann gelb.
5. Veratrin: dunkelschmutzig kirschroth. Werden diese Lösungen mit Wasser verdünnt und mit Ammoniak dem Neütralisationspunkte nahe gebracht, so zeigen sie folgende Reaction:
1. Morphium: schmutzig gelb.
2. Narcotin: unverändert roth.
3. Strychnin: unverändert.
4. Brucin: goldgelb.
5. Veratrin: matt braun. Nach Uebersättigung mit Ammoniak giebt die Lösung von 1. eine braunrothe Färbung, ohne Niederschlag, 2. dunkelbraunen Niederschlag, 3. gelbgrünen, 4. gelben, 5. grünlichbraunen Niederschlag. Alle auf- tretenden Farben werden durch verdünnte Schwefelsäure haltbarer. — (Ann, d. Chem. u. Pharm. 0XX. 188.) B. 8.
C. Friedel und V. Machuca, über Brombuttersäure. —Brombuttersäure kann man in ziemlicher Menge erhalten, indem man 1 Aequivalent Buttersäure auf 2 Aequivalente Brom in zuge* schmolzenen Röhren bei 1300 wirken lässt; bei höherer Temperatur entsteht nur eine schwarze Masse, die hauptsächlich Kohle und Bern- steinsäure enthielt. Die Auf jene Weise erhaltene Brombuttersäure wurde mit Silberoxyd behandelt, worauf die vom Bromsilber abfiltrirte Flüssigkeit nach dem Sättigen mit Zinkoxyd ein Salz ergab, das die Zusammensetzung des butylmilchsauren Zinks hatte: €4H-Zn®3, sich jedoch dadurch von ihm unterschied, .dass es immer nur beim Kry- stallisiren in wärzenförmigen Massen und nie in Schuppen erhalten worden. Man kann dieser neuen Säure passend den Namen Oxybutter- säure beilegen. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CAX, 279.) B. 8.
A. Geuther und E. Forsberg, über krystallisirte wol-
framsaure Salze, insbesondere künstlichen Wolfram. — Aethnlich wie Manross durch Zusammenschmelzen von wolframsaurem Natron mit einem Ueberschuss von Chlorcaleium und Chlorblei Schee- lit und Scheelbleierz darstellte, so gelingt es auch, namentlich wenn man noch Kochsalz anwendet, fast alle natürlichen Wolframverbindun- gen kryställisirt zu erhalten. So wurden erhalten: wolframsaurer Bäryt BaO W000, in grossen farblosen Oktaödern, wolframsaure Mag- nesia MgOWo0O; ebenfalls oktaödrisch, wolframsaures Zinkoxyd in quadratischen Säulen wnd wolframsaures Manganoxydul MnO Wo 0: und wolframsaures Eisenoxydul FeO W00; in orthorhombischen Kry* stallen. Man erhält Doppelsalze der beiden letztern, indem man wol- fratsaures Natron, Chlormangan, Eisenchlorür und Kochsalz in einem
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Tiegel zusammenschmilzt. Sie entsprechen mehr oder weniger na- türlich vorkommenden Verbindungen. So wurde erhalten: 7(MaOWo00;) + FeOWo0;, 2(MnOWo0;) + FeOWoQO,, 2(MnO Wo0;) + 3(FeOWo00;), MnOWo0; +4(FeOWoO;), MnO Wo0; + 7(FeO WoO;), je nach den angewandten Mengen der einzelnen Theile. Von den verschiedenartigen krystallisirenden Salzen, Kalk- und Magnesiasalz einerseits, Mangan- und Eisensalz anderseits liessen sich keine Doppelsalze erhalten. Durch Zusammen- schmelzen von wolframsaurem Natron, Chromchlorid und Chlornatrium lässt sich kein krystallisirtes wolframsaures Chromoxyd darstellen; auch krystallisirtes wolframsaures Silber konnte nicht erhalten wer- den. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXX, 270.) BES: H. Landolt, über Stibmethyl-Verbindungen. — Bei der Einwirkung von Jodmethyl auf Antimonnatrium erhält man leicht bei der Destillation einen krystallinischen Körper, welcher eine Ver- bindung von Jodmethyl mit Stibmethyl (Stibmethyliumjodid) (Sb(€2H3)sJ) ist. Durch Wasser von überschüssigem Jodmethyl getrennt und von neuem mit Antimonkalium erhitzt, erhält man reines Stibmethyl, es ist eine wasserhelle, leicht bewegliche Flüssigkeit von unangenehmem zwiebelartigen Geruche, spec. Gew. 1,523 bei 15°C. und Siedepunkt 80,6°C. bei 760 Mm. Bar., es ist äusserst leicht entzündbar. Es ist wie das Stibäthyl ein zweiatomiges Radical, und vereinigt sich direct mit 2 Atomen Sauerstoff, Schwefel, Chlor ete. Das Oxyd (Sb(€,H32)303 wird am besten durch Zersetzung des schwefelsauren Salzes mittelst Baryt erhalten, die wässrige Lösung desselben giebt mit Chlorwasser- stoffsäure einen krystallinischen Niederschlag von Stibmethylehlorid Sh(€H;); Cl. Die wässrige Lösung des Oxydes giebt mit einigen Metallsalzen Niederschläge mit andern nicht. Bei der langsamen Oxydation des Stibmethyls an der Luft entsteht kein reines Oxyd, es tritt zugleich eine Zersetzung ein. Das Sulfid kann direct durch Erwärmen einer ätherischen Lösung des Radicals mit Schwefel, oder durch Einwirkung von Schwefelwasserstoff auf eine verdünnte wäss- rige Lösung des Oxyds erhalten werden, es bildet kleine glänzende Schuppen. Das Chlorid Sb(&H3;);Clz entsteht als weisser Körper beim Einleiten von Chlor in eine Lösung von Stibmethyl in Schwefelkoh- lenstoff. In Chlorgas getropft entzündet sich das Stibmethyl. Das Bromid und Jodid sind ebenfalls krystallinische Verbindungen. Die Oxyhaloidverbindungen des Stibmethyls können nach dem von Stre- cker zur Gewinnung der entsprechenden Aethylkörper angegebenen Verfahren erhalten werden. Versuche, Haloidverbindungen einatomi- ger Säureradicale an Stibtrimethyl zu binden, führten zu keinem Re- sultate. — 2. Ueber die Titrirung des Eisens mittelst un- terschwefligsaurem Natron. Die Methode, das Eisen als Chlo- rid in Lösung durch unterschwefligsaures Natron zu bestimmen, wurde von Mohr verworfen, da man stets zuviel des letzteren Salzes braucht, weil es durch die in der Eisenchloridlösung stets überschüssig vor- handene Salzsäure sofort zersetzt wird. Verf. berichtet, dass Essig-
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säure dagegen das unterschwefligsaure Natron erst nach mehreren Stunden zersetzt, und man daher bei Beachtung einiger Vorsichts- massregeln folgende Methode anwenden könne. Die zu prüfende Eisenverbindung wird in Salzsäure gelöst, essigsaures Natron zuge- setzt bis sich die rothe Farbe des essigsauren Eisenoxydes zeigt, dann wieder bis zum Verschwinden derselben Salzsäure zu getröpfelt, dann unterschwefligsaures Natron zugesetzt bis die dunkle Farbe wieder eintritt. der Ueberschuss des letztern wird nach Zusatz von Stärke- kleister durch Titriren mit Jodlösung bestimmt. 3. L. Lamers, No- tiz über Jodschwefel. Es ist bekannt, dass man Jod und Schwe- fel in allen möglichen Verhältnissen zusammenschmelzen kann, man "erhält aber nach H. Rose bei Sublimation eines Gemenges von Jod und Schwefel kein Produkt von constanter Zusammensetzung. Nur Guthrie hat die Bildung von Jodbisulfid bei Einwirkung von Jodäthyl auf Halbchlorschwefel beobachtet. Verf. fand, dass bei langsamer Verdunstung verschiedener Gemenge von Jod und Schwefel, gelöst in Schwefelkohlenstoff, Krystalle resultiren, welche ziemlich constant auf 96 pC. Jod ApC. Schwefel enthalten, die man daher als Dreifach- Jodschwefel ansehen kann. Sie verlieren aber schon beim längern Liegen an der Luft sämmtliches Jod und der Schwefel bleibt als Ge- rippe des Jodschwefelkrystalles zurück. Beim Einleiten von Schwe- felwasserstoff in eine verdünnte wässrige Lösung von Dreifach-Chlor- jod-Chlorkalium entsteht ein intensiv orangerother Niederschlag, des- sen Zusammensetzung Verf. zu S3J, Drittel-Jodschwefel gefunden hat. Frisch dargestellt ist derselbe weich, nach dem Trocknen eine feste amorphe Masse von schwarzbrauner Farbe. Aus fünffach Chlorjod erhält man durch Schwefelwasserstoff einen röthlichen Jodschwefel,
der aber nur geringe Spuren von Jod enthält. — (Journal f. prakt.
Chem. Bd. 84, p. 328.) O0. K. C. Lucknow, die Cochenilletincetur und ihre Anwen-
dung in der Alkali- und Acedimetrie. — Die Vortheile der
Anwendung der Cochenilletinetur gegenüber der Lackmustinctur lie. gen darin, dass sie bedeutend empfindlicher als letztere ist und auch zur Erkennung der Thonerde und der Metalloxyde angewendet wer- den kann. Dann, da die Carminsäure eine stärkere Säure als die Koh- lensäure ist, kann sie selbst zur Entdeckung des kohlensauren Kal- kes und bei Bestimmung der kohlensauren Alkalien angewendet wer-
den. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84. p. 424.) 0. K. A. Matthiessen und M. v. Bose, über einige Gold- Zinn-Legirungen. — Verff. fanden ebenso wie Cooke von den
Zinn-Antimonlegirungen, dass Zinn und Gold sich verbinden und be- stimmte krystallinische Formen hervorbringen können in andern Ver- hältnissen, als ihren chemischen Aeguivalenten entspricht. Die Kry- stalle, die Verff. darstellten, enthielten von 27,4 pC. bis 43 pC. Gold. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84. p. 319). 0. K. A. Matthiessen und M. v. Bose, über die Blei-Zink und Wismuth-Zinklegirungen. — Es ist bekannt, dass Blei
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und Zink, sowie Wismuth ünd Zink nicht in allen’ Verhältnissen Le girungen mit einander bilden. WVerff. fanden, dass Blei nur 1,6 pC. Zink, und Zink 1,2 pC. Blei auflöst; und dass Zink nur 2,4 pC. Wis- muth, sowie Wismuth 8,6—14,3 pC. Zink auflöst. — (Ebda Bd. 84, ». 323.) 0. K. Niepce de Saint-Victor, über Wirkungen der Elec- trieität und des Lichtes. — Salpetersaures Uranoxyd, Weinsäure und Citronensäure erhalten unter dem Einfluss der Eleectrieität die Ei- genschaft Gold- und Silbersalze zu reduciren. Rother Wein wird ver- ändert, und wird, ebenso auch weisser, alkoholreicher. Beim Stehen an der Luft verschwinden diese Einwirkungen der Electrieität allmä- lich wieder. Unter Einwirkung der Electrieität und des Sonnenlichtes setzt das salpetersaure Uranoxyd einen wvioletten Niederschlag ab, welcher durch Kali grün wird, und sich in Säuren mit seiner ur- sprünglichen Farbe löst. Die Elemente einer einfachen Kette entwi- ckeln in einer Auflösung von Oxalsäure und salpetersaurem Uranoxyd schon in der Dunkelheit Electricität, in der Sonne verstärkt sich diese Entwicklung bedeutend unter Abscheiden von Kohlenoxyd und oxal- saurem Zinkoxyd. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84. p. 422.) O0. K. Rommien, über den grünen Farbstoff französischer Kreuzdornarten. — Der Farbstoff der Rinde von Rhamnus ca- tharticus scheint nach des Verf. Untersuchungen mit dem chinesischen Lo-Rao identisch zu sein, nur scheint er etwas haltbarer und das daraus erzeugte Gelb nicht so brillant zu sein. — (Journ. f. pract Chem. Bd. 84. p. 432.) 0. K. H. Schiff, über Chromsuperoxyd und Chromsäure = Am besten stellt man braunes Chromoxyd (Chromsuperoxyd) dar, in- dem man chromsaures Kali mit Oxalsäure mengt, concentrirte Salpe- tersäure hinzusetzt und erwärmt; durch Ausfällen mit Ammoniak erhält man hieraus das braune Oxyd, aus dem durch Auswaschen nur sehr wenig Chromsäure ausgezogen werden kann, während aus dem durch Einwirkung von Chlorkalk auf Chromoxydhydrat darge- stellten braunen Oxyde, noch bedeutende Mengen von Chromsäure getrennt werden können. Chromsäure wird auch in den geringsten Spuren nachgewiesen, wenn mnn die Lösung mit Schwefelsäure und Guajak versetzt, indem bei Gegenwart derselben eine intensive Bläu- ung eintritt. Die Reaktion liess auch erkennen, dass die Chromate von Blei und Baryt etwas Weniges löslich sind. Wenn man Wein- stein mit neutralem chromsauren Kali zusammenbringt, so entsteht saures chromsaures Kali und neutrales weinsaures Kali. Eine Lö- sung von Brechweinstein mit neutralem chromsaurem Kali versetzt giebt eine blattgrüne Färbung; Natronsalze erzeugen dann einen weis- sen Niederschlag. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXA, 207.) B.8. C. F. Schönbein: 1. über das Verhalten des Chlors, Broms und Jods zum wässrigen Ammoniak und den.alka- lischen Oxyden. Man nimmt bis jetzt an, dass Chlor der wäss- rigen Ammoniaklösung Wasserstoff "entziehe, und unter Bildung von
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Chlorammonium den Stickstoff frei mache. Wenn man aber, in Chlor- wasser Ammoniak bis zur alkalischen Reaction giesst, so hat die Flüs- sigkeit noch die Eigenschaft Indigosolution zu zerstören, den Jod- kaliumkleister auf’s Tiefste zu bläuen, und im Uebersehuss wieder zu entfärben, die frische Guajaktinetur zu bläuen, überhaupt alle Re- actionen der Hyperchlorite wie auch deren Geruch und Geschmack zu zeigen, dann auch beiZusatz von Wasserstoffsuperoxyd eine merk- liehe Entwicklung von Sauerstoffgas zu erzeugen. In der Kälte all- mälich, schnell in der Wärme verliert die Flüssigkeit obige Eigen- schaften. Verf. betrachtet daher den Vorgang bei der Einwirkung des Chlors auf Ammoniak so, dass sich zuerst unterchlorigsaures Am- moniak. bilde,-dieses sich aber nach der gewohnten Gleichung 3NH,0.C0 = 2N + NH,Cl + 2HCl + 6HO
zerlege. Bei der Einwirkung des Jodwassers und Bromwassers auf Ammoniak lassen sich dieselben Erscheinungen beobachten, bedin- gen daher: dieselbe Erklärung. Die Erscheinungen, welche bei Ein- wirkung des Jodwassers auf Kalilösung stattfinden, gleichen ebenfalls den vorhin angeführten. Die Aehnlichkeit, welche das Jod aber auch sonst mit dem Chlor hat, lassen daher: hier umsomehr auf die Exi- stenz einer unterjodigen Säure schliessen, wie dieselbe Sauerstoffver- bindung vom Chlor längst bekannt ist. Es wird sich demnach beim Zusammentreffen von Jod und Kali zuerst Jodkalium und Kalihypo- jodit, aus letzterem dann sehr bald Jodmetall und Jodat bilden, da die Hypojodite noch viel weniger Beständigkeit als die Hypochlorite zu. besitzen scheinen. Das Auftreten des Jodstickstoff erklärt sich nach Verf. ebenfalls aus der Umsetzung des unterjodigsauren Salzes. U, Ueber das Vermögen des Jodkaliums, freies Jod gegen die Einwirkung freien Kalis zu schützen. Wenn concentrir- tes Jodwasser eine bestimmte Quantität einer Kalilösung zu seiner Entfärbung braucht, so braucht eine gleiche Quantität desselben Jod- wassers, 'wenn es vorher mit Stärkenkleister versetzt wird, eine grö$- sere Quantität derselben Kalilösung zur Entfärbung; ganz unverhält- nissmässig steigt aber die Quantität der zu verwendenden Kalilösung, wenn das Jodwasser mit Jodkalium versetzt worden ist. Umgekehrt bläut sich ein aus Jodwasser und Stärkekleister bestehendes Gemisch, welches durch eine hinreichende Menge Kalilösung entfärbt ist, wie- derum tief bei Zusatz von Jodkalium. Es schützt also der Stärke- kleister, bedeutend mehr aber noch das Jodkalium bis zu einem ge: wissen Grade das Jod gegen die Einwirkung des freien Alkalis, Da die Hypochlorite freies Jod mit grosser Leichtigkeit zu Jodsäure oxy+ diren, so war anzunehmen, dass sie auch alkalische Jodmetalle sofort in Jodate verwandeln würden, Tröpfelt man nun aber ein Hypochlo- rit zu Jodkaliumlösung, so bräunt sich die Flüssigkeit und bläute sich bei Anwesenheit von Stärkekleister. Da die Ausscheidung von Jod nur’unter Freiwerden von Alkali möglich ist, so ist hier wieder die Erscheinung wahrzunehmen, dass freies Jod neben freien Kali bei An- wesenheit von Jodkalium in einer Flüssigkeit existiren kann. Jeden-
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falls stehen diese Erscheinungen mit der Erscheinung, dass ozonisir- ter Sauerstoff Jod aus Jodkalium ausscheidet, in Zusammenhang. III. Ueber das Verhalten der Superoxyde des Wasserstoffs und Baryums zum Jod und Jodstickstoff stellte Verf. eine Reihe von Versuchen an, in denen er seine Ansicht, dass Jod eine posit. activ. O Wasserstoff- und Baryumsuperoxyd eine negat. activ, O- haltige Verbindungen seien, bestätigt findet. Wässrige Jodlösung und Wasserstoffsuperoxyd wirken, der bisherigen Meinung entgegen, kräftig auf einander; dass Gemisch entfärbt sich sofort, und röthet nach dem Abdampfen Lackmuspapier, bläut allein nicht, doch mit Hilfe von Chlorwasser den Stärkekleister, kurz zeigt die Reactionen der Jodwasserstoffsäure, obgleich sich Jodwasserstoffsäure und Was- serstoflsuperoxyd zersetzen. Führt man in alkalihaltiges Wasserstoff- superoxyd fein zertheiltes Jod ein, so erfolgt eine stürmische Ent- wicklung von gewöhnlichem Sauerstoffgas, und wird sofort eine farb- lose und geschmacklose Flüssigkeit erhalten. Es lässt sich hiebei also nicht die Bildung eines Hypojodites beobachten, aber ebensowe- nig auch die eines Jodates. Verf. erklärt daher den Vorgang: das posit. activ. O des Jod und negat. activ. © des Wasserstoffsuperoxydes vereinen sich zu gewöhnlichem Sauerstoff, wodurch das Jod zu einem Oxyde reducirt wird und sich mit dem Kali zu Jodkalium vereint. Baryumsuperoxyd und Jod verbinden sich zu Jodbaryum und gewöhn- lichem Sauerstoff ohne Entstehung von Jodat. Verf. macht darauf aufmerksam, dass nach seiner Anschauung es natürlich ist, dass Jod mit Baryumoxyd nicht Jodbaryum und Sauerstoff bildet. Ausgewa- schener Jodstickstoff mit wässrigem Wasserstoffsuperoxyd in Berüh- rung gesetzt entwickelt Sauerstoffgas mit etwas Stickstoff gemengt daneben entsteht Jodwasserstoffsäure, Jodammonium und eine Spur Jodsäure, so dass die Constitution des Jodstickstoffs als einer Ver- bindung von eigentlichem Jodstickstoff mit Ammoniak wahrscheinlich wird. IV. Ueber das Verhalten des Jods zum Stärkeklei- ster und reinen Wasser bei höherer Temperatur. Durch Jodwasser gebläuter Stärkekleister wird bei der Temperatur des sie- denden Wassers entfärbt, beim Erkalten tritt die blaue Färbung wie- der hervor. Unterhält man aber die Siedehitze genügende Zeit in einem verschlossenen Gefässe, so tritt beim Erkalten keine Färbung ein. Es rührt dies nicht vom Verflüchtigen des Jod sondern von der Bildung von Jodwasserstoffsäure her, denn die Flüssigkeit reagirt sauer, und erhält ihre blaue Farbe wieder, wenn man verdünnte Schwe- felsäure und wenige Tropfen einer alkalischen Nitritlösung hinzusetzt. Auch wässrige Jodlösung allein, einige Stunden in engen Röhren der Hitze kochenden Wassers ausgesetzt, verliert die Fähigkeit Kleister zu bläuen. Es bildet sich hier aber zugleich neben Jodwasserstoff- säure auch etwas Jodsäure, welche beiden Säuren in stark verdünn- ten Lösungen sich nicht zur Wasser und Jod umsetzen, wie in con- centrirtern. V. Ueber das Verhalten desAldehyds zum Sauer- stoff. Nicht der gewöhnliche Sauerstoff ist es, welcher den Aldehyd
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ebenso wie das Bittermandelöl oxydirt, sondern es muss zunächst die Bildung des Ozons hiebei eingeleitet werden. Setzt man in einem Gefässe Sauerstoff und Aldehyd’ dem Sonnenlichte oder selbst zer- streuten Tageslichte aus, so weisen alle Reactionen neben dem Auf- treten der Essigsäure, das des Sauerstoffs nach. Im Dunkeln tritt die Bildung von Ozon nicht ein, es wird daher hier auch nicht der Aldehyd von Sauerstoff oxydirt. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84. p. 385.) 0. E.
€. F. Schönbein, über einige durch die Haarröhr- chenanziehung des Papiers hervorgebrachte Trennungs- wirkungen. — Taucht man einen Papierstreifen mit dem einen Ende in, ‚eine verdünnte wässrige Lösung von Alkalien, Säuren, Salzen oder Farbstoffen, so steigt dieselbe vermöge der Capillarität in: die ‚Höhe. Jedoch bewirkt das Papier hierbei eine Trennung sowohl des Was- sers als der verschiedenen darin gelösten Stoffe von einander, in- dem dieselben mit verschiedener Schnelligkeit der Capillarattraction des Papiers folgen, und daher beim Unterbrechen des Aufsaugens durch das Papier bis zu verschiedenen Stellen in demselben vorge- rückt sind. Es lässt sich hieraus vielleieht für die qualitative Analyse ein Vortheil ziehen. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84, p.410.) 0.K,
L. €. Le Voir, Notiz über Ammoniakgehalt des de- stillirten Wassers und Eisenoxyd in statu nascenti. — Das Eisenoxyd ist in statu nascenti im Stande die Alkalien aus ihren Salzen abzuscheiden. Eisen an Messing gelöthet und in Kochsalzlö- sung rostend giebt Krystalle von kohlensaurem Natron auf der Ober- fläche des Messings; ist Salmiak zugegen, so bemerkt man Ammoniak- entwicklung. Man hat bemerkt, dass Eisentheile in destillirtem Was- ser rostend, darüber hängendes Lackmuspapier bläuen. Dies rührt davon her, dass das destillirte Wasser meist eine Spur Ammoniak- salze enthält, mit denen durch das entstehende Eisenoxyd Ammoniak frei gemacht wird. (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84, 326.) O.K. > b. Angewandte Hague, über den Guano von den Inseln des stillen Oceans. — Seit einigen Jahren erscheint ein an phos- phorsauerm Kalk reicher Guano im Handel unter dem Namen Amerikani- scher Guano, der auf einigen Inseln des stillen Oceans, besonders Baker, Howland und Jarvis gefunden wird. Charakteristisch für ihn ist seine Armuth an Ammoniak und löslichen Salzen. Der Verfasser hat nun 1) den Baker Guano der Untersuchung unterworfen und nennt den von dem nördlichen Theile der Insel Nr. I, von dem südlichen Theile Nr. II, der von der Oberfläche der Schichten Nr. III.
das Ergebniss war Nr. I. 10%, IIL Feuchtigkeit 1,82 2,92 11.15 Glühverlust 8,50 8,32 “rl Kalk 42,34 42,74 40,93 Magnesia 2,75 2,54 0,74 Schwefelsäure 1,24 1,30 5,66 Phosphorsäure 40,14 39,70 40,47
Kohlensäure, Chlor und Alkalien 3,21 2,48 0,45 100,00 100,00 100,00
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Nr. L ist trocken, dunkelbraun, grobkörnig und schliesst Wur- zeln und Fasern ein, sowie kleine weisse Körperchen, die Liebig als Krystalle von Phosphorsaurer Ammoniaktalkerde erkannt hat,
Nr. U. ist feuchter, leichter, mehr roth und enthält wenig Pfianzentheile.
Nr, III. hat ein krustenartiges Ansehen und ist jedenfalls den auslaugenden Wirkungen des Wassers am meisten ausgesetzt ge- wegen. \ & Der Guanolagerplatz in Schichten, die von 15 .‚Centimeter bis zu 1 Meter von dem Rand nach, der Mitte stärker werden, ist ‚von Sand, Korallen und Muscheln umgeben.
Der Guano von der Insel Howland kommt ‚gewöhnlich in 2
Sorten vor. Nr: üL\sto,. H+82
Feuchtigkeit 1,83 4,12 Glühverlust 8,65 22,63 Unlöslich in Salzsäure
(unverbrannte org. Subst.) 1,95 2,00 Kalk 42,00 36,90 Magnesia 2,65 1,24 Schwefelsäure 1,33 0,58 Phosphorsäure 39,65 30,80 Kohlensaure Chlore Alkalien 1,94 1,67
100,00 10,000 Nr. I ist heller kommt aus tieferen Schichten und enthält we- nig Pflanzeneinschlüsse, Nr. II dagegen dunkler und schliesst viele kleine Wurzeln und Fäserchen ein.
Beide Sorten enthalten Korallenstückchen, in denen die Kohlen- säure des Kalkes durch Phosphorsäure ersetzt ist. Viele dieser Ko- rallen enthielten bis zu 70 °/, phosphorsauren Kalkes. Oft fand man einen festen Kern von kohlensaurem Kalk, umhüllt von einer zerreib- lichen Hülle von phosphorsaurem. Der Guanoplatz liegt in .der Mitte der Insel. —
Der Guano von Jarvis endlich kommt nur in einer Sorte in den Handel und zwar ergab die Analyse
Feuchtigkeit 0,12 Glühverlust 9,62 Kalk 38,22 Schwefelsäure 1,93 Phosphorsäure 50,04
Nicht bestimmte Stoffe 0,27 Dieser Guano ist sehr hell, fast weiss und da die Insel Jarvis auf dem Korallengrund noch eine oft 60 Centimeter starke'Gypsdecke hat, so kam es oft, vor, dass man den Gyps für Guano hielt und so ohne es: zu wollen..die Güte dieses Handelsartikels mit Unrecht in Misskredit brachte. (Sillim. Amerie. Journ. ZXXIV. Sept.) 2. D.
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Geologie; Rammelsberg berichtet über den letzten Ausbruch des Vesuvs am 8. December 1861 nach den Mitthei- lungen von Guiscardi, Palmieri und Deville. — Am genannten Tage zeigten sich starke und dauernde Erdstösse, welche man Mittags in Neapel verspürte und um 4 Uhr Nachmittags begann die vulcanische Thätigkeit oberhalb Torre del Greco mit einer Reihe von Dampfsäu- len, welche sich bald in eine lange das Haus des Dedonne verschlin- gende Spalte verwandelten. An vielen Stellen dieser Spalte schleu- derten Dämpfe Lapilli und Asche empor, während in der Mitte ge- krümmte Blitze mit Donner sich zeigten. Zugleich flogen Stücke glühender Lava empor und es brach ein Strom von Lava hervor, der sofort in erkaltende Schlacken sich zertheilte, gegen Torre del Greco sich-wendend, aber schon Abends 11 Uhr zu fliessen aufhörte. Gleich- zeitig. verstärkte der obere Krater seinen Dampf durch Auswürfe vul- eanischer Asche. Andern Morgens beim Besuch des Berges fanden PB. und G. schon in Portiei vulcanische Asche, die Gebäude in Torre del-Greco: von oben bis unten zerrissen, gleich wie die Lava von 1794 von :Spalten durchsetzt von Asche und frischer Lava. bedeckt war. Die Eruptionsmündungen‘ der letztern liegen in einer NO-SW-Reihe, Schlacken und Asche bildeten schon einen länglichen Hügel, aus der entferntesten Oeffnung: drangen Fumarolen hervor, in denen Wasser- dampf und schweflige Säure sich bemerkbar machten. Aus den tiefer ge- legenen Oeffnungen wurden die pulverigen Materien mit glühenden Lavastücken unter brüllendem Getöse ausgeworfen, in das der obre Krater einstimmte. Erstre Thätigkeit hörte in der folgenden Nacht auf,. der grosse Krater beschränkte seine Auswürfe auf einen Tag, aber am 14.:December stürzte die Punta von 1850 zusammen. Mit der, Eruption begann eine Bodenhebung zu Torre del Greco 2 Tage lang, ‚wobei der auf der Lava von 1794 liegende Stadttheil stark litt. Die , Wassermenge: der Brunnen erschien vermehrt, am Meeresufer brachen Quellen, hervor , ja der grosse Stadtbrunnen überschwemmte seine; Umgebung. Ueberall drang Wasser mit Kohlensäure hervor, selbst im; Meere, wo viele Fische starben.‘ Die Bodenerhebung be- trägt 1,12 M., bei Torre'di Basano 0,3 M. Unter den Sublimaten der Fumarolen war Schwefel häufig’ und Schwefelwasserstoff, hie und da aueb Alkalichlorüre‘ durch Eisenchlorid gefärbt. ‘Deville traf am 17. December in. Neapel ein, fand die submarinen Mofetten nur theilweis aus! Kohlensäure bestehend, ohne Sauerstoff, aber mit Stickstoff und Kohlenwasserstoff. Die Gase aus den Spalten der alten Lava am Lande enthielten. 96532 C, und nur: 3,68 N und Kohlenwasserstoff, die aus! dem! Meere. nahe‘ am Lande 88,60 C, ‚fern. von der: Küste 11,54 noch! am, 1.. Januar; ihre Temperatur 20° bei der alten Lava, und das Meerwasser 32°... Die/ jetzige ‚Spalte ‚entspricht ganz der, vom Juni 1794, deren. Strom Torre, del; Greco zerstörte,. Sie liegt‘ z. Th, im Tuff, und die Auswürflinge kleiner Oeffnungen zeigen diesen, körni- gen dolomitischen Kalkstein, Aggregate‘ von Glimmer, Vesuvian, Ne- phelin;, . Von 10: Vertiefungen der obern Spalte haben nur 2. Lava ger
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liefert, welche sich gegen S dann SW verbreiteten, die übrigen war- fen Asche und glühende Blöcke aus. Der stumpfwinklig folgende untre Theil der Spalte mit 3 Oeffnungen in der Lava von 1794 lie- gend lieferte keine festen oder flüssigen Produkte. Noch am 26. Ja- nuar war die Umgebung beider Lavakrater und die sie trennende ge- zackte Schlackenmauer glühend in Folge der massenhaften Entwick- lung von Chlorwasserstoff- und schwefliger Säure, von Chlorkalien, Oxyden, Chloriden von Eisen und Kupfer. Gegen S. waren kältere Lavastellen mit Flocken von Salmiak bedeckt, gegen N. mit Subli- maten von Chlornatrium und Eisenchlorid. Später erschienen 'Was- serdampffumarolen reich an Chlorwasserstoffsäure. Auch die Bildung der Chlorkalien hörte auf und die Temperatur sank allmählig. Trotz der häufigen Chlorverbindungen fand sich auch Schwefel theils in Klümpchen an der Oberfläche geflossen theils in kleinen scharfen Rhombenoctaedern fadenförmig gereiht. Ueberraschend schnell wech- selt die chemische Beschaffenheit der Fumarolen. Am 4. Tage nach der Operation brannte Kohlenwasserstoff an Spalten und am grossen Brunnen von Torre del Greco, der aber von Kohlensäure verdrängt wurde, welche im Steinbruch von Scarpi 5 Arbeiter betäubte und. am 9. Januar noch den Zugang verwehrte. Auch der grosse Strom von 1831 entwickelte aus seinen Spalten viel Kohlensäure, welche zu St. Maria di Pugliano die Keller erfüllte, auf der Strasse kleine Haus- thiere tödtete und die Kinder zu hüten nöthigte. Das dauerte bis Ende Januar. Allmählig verminderten sich die Gasausströmungen, wobei aber ihre Temperatur stieg, denn das Gas aus einer Spalte hatte am 23. December 12%, dann längere Zeit 20°, am 5. Februar 47%. Deville schliesst, dass im Anfang sich vielleicht reines Kohlen- wasserstoffgas entwickelt habe, darauf Kohlensäure und später noch Schwefelwasserstoff und heisse Wasserdämpfe gefolgt seien, und’ meint ferner, dass nur ein kleiner Theil der Lava ausgeflossen, der grössere in die Höhlungen des alten Stromes von 1794 eingedrungen sei, wel- ches zugleich die Verwüstungen Torre del Grecos am untern Ende